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Segeberg Aufsichtsrat in der Kritik
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15:51 14.02.2020
Von Klaus-Ulrich Tödter
Dieser Cartoon ist auf dem Flugblatt abgedruckt, mit dem Mitglieder des Bauvereins für die Abberufung des Aufsichtsrats werben. Quelle: Privat
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Kaltenkirchen

Auf Grund der laut werdenen Kritik am Bauverein will Familie Bade ihr Gärtnerei-Grundstück in Henstedt-Ulzburg nun nicht mehr an das Wohnungsunternehmen verkaufen. Das teilte sie dem Vorstand schriftlich mit. Ferner hat der Aufsichtsrat den Mitgliedern einen Brief geschrieben, in dem er unter anderem beklagt, dass streng vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Zudem lädt er sie für den 26. Februar zu einer Informationsveranstaltung ein. Das geht einer Gruppe um den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Lange aber nicht weit genug. Sie sammelt derzeit Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung, in der sie den Aufsichtsrat abberufen will, dem Lange „selbstherrliches Treiben“ und „Filz“ vorwirft.

Trotz Handschlag Verhandlungen beendet

Im traditionsreichen Wohnungsunternehmen war es zum heftigen Streit gekommen, weil das ehemalige Vorstandsduo Martina Bennert und Christian Schwalger sich weigerte, dem Wunsch des Aufsichtsrates zu folgen und für 3,5 Millionen Euro das rund 6500 Quadratmeter große Gärtnerei-Grundstück an der Hamburger Straße zu kaufen, um dort ein millionenschweres Bauprojekt zu verwirklichen. Daraufhin wurde Bennert, ein Urgestein beim Bauverein, vom Aufsichtsrat von ihren Aufgaben entbunden und freigestellt.

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Verkaufsverhandlungen eingestellt

Jetzt hat die Familie Bade, die die öffentliche Diskussion über den geplanten Verkauf sehr belastet, die Reißleine gezogen. „Sie hat uns schriftlich mitgeteilt, dass sie die Verkaufsverhandlungen mit dem Bauverein als beendet betrachtet“, sagt das kommissarische Vorstandsmitglied Klaus Fock. Bades seien verärgert, dass Verkaufsdetails an die Öffentlichkeit gelangt seien. Sie wollten an den Bauverein trotz höherer anderer Angebote verkaufen, weil sie Vertrauen in das in der Region verwurzelte Unternehmen hatten. „Sie sind auch sehr enttäuscht, weil sie sich mit Martina Bennert nach vielen Verhandlungen per Handschlag über den Verkauf geeinigt hatten“, so Fock, von dem Frau Bennert dann aber nichts mehr wissen wollte. Sie will sich dazu nicht äußern.

Vertrauliche Informationen lanciert

Inzwischen hat der Aufsichtsrat des Bauvereins seinen rund 2500 Mitgliedern einen Brief geschrieben. Dass streng vertrauliche Informationen über geplante Investitionen und Immobilienkäufe gezielt zu den Medien lanciert wurden, sei geschäftsschädigend, heißt es in dem Schreiben, das der Segeberger Zeitung vorliegt. Erfolgreiche Arbeit setze auch Vertrauen zwischen Aufsichtsrat und Vorstand voraus. Daran fehle es leider, was die Indiskretionen beweisen würden, schreibt der Aufsichtsrat weiter, der ferner zu einer Informationsveranstaltung einlädt. Die soll am Mittwoch, 26. Februar, ab 19 Uhr in der Mensa des Gymnasiums am Flottkamp stattfinden.

"Mehr Filz geht wohl nicht"

Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende des Bauvereins, Wolfgang Lange, möchte dagegen lieber eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um den Aufsichtsrat abwählen zu lassen. Dazu werden jetzt eifrig Unterschriften gesammelt. 250 sind dazu nötig. Das entspricht zehn Prozent der Mitglieder. Lange wirft dem Gremium Satzungsverstöße vor und sagt: „Mehr Filz geht wohl nicht.“ Der Aufsichtsrat sei ein Klüngel aus mehreren Rotary-Club-Mitgliedern. Auch der neue Vorstand Thomas Pütz gehöre dazu. Zudem würde der Aufsichtsratsvorsitzende Johann Fuhlendorf, gleichzeitig auch Vorstandssprecher der Kaltenkirchener Bank und Geschäftsführer der bankeigenen Immobiliengesellschaft, auch noch im Aufsichtsrat der Pütz Security AG sitzen. „Dem selbstherrlichen Treiben des Aufsichtsrates muss unbedingt ein Ende gesetzt werden“, fordert Lange.

Prüfverband gewechselt

Inzwischen haben die Streitereien beim Bauverein weite Kreise gezogen. „Wir beobachten die Situation dort mit Sorge. Wir hoffen, dass ein Weg gefunden wird, der für die Genossenschaft der beste ist“, sagt Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Der Verband ist bereit, eine Sonderprüfung vorzunehmen. Er müsste aber von der Genossenschaft dazu aufgefordert werden.“ Der VNW, bei dem der Bauverein Mitglied ist, ist der Verband der Vermieter und vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 378 Wohnungsgenossenschaften sowie -gesellschaften. Er prüfte wie vorgeschrieben auch den Jahresabschluss des genossenschaftlichen Bauvereins. Im Jahr 2016 sprach er laut Lange in seinem Bericht wegen eines Satzungsverstoßes eine Rüge aus.

Ab 2017 wechselte der Bauverein dann plötzlich zum Genossenschaftlichen Prüfverband Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg, der laut eigener Homepage überwiegend landwirtschaftliche Betriebe zu seinen Kunden zählt. Er ist allerdings auch der Prüfverband der Kaltenkirchener Bank. „Ich habe von den Vorgängen im Bauverein gelesen“, sagt Thomas Harder, Vorstand des Verbandes in Neubrandenburg. Er könne dazu aber nichts sagen, da der zuständige Prüfer nicht im Hause sei.

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