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Segeberg Demenzbegleiter entlasten Angehörige
Lokales Segeberg Demenzbegleiter entlasten Angehörige
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13:19 09.02.2020
Von Nadine Materne
Thomas Sanders und Ursula Buß (von rechts) haben sich im Umgang mit Demenzkranken schulen lassen. Jeden Freitag helfen die beiden ehrenamtlich in einer Betreuungsgruppe für Demenzkranke. Der Spaziergang mit Bertha Scharnberg (v.l.) und Dörte Kuhn gehört dazu. Quelle: Nadine Materne
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Kreis Segeberg

Frische Brötchen, Marmelade, Käse und Eier stehen auf dem Tisch, Frühstück ist fertig als der Transporter mit sechs Senioren eintrifft im Matthias-Claudius-Weg in Bad Segeberg – wie jeden Freitagmorgen. Alle freuen sich bereits auf das gemeinsame Essen und schnattern über ihre Frühstücksvorlieben.

Mittendrin am Tisch sitzen Margret Westphal, Ursula Buß und Thomas Sanders. Sie haben sich zu Demenzbegleitern ausbilden lassen. Zusammen mit Birgit Damrau, pädagogische Leitung der Gruppe, betreuen sie ehrenamtlich die dementen Senioren und entlasten so die pflegenden Angehörigen für drei Stunden in der Woche.

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"Meine Frau soll einen Tag frei haben"

Etwa 4500 Menschen im Kreis Segeberg leben mit Demenz. 70 Prozent von ihnen werden von Angehörigen gepflegt. So wie die sechs Senioren an diesem Vormittag.

So wie Hans-Jürgen Schaffner. „Meine Frau und ich machen alles zusammen“, sagt der 74-Jährige. „Sie soll mal einen Tag frei haben, das war die Idee. Ich bin leicht vergesslich.“ Schaffner genießt das Zusammensein in der Gruppe und das Essen. „Wenn Geburtstag gefeiert wird, gibt es auch Kuchen. Ulla backt guten Kuchen.“

Ulla, das ist Ursula Buß. Doch in der Betreuungsgruppe sprechen sich alle nur beim Vornamen an, das ist einfacher zu merken. Ursula Buß ist seit 2013 als ehrenamtliche Betreuerin in der Gruppe dabei. Sie hat 40 Jahre lang beim Amtsgericht gearbeitet, ist Behördenlotsin und beim ASB aktiv. Sie kennt Ulrich Mildenberger vom Pflegestützpunkt.

„Er hat mich irgendwann mal auf dem Flur angesprochen.“ Seit 2013 ist sie Demenzbegleiterin und hat Freude daran. „Man bekommt so viel zurück“, findet sie. Es sei auch eine Aufgabe. Jeden Freitag die Betreuung in der Gruppe, ein fester Termin.

Demenzbegleiter müssen auch loslassen können

„Es macht auch einfach Spaß“, sagt Thomas Sanders. Über seinen demenzkranken Vater hat Sanders schon länger Berührungspunkte mit der Krankheit und sich sogar als Pflegehelfer ausbilden lassen. „Für mich ist das auch eine Weiterbildung, denn jede Demenz ist anders.“

Seit 2017 ist er Begleiter in der Gruppe, die in der Regel aus den gleichen Menschen besteht. In den Gesprächen lernen sie sich kennen. „Man baut hier auch Beziehungen auf“, sagt Margret Westphal, sie ist seit sechs Jahren als Demenzbegleiterin dabei. „Aber man muss auch loslassen können“, sagt sie. In den sechs Jahren seien auch schon einige Teilnehmer gestorben.

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An diesem Tag fehlt eine Ehrenamtliche am Tisch: Gerda Krüger. Sie begleitet die Betreuungsgruppe für Demenzerkrankte bereits seit der Gründung 2009. Bis zu acht Demenzerkrankte können jeden Freitag hier betreut werden.

Betreuungsgruppe als erster Schritt in die Tagesbetreuung

Die Gruppe ist ein niedrigschwelliges Angebot für Angehörige von Demenzkranken, diese das erste Mal in eine Fremdbetreuung zu geben, erklärt Ulrich Mildenberger. „Es ist oft ein Zwischenschritt in eine Tagesbetreuung.“ Damit pflegende Angehörige eine Pause bekommen.

Teilnehmer Hans-Jürgen Schaffner hat eine Deutschlandkarte mitgebracht. „Die habe ich auf einem Flohmarkt gefunden“, erklärt er. Gruppenleitung Damrau nimmt das Thema auf, fragt Hauptstädte von Bundesländern in der Gruppe ab. Gedächtnistraining. Wer war schon mal in welcher Stadt, wer reist gern?

Da meldet sich auch ein eher schweigsamerer Teilnehmer: „Von Moskau bis Amerika.“ Das finden alle interessant. „Auch im Kreml?“, will jemand wissen. „Ja, damals ging das noch.“ Dass die meisten am Tisch an Demenz leiden, ist für den Außenstehenden nicht erkennbar.

Gedächtnistraining, Bewegung, Singen und einfach reden

Nach dem Essen geht es traditionell spazieren. Margret Westphal zieht mit Hans-Jürgen Schaffner los auf die große Runde. „Er geht so gerne durch die Kleingärten“, sagt sie. Thomas Sander und Ursula Buß gehen mit Bertha Scharnberg (89) und Dörte Kuhn (78) sowie einem weiteren Teilnehmer eine kleine Runde durch den Südstadtpark.

„Freitags ist immer gutes Wetter“, wissen die Damen – die Spazierrunde fällt fast nie aus. Bis alle zurück sind, kümmert sich Damrau um Sylvia Stühmer (72) und Heinz Witt (81), die nicht so gut zu Fuß sind.

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Als die Gruppe wieder komplett ist, wird ein Liedtext ausgeteilt. Schneeflöckchen Weißröcken. Das kennen alle. „Wir sind auch Schlagerexperten“, sagt Ursula Buß. Danach wird getanzt. Im Sitzen. Zu „Herzilein“ und „Let’s twist again“. Die Senioren klatschen, recken die Arme in die Luft, kreisen die Schultern – wie Damrau es vormacht. Hinterher geht es mit Gedächtnistraining weiter. Sprichwörter sollen vervollständigt werden. „Das ist Musik in meinen“ – „Ohren“, sagen alle im Chor.

Drei Stunden gehen schnell vorbei, die Teilnehmer werden wieder von einem Fahrdienst nach Hause gebracht. Sie kommen nächste Woche wieder, genau wie ihre ehrenamtlichen Betreuer.

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Ehrenamtliche Demenzbetreuer gesucht

Etwa 30 ehrenamtliche Demenzbegleiter sind unter der Leitung des Pflegestützpunktes im Kreis im Einsatz. In Bad Segeberg und Norderstedt gibt es vier Betreuungsgruppen für Demenzkranke. In Bad Bramstedt und Kaltenkirchen kümmern sich Demenzbegleiter um Erkrankte im häuslichen Bereich. „Es geht nicht um Pflege oder Hauswirtschaftsarbeiten, sondern darum, gemeinsam Zeit zu verbringen“, betont Ulrich Mildenberger vom Pflegestützpunkt.

In Norderstedt ist eine Ausflugsgruppe in Planung, bei der Ehrenamtliche zusammen mit mobilen Demenzkranken einmal im Monat einen Ausflug unternehmen. In Bad Segeberg soll eine häusliche Betreuung aufgebaut werden. Dafür werden Ehrenamtliche gesucht. Als Vorbereitung gibt es eine 30-Stunden-Schulung zu Krankheitsbild, Umgang und Kommunikation mit Demenzkranken. Die Schulung ist für Teilnehmer kostenlos.

Die Teilnahme an einer der Betreuungsgruppe kostet 12 Euro pro Termin plus 10 Euro Fahrtkosten – der Betrag kann vom monatlichen Entlastungsbetrag (125 Euro) der Pflegeversicherung gezahlt werden, so Mildenberger. Nötig ist dazu eine Pflegestufe 1.

Informationen zu Betreuungsangeboten und für Interessenten an einer Schulung zum Demenzbegleiter gibt es beim Pflegestützpunkt in Bad Segeberg (04551/955112) und Norderstedt (040/52883830).

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