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Segeberg Die drei Probleme der A20
Lokales Segeberg Die drei Probleme der A20
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08:00 26.07.2014
Von Gerrit Sponholz
Das Land muss die Haselmäuse besser schützen. Sie leben im Travetal, wo eine A20-Brücke geplant ist. Quelle: "Björn Schulz, hfr"
Kreis Segeberg

Kritisiert hatte das Gericht auch die „unzureichende artenschutzrechtliche Behandlung“ der Haselmäuse im geschützten Travetal. Und der dritte Knackpunkt: „Das Land durfte eine weiter südliche Umfahrung von Bad Segeberg nicht im Wege einer Grobanalyse verwerfen.“

 Die Straßenplaner und sieben beauftragte Büros leisten nun die Nacharbeit. Sie ist zweigeteilt.

 Einerseits muss das Land die Frage neu beantworten, welche Trasse denn die beste ist. Die Stadtdurchfahrt durch Bad Segeberg hatte das Gericht zwar, ebenso wie das Land, verworfen. Aber es bleiben noch die bislang favorisierte Trasse, als nahe Südumgehung zwischen Bad Segeberg und Klein Gladebrügge, und weiter südliche Linienführungen.

 Die Vorzugstrasse hat den Haken: Sie führt durch das FFH-Schutzgebiet (Fauna- Flora-Habitat) des Travetals und liegt nahe des ebenfalls geschützten Kalkbergs. In dessen Höhlen lebt eine europaweit bedeutende Fledermauskolonie. „Die Ansammlungen von Fransen- und Bechsteinfledermäusen sind die größten bekannten Vorkommen weltweit“, hielt das Gericht mahnend fest.

 Andererseits hatte das Gericht auch festgestellt: Die Versäumnisse bei der Planung der Vorzugstrasse, als „nahe Südumgehung“ bezeichnet, lassen sich heilen. Das versucht das Land nun zu leisten, parallel zu erneuten Trassenprüfungen.

 Der Aufwand der Straßenplaner ist riesig. Sie müssen die Flugrouten, Jagdgebiete und Quartiere der Fledermäuse ermitteln. Dazu war bereits an 33 Punkten rund um den Kalkberg deren Treiben erfasst worden. Weitere 64 Standorte sind nun neu aufgenommen worden.

 In mehreren Nächten legen sich die Forscher mit Ultraschallgeräten auf die Lauer. Sie beobachten die Tierflüge mit bloßem Auge. Sie fangen Fledermäuse, um deren Art zu bestimmen. Sie installierten an 13 Standorten in 45 Nächten Horchboxen. Manche Fledermäuse werden mit Sendern bestückt oder sogar mit Knicklichtern, die leuchten, um die Flüge verfolgen zu können. Beteiligt an diesen Arbeiten ist unter anderem das Fledermauszentrum Noctalis in Bad Segeberg.

 Weniger Mühe bereitet die genauere Erfassung der Haselmäuse. Die Tiere stehen unter Artenschutz. Das Forschungsfeld wurde nun verdreifacht.

 Auch die Pflanzen und besonderen Bodenschichten in den Schutzgebieten Travetal und Leezener Au werden genauer untersucht. Die Kalktuffquellen in diesen Gebieten etwa drohen durch den Stockstoffeintrag aus Autoabgasen Schaden zu nehmen.

 Die Prüfungen, die noch andauern, könnten die bislang von Land und Bund favorisierte Trassenführung als nahe Südumgehung untermauern. Die Bundesverwaltungsrichter hatten dem Land aber auch auferlegt, südlichere Trassen genauer zu prüfen. Das Blickfeld der Planer richtet sich deshalb nun auch auf das Gebiet zwischen Klein Gladebrügge und südlich des Neversdorfer Sees.

 Ein Problem, das die Planer, außer den dort gelegenen Schutzgebieten, dabei sehen: Je weiter südlich die Trasse verläuft, desto weniger würden die angestrebten „verkehrlichen Ziele“ erreicht: eine gute Ost-West-Verbindung, eine gute Verbindung der beiden Oberzentren Lübeck und Kiel, eine Verkehrsentlastung für Bad Segeberg.

 Ob eine A20 auch als „nahe Südumgehung“ für die Stadt allerdings ein großer Segen wäre, scheint umstritten zu sein. Das Bundesverwaltungsgericht war in seinem Urteil jedenfalls skeptisch: Selbst die nahe Südumgehung „bewirkt nach den bisher vorliegenden Untersuchungen aufgrund des starken Quell- und Zielverkehrs in Bad Segeberg nur eine relativ geringe Entlastung der Ortslage“.

 Wann erste Ergebnisse der neuen Untersuchungen vorliegen, konnte das Landesverkehrsministerium nicht sagen. Sorgfalt gehe vor Schnelligkeit.