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Segeberg Das neue Traumpaar am Kalkberg
Lokales Segeberg Das neue Traumpaar am Kalkberg
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06:00 24.06.2013
Winnetou einst und Winnetou jetzt: In den Armen seines Sohnes (Jan Sosniok) stirbt Intschu-tschuna (Gojko Mitic), Häuptling der Apachen. Vorher übergibt der Alte dem Jungen aber noch die berühmte Silberbüchse. Gojko Mitic erhielt bei seiner Rückkehr an den Kalkberg viel Applaus. Aber auch Sosnioks Premiere in Bad Segeberg stieß auf viel positive Resonanz.
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Bad Segeberg

Immer dunklere Wolken zogen heran, als sich das Freilichttheater am Kalkberg für die Premiere füllte. Pünktlich zum Zeitpunkt der offiziellen Eröffnung begann der Regen. Der Wunsch von Schauspieler Reiner Schöne, der in diesem Jahr den traditionellen Startschuss abgeben durfte, dass der große Manitu die Saison trocken verlaufen lassen möge, sollte sich zumindest für diesen Abend nicht erfüllen. „Der Regen hat die Stimmung merklich gedrückt“, war immer wieder zu hören.

 Nicht jeder im Publikum war glücklich darüber, dass die Geschäftsführerin der Karl-May-Spiele, Ute Thienel, und der Aufsichtsratsvorsitzende der Kalkberg GmbH, Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld, noch ein bisschen abwarteten und vielleicht auf das Ende des Regens hofften, ehe sie ihre Eröffnungsansprachen hielten. Der 71-jährige Schöne erinnerte sich ein wenig melancholisch an seine eigene Zeit als Schauspieler in Bad Segeberg, zuletzt 2002 als Old Firehand. Seit 2008 ist er bei den Spielen als Erzähler aus dem Off zu hören.

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 Als Ute Thienel vom dreizehnten Winnetou in der Geschichte der Karl-May-Spiele sprach, raunte jemand: „Ganz schöner Verschleiß!“ In mittlerweile 62 Spielzeiten ist das allerdings relativ. Dabei spielt der Apachen-Häuptling - dessen Namen das Stück trägt - eigentlich gar nicht die Hauptrolle. Vielmehr ist es Wayne Carpendale als Old Shatterhand, der die Handlung trägt - und auch vom Publikum mit großem Beifall wieder am Kalkberg begrüßt wurde. Er wirkte schon 2003 als Old Surehand mit. Der andere Star des Abends war Gojko Mitic (73) als Winnetous Vater Intschu-tschuna. Für viele Fans war es eine Freude, den ehemaligen Winnetou-Darsteller (1992 bis 2006) wiederzusehen, der sich mit seiner Publikumsnähe in Bad Segeberg viele Freunde geschaffen hat.

 Segebergs ehemaliger Landrat Georg Gorrissen brachte es auf den Punkt: „Es ist schön, wie Mitic und Carpendale Sosniok als neuen Winnetou einführen; der muss sich in die Rolle finden und wird seinen Weg gehen.“ Eigentlich sei es irgendwie logisch, dass ein ehemaliger Winnetou-Darsteller in der Rolle des Intschu-tschuna seinen Nachnachfolger einführe, hieß es.

 Zwar wurde auch Sophie Wepper (31) als Nscho-tschi gelegentlich herausgehoben, doch vor allem wurde von den Premierengästen immer wieder die Ensemble-Leistung gewürdigt. So stellten viele eine Harmonie fest, die in den vorigen Jahren in dieser Form nicht zu spüren gewesen sei. Beim Schlussapplaus wirkte das Ensemble jedenfalls sehr gelöst und locker; die Darsteller der großen Rollen nahmen gemeinsam Hand in Hand die Glückwünsche des Publikums entgegen.

 Viel gelobt wurde die Action in der neuen Inszenierung. Die Besucher bekamen schon kurz nach Beginn über die ersten Explosionen geboten, und auch in der Folge ließen es die Pyrotechniker immer wieder krachen. Nicht umsonst wurde die Szenerie von einem der Komiker im Stück als „Rummsfeld“ bezeichnet - in Anspielung auf einen früheren amerikanischen Verteidigungsminister.

 Aber lieber ein Rummsfeld als Wasserspiele. Wie oft Manitu bis zum Ende der Saison am 1. September den Himmel über der Prärie weinen lassen wird, lässt sich auch mit noch so stimmungsvollen Sonnentänzen beeinflussen. Doch vor allem vom Wetter dürfte es abhängen, ob die Marke von 300000 Besuchern nach 72 Vorstellungen - wie zuletzt 2011 - wieder geknackt wird.