Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Bauverein: Turbulenzen gehen weiter
Lokales Segeberg Bauverein: Turbulenzen gehen weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:34 06.02.2020
Von Klaus-Ulrich Tödter
Der ehemalige Vorsitzende des Kaltenkirchener Bauvereins, Wolfgang Lange, fordert seinen Nachfolger Johann Fuhlendorf zum Rücktritt auf. Quelle: Klaus-Ulrich Tödter
Kaltenkirchen

Ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied, das Prokurist werden sollte, durfte zunächst seinen Dienst nicht antreten, einen Tag später dann aber doch. Mit dem Kaltenkirchener Unternehmer Thomas Pütz wurde plötzlich ein drittes Vorstandsmitglied aus dem Hut gezaubert. Und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Lange fordert seinen Nachfolger Johann Fuhlendorf zum sofortigen Rücktritt auf, wirft ihm unter anderem vor, gegen die Satzung vorstoßen zu haben. Der wiederum spricht von einer Schlammschlacht.

Vorstandsmitglied wurde freigestellt

Zum Eklat war es gekommen, weil das ehemalige Vorstandsduo Martina Bennert und Christian Schwalger sich weigerte, dem Wunsch des Aufsichtsrates zu folgen und für 3,5 Millionen Euro das rund 6500 Quadratmeter große Bade-Grundstück in Henstedt-Ulzburg zu kaufen, um dort ein millionenschweres Wohnungsprojekt zu verwirklichen. Speziell Bennert waren das Risiko und der Kaufpreis zu hoch. Ihre ablehnende Haltung wird durch ein Kurzgutachten gestützt, das sie anfertigen ließ und in dem Fuhlendorf Kompetenzüberschreitungen vorgeworfen werden, weil er Kaufverhandlungen geführt habe. Martina Bennert, ein Urgestein des Bauvereins, wurde daraufhin von ihren Aufgaben entbunden und freigestellt.

Mit Pütz ein Vorstandsmitglied installiert

Sie und Schwalger hatten sich nach Informationen der Segeberger Zeitung auch geweigert, den Anstellungsvertrag für Aufsichtsratsmitglied Carsten Heidtmann zu unterschreiben. Der sollte nach Niederlegung dieses Amtes Prokurist beim Bauverein werden. Das hatte ihm Fuhlendorf schriftlich zugesichert. Doch Heidtmann konnte sein Amt am 3. Februar nicht antreten, weil mit Aufsichtsratsmitglied Klaus Fock, der nach der Freistellung von Bennert zum kommissarischen Vorstand berufen worden war, nur ein Vorstandsmitglied den Anstellungsvertrag unterschrieben hatte. So wurde kurzfristig noch Thomas Pütz ins Boot geholt und vom Aufsichtsrat als weiteres Vorstandsmitglied installiert. Mit seiner Unterschrift wurde Heidtmanns Vertrag gültig, er konnte seine Arbeit aufnehmen. Das verbliebene hauptamtliche Vorstandsmitglied Schwalger wurde für die Vertragsunterzeichnung nicht mehr gebraucht.

Geklüngel unter Rotary-Freunden?

„Ich bin entsetzt und sehr besorgt“, sagt Wolfgang Lange, „wie der Aufsichtsrat fungiert und praktisch am Vorstand vorbei die Geschäfte führt“. Und er fragt sich, warum Fuhlendorf den Kauf unbedingt durch den Bauverein vornehmen lassen wollte. „Er ist doch Vorstand der Kaltenkirchener Bank und gleichzeitig noch Geschäftsführer einer bankeigenen Immobiliengesellschaft, die in Konkurrenz mit dem Bauverein steht.“ Und Lange stellt noch eine weitere Frage: „Oder hing der Kaufwunsch damit zusammen, dass Wolfgang Bade Fuhlendorfs Schulfreund und wie er Rotary-Mitglied ist?“ Das sind übrigens auch Neu-Vorstand Pütz und neben Fock noch zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder.

Tochter unerlaubt beschäftigt

Lange hält seinem Nachfolger auch einen Verstoß gegen die Satzung des Bauvereins vor. Danach sei es untersagt, im Aufsichtsrat tätig zu sein, wenn ein Familienmitglied im Unternehmen beschäftigt werde. „Und seine Tochter arbeitet beim Bauverein.“ Das bringe er nur zur Sprache, weil dieser Satzungsverstoß bereits 2016 im Prüfbericht für 2015 durch den Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen moniert wurde. „Geändert wurde an der Situation bis heute aber nichts.“ Überrascht habe ihn auch, so Lange, als er erfuhr, dass Fuhlendorf und seine Tochter vom Bauverein elf Garagen gekauft haben. „Solche Geschäfte halte ich für unglücklich.“

Lange sagte, dass er von vielen Mitgliedern angesprochen und angerufen worden sei, die seine Besorgnis wegen der jetzigen Situation des Bauvereins teilen, der rund 1500 Wohnungen im Bestand habe und rund 2500 Mitglieder zähle. Deshalb sollte auch unbedingt eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, meint er.

Fuhlendorf wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Er kündigte aber ein Schreiben des Aufsichtsrates an alle Mitglieder an, in dem darüber informiert werde, „was sich wirklich abgespielt hat“.

Pütz sieht sich als Mediator

Neu-Vorstand Thomas Pütz, der bis zum 31. Dezember 2022 berufen wurde, möchte für Ruhe beim Bauverein sorgen. „Ich will ehrenamtlich helfen, sehe mich als Mediator gefordert, der zwischen Aufsichtsrat und Vorstand vermittelt.“ Und er sei es als Chef eines großen Sicherheitsunternehmens und als Vorsitzender des Bundes Deutscher Berufsboxer gewohnt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Im Übrigen sei er unabhängig und niemandem verpflichtet. Ob der Kauf des Bade-Grundstücks sinnvoll sei, könne er derzeit noch nicht beurteilen.

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg lesen Sie hier.

In Henstedt-Ulzburg ist am Mittwochnachmittag ein 77-Jähriger bei einem Autounfall in einer Tiefgarage schwer verletzt worden. Sein Mitsubishi fing Feuer, weswegen sich die Sprinkleranlage des City-Centers Ulzburg einschaltete.

KN-online (Kieler Nachrichten) 06.02.2020

Der viele Regen der letzten Tage hat der Maria-Magdalenen-Kirche im Zentrum Bad Bramstedts zugesetzt. „Wir haben einen Dachschaden“, sagt Gemeinderatsvorsitzender Jochen Baumann-Schölzke. In den Turm sei Feuchtigkeit eingedrungen. Nun wird er von einer Dachdeckerei abgedichtet.

Einar Behn 06.02.2020

Im Januar hatte die Stadtverwaltung von Bad Bramstedt ein Haus im Landweg vor dem Teilabriss bewahrt. Am alten Geschäftshaus des Einrichters von Jouanne war der rechte Flügel bereits halb abgerissen, als das Bauamt einschritt. Doch der Bauausschuss entschied nun, dass der Abriss weitergehen darf.

Einar Behn 05.02.2020