Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Unbezahlbar: 1000 Euro für Kita-Platz
Lokales Segeberg Unbezahlbar: 1000 Euro für Kita-Platz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 25.09.2019
Von Nadine Materne
Johanna Svoboda (31) aus Groß Kummerfeld sucht einen Betreuungsplatz für ihren Sohn Jonne (20 Monate). Im Ort gibt es keine bedarfsgerechte Betreuung, in Hamburg, in der Nähe ihrer Arbeit müsste sie über 1000 Euro zahlen - nach Abzüge aller Zuschüsse von Gemeinde und Kreis. Quelle: Nadine Materne
Groß Kummerfeld

Eigentlich hat Jonne eine tolle Tagesmutter, betont Johanna Svoboda. Zu gerne würde sie ihren Sohn dort wie geplant bis zum 3. Geburtstag betreuen lassen. Jedoch gibt es im Haushalt einen Hund, und Jonne habe eine Tierhaar-Allergie entwickelt. Ein ärztliches Attest rät zu einem schnellen Wechsel in eine Betreuung ohne Tiere. Doch das gestaltet sich schwieriger als es sich die Mutter je hätte vorstellen können.

Eltern arbeiten beide Vollzeit

„Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit“, berichtet Johanna Svoboda. Er ist Soldat, stationiert in Eckernförde. Sie arbeitet im Herzzentrum des Hamburger Uniklinikums, betreut dort klinische Studien. „Wir haben unseren Wohnort in der Mitte gesucht“, erklärt Svoboda. Seit 2016 lebt das verheiratete Paar in Groß Kummerfeld. Beide pendeln etwa eine Stunde zur Arbeit. Das bedeutet aber auch, dass Jonne an zwei bis drei Tagen in der Woche von 6 bis 17.30 Uhr eine Betreuung benötigt, sonst bis 14 Uhr. 

Kita in Willingrade keine Alternative

Die Kita in Willingrade hat Öffnungszeiten von 7 bis maximal 15 Uhr. „Ich erwarte auch gar nicht, dass meine Wohnortgemeinde dieses Angebot vorhält“, sagt Johanna Svoboda. Allerdings bekomme sie nirgends in der Umgebung einen bedarfsgerechten Platz. Geeignete Kitas in Neumünster oder Boostedt seien voll belegt, ortsansässige Kinder hätten immer Vorrang.

Keine erfolgreichen Klagen

Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kita-Platz. Erfolgreiche Klagen gegen den Kreis sind bisher noch nicht geführt worden. In der Vergangenheit habe es drei Fälle gegeben, die in 2018 zugunsten des Kreises abgeschlossen werden konnten, teilt dessen Sprecherin Sabrina Müller mit. In diesem Jahr musste der Kreis in einem Fall Schadenersatz zahlen, weil sich eine Gemeinde geweigert hatte, im Rahmen des kommunalen Kostenausgleichs die volle Höhe zu übernehmen. Hier musste der Kreis als zuständiger Jugendhilfeträger die Mehrkosten zulasten der Eltern übernehmen. In zwei weiteren Beschwerdefällen konnten schließlich doch noch Plätze am Wohnort zur Verfügung gestellt werden. Derzeit lägen dem Kreis keine Klagen wegen eines fehlenden Platzes vor, so Müller.

Zu November könnte Johanna Svoboda einen Krippenplatz in Hamburg erhalten. Allerdings zu astronomischen Preisen: 1010 Euro soll der Elternanteil betragen – nach Abzug der Förderung durch Wohnortgemeinde und Kreis. Groß Kummerfeld hat sich bereit erklärt 483,13 Euro zu übernehmen – so viel würde die örtliche Kita für eine fiktive gleichwertige Betreuung vereinnahmen. Der Kreis gibt 15 Prozent der Betriebskosten des Kita-Platzes dazu: 252,13 Euro von 1680,82 Euro.

Kreis müsste sich nicht beteiligen

Eigentlich müsste sich der Kreis nicht an einem Hamburger Platz beteiligen, sagt Sven Plucas, Leitender Verwaltungsbeamter beim Amt Boostedt-Rickling, es gebe keinen Staatsvertrag zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zum interkommunalen Kostenausgleich.

Lesen Sie auch: Streit um Kita-Gebühren - Bad Segeberg verklagt Umlanddörfer

Johanna Svoboda ist verzweifelt. „Ich falle überall durch das Raster“, sagt sie. Denn eigentlich müssen Eltern in Hamburg maximal 207 Euro für einen Kita-Platz mit zwölf Stunden Betreuung zahlen. Das allerdings gilt nur für Hamburger, Eltern erhalten hier Landesförderung über Gutscheine. In Schleswig-Holstein wird die Landesförderung wiederum über die Träger der Jugendhilfe – in Segeberg also der Kreis – an die Einrichtungen verteilt. 

500 Euro für Tagesmutter

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kita-Platz in Hamburg so viel teurer sein soll als in Schleswig-Holstein“, sagt sie. Die 483 Euro, die die Gemeinde Groß Kummerfeld übernehmen würde für den Hamburger Platz, „das wäre nur mein Elternanteil für einen Platz vor Ort“, sagt Johanna Svoboda. Einen Betrag in dieser Größenordnung wäre sie auch bereit dazu zu bezahlen für einen Platz in Hamburg, stellt die Mutter klar. Auch für die Tagesmutter zahle sie um die 500 Euro aktuell. 

Kitas in der Umgebung abgeklappert

Johanna Svoboda hat schon einiges versucht, mit dem Bürgermeister und der Amtsverwaltung gesprochen, hat mehrere Kitas in der Umgebung abgeklappert und mit Beratungsstellen telefoniert. „Niemand kann mir helfen.“ Stattdessen werde ihr empfohlen den Wohnort zu wechseln oder die Arbeitsstunden zu reduzieren. Das aber sieht Johanna Svoboda gar nicht ein. „Ich habe ein Jahr Elternzeit genommen, mein Mann zwei Monate als ich schon gearbeitet habe.“ So, wie es sich der Staat vorstelle. Sie arbeite gern. Und in vielen anderen Ländern sei es selbstverständlich, dass Mütter frühzeitig wieder normal in den Job zurückkehren. Nur hierzulande müsse sich eine Frau ständig dafür rechtfertigen. 

Gesetzlicher Anspruch auf Kita-Platz

Per Gesetz habe sie einen Anspruch auf einen bedarfsgerechten Kita-Platz. Deshalb hat Johanna Svoboda nun einen Anwalt eingeschaltet. Sie findet, der Kreis müsste mit Neumünster verhandeln, um einen Platz für das Kind zu bekommen oder aber zusammen mit der Kommune die hohen Kosten von über 1000 Euro übernehmen, während sie die 483 Euro zahle. Der Anwalt habe sie darin bestärkt.

Wenn das nicht funktioniert, könne sie nur noch auf das neue Kitagesetz hoffen, das die Elternbeiträge für eine Betreuung deckeln soll in Schleswig-Holstein. Das allerdings soll erst ab August 2020 gelten. Unklar ist jedoch, ob die hiesige Förderung dann auch für einen Kita-Platz im Nachbarland geltend gemacht werden kann. Eine Anfrage im Sozialministerium dazu blieb bisher unbeantwortet.

Weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg lesen Sie hier.

Die Arbeiten an einer Hochspannungsleitung an der A7 im Kreis Segeberg sind fürs erste beendet. Die Sperrung der Autobahn ist aufgehoben. Doch in der übernächsten Woche soll es an anderer Stelle weitergehen.

Tanja Köhler 25.09.2019

Am späten Dienstagabend konnte ein Altenpfleger in der Seniorenresidenz am Köhlerhof in Bad Bramstedt durch schnelles Eingreifen einen größeren Brand verhindern. Ein Plastikbaum hatte aus noch unbekanntem Grund Feuer gefangen. Niemand wurde verletzt.

Einar Behn 25.09.2019

Jan Peter Schröder (parteilos), Landrat im Kreis Segeberg, muss um seinen Posten bangen. Der Kreistag wird in der Sitzung am Donnerstag, 26. September, ab 18 Uhr im Kreishaus in Bad Segeberg vermutlich den Weg für eine Ausschreibung ebnen. Die CDU hat bereits eigene Kandidaten im Auge.

Gerrit Sponholz 25.09.2019