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Segeberg Deutsche werden, war gar nicht so schwer
Lokales Segeberg Deutsche werden, war gar nicht so schwer
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19:34 15.01.2020
Von Sylvana Lublow
Joanna Piotrowska-Rockstroh mit ihren Söhnen Benedikt (rechts) und Paul, die beide in Deutschland geboren sind. Quelle: Sylvana Lublow
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Kaltenkirchen

Seit 2009 lebt sie in Deutschland, hat einen deutschen Mann geheiratet und ihre Kinder in Deutschland geboren– jetzt hat sie selbst einen deutschen Pass und ist stolz darauf.

Joanna Piotrowska-Rockstroh hat sich schon als junges Mädchen sehr für Deutschland interessiert. „Meine Uroma war Deutsche“, erzählt sie. Doch leider hatte sich die deutsche Sprache in der Familie nicht bis zu Joannas Generation durchgesetzt. Also beschloss sie, nach dem Abitur Germanistik zu studieren. Später arbeitete sie als Deutschlehrerin. Fast folgerichtig lernte die Polin irgendwann in Stettin ihren deutschen Mann kennen, der auch noch einen typischen polnischen Vornamen trägt: Marek Rockstrock. Was ihr als erstes an ihm gefiel: „Er sprach so schön Hochdeutsch.“ Aber er habe auch gut ausgesehen, erzählt sie lachend.

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Ihre Söhne sind nach Päpsten benannt

Das Paar zieht zusammen, erst nach Quickborn, dann nach Kaltenkirchen in ein kleines Reihenhaus, die beiden Söhne Benedikt (6) und Paul (4) kommen. „Ja, sie sind nach den Päpsten benannt“, sagt Joanna Piotrowska-Rockstroh auf Nachfrage und lacht. Sie ist katholisch, so wie 90 Prozent ihrer Landsleute. Als sie ihren Söhnen, die zweisprachig aufwachsen, erklärte, dass sie nun auch offiziell Deutsche ist, habe ihr Jüngster gesagt: „Dann darfst du jetzt aber kein Polnisch mehr sprechen.“

„Mir war von Anfang an klar, dass ich Deutsche werden will. Aber erst musste ich acht Jahre hier leben“, erzählt die 42-Jährige. Kaltenkirchen sei nicht nur die Heimat ihrer Kinder, sondern auch ihre geworden. Also stellte sie im vergangenen Jahr den Antrag auf die Deutsche Staatsbürgerschaft, bis dato besaß sie als EU-Bürgerin eine sogenannte „Freizügigkeitsbescheinigung“. Die „typisch deutschen“ bürokratischen Mühlen begannen zu mahlen. Aber: „Es war gar nicht so schwer, Deutsche zu werden“, sagt Joanna Piotrowska-Rockstroh. Moralische Unterstützung erhielt sie unter anderem auch von ihrem Nachbarn Dieter Bracke, Erster Stadtrat Kaltenkirchens. Er war es auch, der Joanna und ihre Familie zur Einbürgerungsfeier ins Bad Bramstedter Schloss begleitete.

Gute Sprachkenntnisse sind Voraussetzung

Zurück zum Prozedere: „Voraussetzung waren unter anderem Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1“, erzählt Joanna Piotrowska-Rockstroh. Das können ausländische Bürger zum Beispiel in Kursen an der Volkshochschule erlangen. Piotrowska-Rockstroh brauchte das allerdings nicht – sie spricht und schreibt fließend Deutsch, hat es ja schließlich studiert. „Ich musste nur mein Diplom einreichen.“ Außerdem gibt sie selbst als Dozentin an der VHS Henstedt-Ulzburg Alphabetisierungskurse. Eine weitere Voraussetzung sei die finanzielle Unabhängigkeit vom Staat – auch hier konnte Piotrowska-Rockstroh einen Haken machen, da sie freiberuflich als Deutschlehrerin arbeitet.

Viel Sorgen und Mühe mache den meisten Bewerbern der große Einbürgerungstest. 330 Fragen müssen gepaukt werden, 30 davon kommen im Test vor. Einige Beispiele erinnert Joanna noch: Wann begann der Zweite Weltkrieg? Was sind die Merkmale einer Demokratie? Oder: Was ist eine Legislative? Auch dafür gibt es an den Volkshochschulen Orientierungskurse. Und auch hier konnte Piotrowska-Rockstroh darauf verzichten und auf ihre im Studium erworbenen Vorkenntnisse zurückgreifen. „Ich habe mir natürlich alle Fragen angeguckt und mein Wissen aufgefrischt. Aber vieles wusste ich schon, weil ich im Studium auch Kultur- und Landeskunde hatte.“ Dementsprechend war auch ihr Ergebnis: Null Fehler. „Bei 30 Fragen muss man allerdings nur 17 richtig beantworten, um den Test zu bestehen“, erzählt sie.

Nationalhymne auswendig gelernt

Nachdem alle Tests und Papiere ausgiebig von der Behörde für Ausländer- und Asylangelegenheiten geprüft wurden, bekam Joanna Piotrowska-Rockstroh den Bescheid: Sie durfte Deutsche Staatsangehörige werden. Ihren polnischen Pass darf sie als EU-Bürgerin ebenfalls behalten. „Die Einbürgerungsfeier war sehr berührend für mich“, erzählt sie: „Ich hatte dafür extra die Deutsche Nationalhymne auswendig gelernt.“ Die wurde dort gemeinsam mit den anderen Neubürgern gesungen.

„Ich fühle mich zum Teil deutscher als polnisch. Die Kultur Deutschlands als Land der Dichter und Denker hat mich schon immer begeistert“, sagt Piotrowska-Rockstroh. Was für sie noch typisch Deutsch ist: „Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit – einiges davon habe ich auch, aber nicht alles, ich habe auch noch eine slawische Seele.“ Besonders aber liebt sie die deutsche Sprache. „Sie ist sehr präzise. Als Katholikin lese ich gerne die Bücher von Ratzinger, dem deutschen Papst. Ich denke, er ist so ein guter Theologe, weil die deutsche Sprache so präzise ist und die Ausdrücke das Wesen treffen.“

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