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Segeberg Helmut Zierl brilliert in Wahlstedt
Lokales Segeberg Helmut Zierl brilliert in Wahlstedt
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17:08 25.01.2019
Von Michael Stamp
"Tod eines Handlungsreisenden" in Wahlstedt mit Jean Paul Baeck (von links) als "Happy", Helmut Zierl als "Willy Loman" und Julian Härtner als "Biff". Quelle: Michael Stamp
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Wahlstedt

Zeitweise hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können, so mucksmäuschenstill war es im Wahlstedter Theatersaal. Das Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ brauchte ein paar Minuten, bis die Zuschauer mit der kruden Lebenswelt des Handelsvertreters warm geworden waren, aber dann entfaltete Arthur Millers Werk seine ganze Kraft - auch 70 Jahre nach der Uraufführung.

Schon Dustin Hoffmann und Heinz Rühmann spielten den Willy Loman

Fixpunkt der Handlung ist Willy Loman. Die berühmte Rolle wurde in Filmen unter anderem von Dustin Hoffman und Heinz Rühmann verkörpert. Nun war es Helmut Zierl, der sich als 63-jähriger Verkäufer in einer Traumwelt verliert. Zierl, den das Fernsehpublikum überwiegend aus Krimis und leichter Muse à la „Traumschiff“ kennt, spielte seine ganze schauspielerische Klasse aus; denn solch eine gebrochene, in sich widersprüchliche und größtenteils kraftlose Figur ist eine echte Herausforderung. Zierl meisterte sie souverän und führte das Publikum durch ein Kaleidoskop, gemischt aus Realität, Vergangenheit, Träumen und Zukunftswünschen.

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Arthur Miller seziert in seinem Drama den Amerikanischen Traum

Doch auch Helmut Zierls Bühnenpartner konnten überzeugen. Besonders Julian Härtner als älterer Sohn Biff und Patricia Schäfer als Ehefrau Linda sorgten für Gänsehaut-Momente, ebenso Jean Paul Baeck als jüngerer und flippiger Sohn Happy. 

Arthur Miller seziert in seinem Drama den Amerikanischen Traum – den Glauben daran, dass jeder alles erreichen kann, wenn er sich nur genug anstrengt. Willy Loman liebt es, Pläne zu machen und sich in eine rosige Zukunft hinein zu träumen. Dabei scheint er nicht zu merken, dass er längst zur tragischen Gestalt geworden ist. Der einst leidlich erfolgreiche Verkäufer arbeitet nur noch auf Provision. Am Ende verliert er seinen Job sogar ganz. Das lukrative Arbeitsangebot eines wohlmeinenden Freundes ist jedoch mit seinem Stolz nicht vereinbar. Er schlägt es aus – und setzt lieber seinem Leben ein Ende, damit sich sein Sohn Biff mit den 200 000 Dollar aus der Lebensversicherung eine Existenz aufbauen kann.

Bühnenbild symbolisiert die Enge der Lebenswelt

Das Bühnenbild mit der perspektivisch eng zulaufenden Wohnung der Lomans symbolisierte die Enge ihrer Lebenswelt, aus der Willy immer wieder auszubrechen versucht. Doch nicht er kann sich das eigene Scheitern eingestehen, sondern Sohn Biff. Das Zusammenspiel von Zierl und Härtner war exzellent. 

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