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Segeberg Die große Angst vor dem Lärm
Lokales Segeberg Die große Angst vor dem Lärm
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08:00 22.05.2019
Von Sylvana Lublow
Rund 500 Bürger kamen in die Feuerwache Kaltenkirchen, um über das geplante Motorsportgelände für den MSC zu diskutieren. Quelle: Sylvana Lublow
Kaltenkirchen

Die 380 Stühle in der Feuerwache reichten nicht, zusätzliche Bänke wurden in den Saal geschoben, viele Menschen mussten stehen – und das drei Stunden lang. Grund der Versammlung: eine von Stadt und Bauausschuss einberufene „öffentliche Aussprache zu den eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen der frühen Beteiligung zur 17. Änderung des Flächennutzungsplans“ für ein geplantes Motorsportgelände des MSC Kaltenkirchen in Moorkaten. KN Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer war dabei?

Neben den Bürgern waren acht Mitglieder des Bauausschusses, vonseiten der Verwaltung Kathrin Schwanke, Bauamtsleiterin für Tiefbau und Stadtplanung sowie Sandra Löwe vor Ort. Stadtrat Dieter Bracke vertrat Bürgermeister Hanno Krause, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Moderiert wurde die Versammlung vom Bauausschuss-Vorsitzenden Thies Rickert (Pro Kaki). Auch Experten waren geladen: Karsten Schwormstede vom Büro Architektur und Stadtplanung, Matthias Daudert vom Planungsbüro Akustik Labor Nord, Jens Rainer Wittkugel von der Ingenieurgesellschaft Steinburg sowie Axel Fichtner von der Landschaftsplanung Jacob stellten ihre Gutachten vor. Und Thorben Kuhlmann vom Vorstand des MSC Kaltenkirchen erklärte, wie sich der Club die Nutzung des Geländes vorstellt.

Worum ging es?

Der MSC Kaltenkirchen sucht seit Jahren einen Trainingsplatz für die Motocrosser. Im November 2017 hatte die Stadtvertretung beschlossen, für ein in Frage kommendes Areal in Moorkaten, westlich der A7 den Flächennutzungsplan zu ändern und es dem MSC zur Verfügung zu stellen. Gutachten für Verkehr, Lärm und Naturschutz wurden in Auftrag gegeben. Die Stadt legte dem Ausschuss für Bau und Umwelt im März einen Vorentwurf vor, dem der Ausschuss zustimmte. Der Vorentwurf mit allen gefertigten Gutachten wurde dann im Rathaus öffentlich im Rahmen der gesetzliche bestimmten „frühen Beteiligung der Bürger“ ausgelegt. Mehr als 700 Stellungnahmen gingen seitdem im Rathaus ein. In dem circa einen Kilometer vom Gelände Moorkaten entfernten Wohngebiet rund um den Lindrehm hat sich sogar eine Bürgerinitiative mit rund 230 Teilnehmern gegen das Motorsportgelände gegründet. Um auf die Stellungnahmen zu reagieren, gab es am Montagabend eine öffentliche Aussprache im Rahmen einer Sitzung des Bauausschusses. Die Hoffnung der Verwaltung und der Kommunalpolitiker: Es sollte nach dem Abend keine Frage offen bleiben.

Was sagten die Experten? 

Zunächst gab Thorben Kuhlmann vom MSC einen kurzen Einblick in die Pläne des Clubs. Jeweils mittwochs und sonnabends soll ein vierstündiges Training von etwa 30 Motorrädern abgehalten werden. Für die zwei Strecken – Cross und Enduro – werden zwei Schneisen von etwa 15 Metern breite in den Wald gehauen. Der Großteil der Trainingsstrecken befindet sich auf der Lichtung. Es soll ein Tank-Areal geben, der Boden wird durch Tankmatten geschützt, außerdem werden rund um das mittlere Waldstück Schutzzäune gezogen. Kuhlmann: „Es wird keine Großanlage für Meisterschaften, sondern nur eine Trainingsgelegenheit, auch für unsere Jugendgruppen.“

Das fünf Hektar große Areal besteht teilweise aus einem Waldgebiet und einer landwirtschaftlichen Fläche neben einem Industriegebiet, erläuterte Architekt Karsten Schwormstede. Landschaftsplaner Axel Fichtner erklärte dem Publikum, welche Tierarten auf dem Gelände leben – Waldeidechsen, Brutvögel, Erdkröten, Molche –, dass diese aber „nicht streng geschützt sind, weil es sich um weit verbreitete Arten handelt“. Es werde Einbußen in den Lebensräumen der Tiere geben, die durch zu schaffende Ausgleichsflächen aber behoben würden. Fledermäuse hätten in dem noch recht jungen Wald keine Quartiere, allerdings handelt es sich bei diesem Areal um ein Jagdgebiet der Tiere. Die Jagd werde aber nicht beeinflusst, solange nachts keine Beleuchtung eingeschaltet werde. Mit einem Ersatzwald könne die Zerstörung einiger Quartiere kompensiert werden. Matthias Daudert vom Akustiklabor in Lübeck war an diesem Abend wohl Experte, der sich die meiste Kritik anhören musste. Nach seinen Prognosen „nicht Messung, weil die Zukunft ja nicht gemessen werden kann“, liegen die Werte der Geräuschausstoßung alle im zu genehmigenden Bereich. Die Krux: Nach geläufigem Verfahren werden die vier Stunden Motorenlärm auf auf 16 Stunden runter gerechnet. Das bedeutet: „Ich habe eine vierstündige Trainingszeit von 20 Motorrädern, die dauerhaft fahren, in der Zeit von 6 bis 22 Uhr prognostiziert“, erklärte Daudert dem ungläubigen Publikum, „so ist es vorgeschrieben.“

Ist die Angst vor dem Lärm berechtigt?

Hauptsächlich meldeten sich die Gegner der Motorsportanlage aus dem nahegelegenen Wohngebiet zu Wort. Vor allem das Lärmgutachten hielten sie für „Verwischung“. Ein Anwohnerin fragte: „Warum wurde gerade dieses Gebiet ausgewählt?“ Der MSC könne doch auch auch andere schon vorhandene Plätze nutzen. Andere Bewohner erzählten von ihren Erfahrungen aus der Zeit, als der MSC einst in Moorkaten ein anderes Gelände befuhr. „Das war so laut, da konnte man nicht mehr auf seiner Terrasse sitzen.“ Von „hochgezüchteten Zweitaktmotoren, deren gleichmäßiges Dröhnen krank macht“, war die Rede. Wieder andere befürchten, dass es nicht bei den Trainingszeiten bliebe sondern auch noch Veranstaltungen hinzukämen. Ein Anwohner drohte damit, einen Anwalt einzuschalten, der für Greenpeace arbeitet: „Dieser Standort ist völlig blödsinnig!“, polterte er und schlug vor: „Wir sollten alle dem MSC beitreten und dann mit Mehrheitsbeschluss diesen Platz zu einem Familien-Grillplatz umwandeln.“ Auch wenn eine Anwohnerin die Abgase der Motorräder ansprach und sich einige anfangs um die Tiere zu sorgen schienen, war ganz eindeutig der Lärm die größte Angst der Anwesenden. Von den Befürwortern des Motorsports war kaum etwas zu hören. Lediglich Torsten Johne, beim ADAC für Jugend und Sport zuständig, hielt ein Plädoyer für den Jugend-Motorsport, drohte aber gleichzeitig auch damit, dass die Motocrosser wild fahren würden, wenn sie kein Trainingsareal erhielten.

Die Zwischenlösung: eine Hörprobe?

Die Bauausschussmitglieder mussten immer wieder daran erinnern, dass noch nichts entschieden sei und die Stellungnahmen der Bürger in die Entscheidung einfließen werden. „So eine Veranstaltung ist gut für die Demokratie“, freute sich Thies Rickert. Eberhard Bohn (FDP) machte zum Schluss einen Vorschlag, der von den Bauausschussmitgliedern einstimmig angenommen wurde: Bei einem Ortstermin sollen die Bürger den real erlebbaren Schallpegel von aufgedrehten Motorrädern wahrnehmen könne. „Eine Gruppe soll im Wohngebiet befinden, während eine andere auf dem Areal zeitgleich für Motorengeräusche sorgt“, erklärte Bohn. Damit soll das Lärmgutachten nicht in Frage gestellt werden, die Hörprobe könne jedoch den Anwohnern die Angst nehmen – oder sie am Ende sogar bestärken.

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