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Segeberg Der Ton wird rauer - Verein wehrt sich
Lokales Segeberg Der Ton wird rauer - Verein wehrt sich
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17:02 13.08.2019
Von Sylvana Lublow
Alexander Valentin (links) und Thorben Kuhlmann vom MSC Kaltenkirchen wollen sich die falschen Vorwürfe nicht mehr gefallen lassen.  Quelle: Privat
Kaltenkirchen

Nachdem der Bauausschuss vor ein paar Monaten dem ersten Schritt der Planung zugestimmt hatte, ist viel passiert. Eine Bürgerinitiative gegen das Areal in Moorkaten hat sich gegründet, eine offenen Aussprache mit Hunderten Beteiligten fand statt und zuletzt gab es am 4. Juli sogar eine wohl ziemlich einmalige Vor-Ort-Hörprobe mit realem Trainingsbetrieb. Doch gebracht hat das alles bisher nicht viel. Im Gegenteil: Die Fronten verhärten sich immer mehr.

"Vorwürfe der Manipulation sind quatsch"

Der MSC hat sich bisher zurückgehalten; doch jetzt sei ein Punkt erreicht, an dem die Motorsportler die Vorwürfe und Anklagen der Gegner nicht mehr unkommentiert stehen lassen wollen. „Uns wurde in letzter Zeit viel vorgeworfen, auch, dass wir lügen. Damit wollen wir jetzt aufräumen“, sagt Alexander Valentin der SZ. Der 42-Jährige ist selbst Motocrosser und Mitglied im MSC-Organisations-Team und betont: „Die Vorwürfe der Manipulation sind quatsch.“

Nach der Hörprobe hätten Valentin, der das Probetraining leitete, und seine Vereinskollegen das Gefühl gehabt, einigen Bewohnern die Angst vor dem Lärm genommen zu haben. Auch Thorben Kuhlmann vom Vorstand des MSC habe gute Gespräche geführt an diesem Abend. Er war in dem Wohngebiet unterwegs, das etwa 900 Meter Luftlinie vom geplanten Areal entfernt liegt – dem Ausgangspunkt der gegnerischen Bürgerinitiative. „Es waren zwar nicht so viele Bewohner dabei, wie wir erwartet hatten, aber mit einigen kamen gute Gespräche zustande“, so Kuhlmann. „Schade nur, dass danach Lügen über uns verbreitet wurden“, sagt Valentin. Eigentlich wurde noch am selben Abend, als feststand, dass so gut wie kein Motorenlärm der Crosser ins Wohngebiet drang, von einigen Gegnern moniert, dass das Probetraining nicht unter realen Bedingungen stattgefunden habe.

Ein Dialog mit den Gegnern ist nicht möglich

 Von extra langsamen Fahrten und abgebauten Sportauspuffanlagen (die wären nämlich lauter) war die Rede. Auch die noch nicht vorhandenen Sprunghügel wurden den Motorsportlern vorgeworfen, ebenso wie nicht erfolgte Massenstarts, die es im realen Training angeblich geben würde. 

All diese Vorwürfe können die MSCler entkräften, gefragt wurden sie allerdings nicht, schon gar nicht von den Gegnern. „Ein Dialog ist nicht möglich, sie sind dagegen, egal, was wir sagen“, ist Valentin sich sicher. „Auch von der Wählergemeinschaft Pro-Kaki sind wir enttäuscht. Schon vor der großen Aussprache haben sie der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass sie dem Trainingsareal ablehnend entgegenstehen. Das ist einfach ein schlechter Stil“, sagt Valentin: „Von der Bürgerinitiative kann man das ja noch verstehen, aber von Stadtvertretern kann man doch mehr erwarten. Das ist nicht gerade demokratisch.“ 

"Wir wollen nur unseren Sport ausüben"

Und trotzdem wollen sie nicht als Lügner dargestellt werden. Das Probetraining während der Hörprobe sei so real verlaufen, wie es unter den Umständen möglich war. „Wo sollten denn so schnell Sprunghügel herkommen? Es ist ja noch nicht unser Areal. Allerdings hatte das erste Lärmgutachten die geographische Höhe von sechs bis acht Metern mit einberechnet“, erklärt Valentin. Beim Probetraining seien durchaus einige Motorräder mit Sportauspuff gefahren. „Heutzutage sind die aber gar nicht mehr so laut wie früher“, erklärt Thorben Kuhlmann: „Und viele Fahrer sind mit den Auspuffen ab Werk sehr zufrieden.“ Valentin betont: „Wir Motorsportler haben doch nicht per se ein Interesse an Lärm! Wir wollen einfach nur unseren Sport ausüben.“

Und Massenstarts? „Die gibt es bei Enduro-Rennen nicht. Es wird in dreier-Gruppen gestartet. Gemessen wird die individuelle Zeit des Fahrers“, erklärt Valentin. Enduro ist ein Zeitrennen, das im Gegensatz zum Motocross ohne Sprünge auskommt. Die meisten MSCler sind Enduro-Fahrer.

Nicht alle Fraktionen nehmen Gesprächsangebot an

Was die Gegner auch nicht glauben: Nur 20 Motorräder werden maximal zeitgleich auf der Strecke unterwegs sein. „Das wird einer der Eckpunkte in unserem Nutzungsvertrag sein – und daran halten wir uns auch“, sagt Valentin. Auch das Lärmgutachten wurde mit 20 Fahrern berechnet. „Selbst wenn 50 Fahrer zum Training erscheinen, heißt das ja nicht, das jeder durchgängig vier Stunden fährt, das schafft und will auch niemand, da wird sich abgewechselt“, so Valentin

Dass es diese Hörprobe überhaupt gegeben habe, rechne der MSC der Stadt hoch an. Und auch sich selbst. Valentin: „Etwas vergleichbares gab es noch nie!“ Auch über die Gesprächsbereitschaft einiger Fraktionen freut sich der Club. „Es gab schon Treffen mit der SPD und FDP, ein Termin mit der CDU steht noch aus“, sagt Valentin

Angeschrieben wurden alle, aber nicht jede Fraktion habe das Angebot angenommen. Doch so langsam möchte der MSC auch nicht mehr über jedes Stöckchen springen, das ihm hingehalten wird. „Das ganze Thema ist zu einem Politikum verkommen“, sagt der Motorsportler.

Kein Lärm gemessen

Kein Lärm gemessen

Wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung bekannt gab, liegen die Auswertungen der Vor-Ort-Hörprobe bereits vor. Der Lärmgutachter kommt zu dem Ergebnis, dass „die Messungen im Rahmen der Hörprobe vom 4. Juli zeigen, dass im Stadtgebiet eine Tonhaltigkeit der Geräusche aus dem Trainingsbetrieb nicht feststellbar ist.“ Und weiter: An den Messorten MP 1 (Bereich Heideweg) und MP 2 (Bereich Waldweg) im Stadtgebiet zeigt sich für den überwiegenden Messzeitraum, dass die Geräuschsituation vom Fremdgeräusch (überwiegend Autobahn A 7) dominiert wird.

Überschreitungen der Immissionsrichtwerte nach TA Lärm sind durch den beabsichtigten Trainingsbetrieb nicht zu erwarten. „Das Bauleitplanverfahren zur 17. Änderung des Flächennutzungsplanes könnte aus Sicht der Verwaltung weitergeführt werden“, sagt Bürgermeister Hanno Krause: „Ich würde mich freuen, wenn wir am Ende des Planungsprozesses dem MSC Kaltenkirchen ein Motorsportgelände im Industriegebiet hinter der Autobahn zur Verfügung stellen können, so wie wir auch für andere Sportvereine in Kaltenkirchen gute Trainingsmöglichkeiten schaffen.“

Auswertung der Lärmprobe findet kommenden Montag statt

Und Thorben Kuhlmann fürgt hinzu: „Alles ist sehr emotional geworden, das ist schade. Wir sind uns bewusst, dass es sich um ein sensibles Thema handelt, aber unser Sport ist ja nicht verboten!“ 

Das angedachte Areal in Moorkaten sei das Ergebnis einer jahrelangen Suche. „Uns wird auch vorgehalten, dass wir zu wenige Mitglieder haben, dabei ist eine fehlende Trainingsstrecke ja der Hauptgrund dafür“, sagt Kuhlmann. Als ein Kaltenkirchener Traditionsverein habe der Club bereits viel in die Stadt gebracht, große Rennen in früheren Jahren, wichtige Titel und große sportliche Erfolge kann der MSC vorweisen. „Und heute ist bei uns nicht mal ein Training möglich, das ist sehr schade“, so Kuhlmann. Valentin: „Ich hätte niemals für möglich gehalten, was für ein Fass wir damit aufmachen.“

Am kommenden Montag, 19. August, wird im Bauausschuss um 18.30 Uhr öffentlich die Vor-Ort-Lärmprobe ausgewertet und über die nächsten schritten entschieden.

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