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Segeberg Die Zumutungen beim A7-Ausbau
Lokales Segeberg Die Zumutungen beim A7-Ausbau
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06:00 14.09.2013
Von Michael Zwicker
Baustellen auf Hauptverkehsradern haben oft Staus zur Folge. Auch während des sechsspurigen Ausbau der A7 werden schleichende Blechlawinen befürchtet. Quelle: pae
Henstedt-Ulzburg

Was passieren kann, wenn wegen Bauarbeiten die A7 nur eingeschränkt genutzt werden darf, ist seit Wochen an der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal zu beobachten. Dort staut sich der Verkehr zu Stoßzeiten auf bis zu 20 Kilometer. Die Ausweichstrecken sind zeitweise ebenfalls überlastet. Ein ähnliches - und vielleicht sogar noch schlimmeres - Chaos wird für den A7-Abschnitt durch den Kreis Segeberg befürchtet: Wenn die Autobahn wegen der Erweiterung auf sechs Fahrspuren zur Großbaustelle wird. Der rund 65 Kilometer lange Autobahnabschnitt vom Bordesholmer Dreieck bis Schnelsen-Nord soll ab Ende 2014 ungefähr vier Jahre lang ausgebaut werden. Je Fahrtrichtung wird eine Spur hinzukommen.

 Welche Auswirkungen die wandernden Großbaustellen auf den A7-Verkehrsfluss und die Umlandstraßen haben und wie einem Chaos vorgebeugt werden könnte, war Thema im Henstedt-Ulzburger Wiking-Hotel. Eingeladen hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes (Direktkandidat im Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Mitte, zu dem auch Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Ellerau gehören). „Es wird zusätzliche Belastungen geben“, sagte Verkehrsminister Meyer, sprach sogar von einer „Zumutung“ für Autofahrer und auch einige Kommunen in A7-Nähe. Als Ursache für das drohende Chaos nannte Meyer - ohne konkrete politische Schuldzuweisung -, dass in den vergangenen 20 Jahren hinsichtlich der Infrastruktur in Deutschland vieles verschlafen worden sei: „Die Schäden an der Rader Hochbrücke und die veralteten Schleusen am Nord-Ostseee-Kanal sind nur die Spitze des Eisberges.“

 Meyer kündigte an, das Land werde bis Ende 2013 einen so genannten Verkehrskoordinator für den A7-Ausbau einsetzen. Zudem werde ein eng mit Hamburg abgestimmtes Baustellenmanagement angestrebt. In der Hansestadt soll die A7 bis zum Elbtunnel auf acht Fahrspuren ausgebaut werden.

 In mehreren Orten entlang des Autobahnabschnitts zwischen Bordesholm und Hamburg sollen Informationsveranstaltungen stattfinden. Zudem wird überlegt, den Lkw-Schwerverkehr schon weit vor den bis zu zwölf Kilometer langen Wanderbaustellen abzuleiten und auf Ausweichstrecken wie A21, A1 und A20 zu schicken.

 Eine fertige A20 durch Schleswig-Holstein mit einer Elbquerung wäre eine brauchbare Entlastungsstrecke. Allerdings ist der A20-Bau bislang nur bis kurz vor Bad Segeberg vorangeschritten; eine Verbindung zur A7 (bei Schmalfeld) ist zwar geplant, aber noch nicht begonnen worden. Um einem Chaos auf der A7 vorzubeugen, soll laut Minister Meyer das Angebot im Schienenverkehr ausgeweitet werden, um bisherige Pkw-Berufspendler von und nach Hamburg zum Umsteigen auf die Bahn zu mobilisieren. Dazu ist unter anderem geplant, dass ab Dezember 2014 der Regionalexpress von Kiel nach Hamburg im 30-Minuten-Takt rollt, doppelt so oft wie jetzt.

 Und auch der AKN komme eine besondere Bedeutung zu, so Meyer. Mitte 2015 sollen neuen Triebwagen auf der Strecke zwischen Neumünster und Hamburg-Eidelstedt fahren. Zudem werde über eine Taktverdichtung nachgedacht. Allerdings wird dann trotz neuer Züge und mehr Fahrten immer noch für Pendler, die beispielsweise von Kaltenkirchen ins Hamburger Zentrum wollen, das Umsteigen in die S-Bahn in Eidelstedt erforderlich sein.

 Zwar sprechen die Regierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg (Land und Hansestadt sind Hauptanteilseigner der AKN-Eisenbahn AG) schon seit Jahren über eine Elektrifizierung der Strecke, um einen S-Bahn-Standard mit Direktdurchfahrt von Kaltenkirchen bis zum Hamburger Hauptbahnhof zu erreichen, Doch gebaut wird wohl noch lange nicht. Denn es fehlt ein entscheidendes Gutachten zur Kosten-Nutzen-Analyse. Das Papier sollte eigentlich schon zum Jahreswechsel 2012/2013 vorliegen. Später wurde der Sommer 2013 als Fertigstellungstermin genannt.

 „Die SPD-Landesregierung verschläft die AKN-Elektrifizierung“, kritisierte deshalb der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Dornquast aus Henstedt-Ulzburg in einer Pressemitteilung und hakte bei der Landesregierung nach. Mit dem Gutachten werde erst zum Ende dieses Jahres gerechnet, lautete die Antwort. „Demnach kommt es zu einer erneuten erheblichen Verzögerung, die unverantwortlich ist. Der Schaden für die Bürgerinnen und Bürger auf der Nordachse der Metropolregion ist immens“, meinte Dornquast.

 Allerdings wird sich abseits der AKN-Trasse einiges tun. So wird beispielsweise der jetzt schon oft überlastete Park-and-Ride-Platz an der AKN-Station Kaltenkirchen-Süd ausgebaut. Auch in Ulzburg-Süd sollen mehr Pkw-Stellplätze für Bahnfahrer entstehen.