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Segeberg Es ist anstrengend, aber macht viel Spaß
Lokales Segeberg Es ist anstrengend, aber macht viel Spaß
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00:17 01.07.2013
Von Sylvana Lublow
Für die Rolle des Winnetou bekam Jan Sosniok drei Monate lang intensiven Reitunterricht.
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Bad Segeberg

Wie haben Sie sich kurz vor der Premiere gefühlt? War das Lampenfieber sehr groß?

 Es ging. Die Generalprobe einen Tag zuvor war ein gutes Training. Da waren so viele Kinder und ich dachte: Okay, das wird eine Kindervorstellung. Allerdings strahlte die Premieren-Energie der Kollegen auch etwas auf mich ab. Ihre Aufregung war zu spüren, hielt sich bei mir aber in Grenzen.

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 Und danach?

 Ich hatte vorher schon immer gesagt, der schönste Moment wird der nach der Premiere sein. Und das war auch so. Der Druck ist geringer. Man könnte sagen: Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an!

 Ist es so anstrengend, wie Sie es sich vorgestellt haben, den Winnetou am Kalkberg zu spielen?

 Ich hatte gar keine Vorstellung. Einige Kollegen wie Dirc Simpson oder Frank Kessler haben mir einiges erzählt. Sie sagten, dass es echt anstrengend ist, aber total Spaß macht. Ich hatte während der Probenzeit schon so viel Spaß, dass ich denke, sie haben Recht. Anstrengend ist es auch. Wir betreiben dort Hochleistungssport, gepaart mit vergnüglichen Szenen. Außerdem muss man die ganze Zeit über sehr wachsam und konzentriert sein. Die Pferde zum Beispiel können unberechenbar sein.

 Wie ist es für Sie, die Reaktionen des Publikums direkt zu erfahren?

 Sehr gut! Auch wenn es teilweise mit Angst verbunden ist, weil man die Fehler nicht vertuschen kann. Aber ich glaube, das ist okay für die Zuschauer. Fehler machen uns menschlich.

 Kleine Pannen gibt es also immer wieder?

 Ja. Aber es wird von Vorstellung zu Vorstellung besser. Das ist wie beim Betrachten einer Skulptur. Da sieht man, wo noch etwas geschliffen werden muss. Nach jeder Vorstellung wird es runder. Ich habe meinen Freunden deshalb auch gesagt, sie sollen erst zur zweiten Spielhälfte kommen.

 Gibt es noch Dinge, die Ihnen schwerfallen beim Spielen?

 Der Regen fällt mir schwer - und die Kälte. Wenn ich nach dem ersten Bild in meinem Leibchen hinter der Bühne warte, es windig ist und der kalte Regen auf die nackten Arme fällt, ist das schon unangenehm.

 Wobei entspannen Sie?

 Am besten entspanne ich, wenn ich in meine Wohnung hier in Bad Segeberg komme, die Tür zumache und schweigen darf. Sport hilft auch. Beim Laufen kann ich abschalten, den Denk-Radius verkleinern und nur auf meine Atmung achten.

 Smarter Anwalt und Frauenschwarm in der Serie „Danni Lowinski“ oder edler Winnetou - wo steckt mehr Jan Sosniok drin?

 Sowohl als auch. Ich bin ja alles - wie ein Diamant, den man drehen kann. In mir steckt sowohl die gute und leidenschaftliche als auch die dunkle Seite. Das ist bei uns allen so. Ich habe das Glück, in meinem Beruf viele dieser Seiten ausleben zu können - und bekomme auch noch Geld dafür! (Er lacht.)

 Haben Sie eine Traumrolle?

 Für mich ist alles interessant, was man mir nicht gleich ansieht. Meistens werden mir positive Rollen angeboten, wie die des Sunnyboys. Den Bösen zu spielen, das passiert zu selten, weil viele Produzenten zu klischeehaft denken. Denen fehlt oft die Fantasie. Jemand mit blauen Augen könnte doch auch gut einen eiskalten Engel spielen...

 Ihr Zusammenspiel mit Old Shatterhand“ alias Wayne Carpendale wirkt auf der Bühne sehr harmonisch. Werden Sie auch privat „Blutsbrüder“?

 Wir verstehen uns so gut, dass wir uns auch privat treffen könnten. Aber jeder von uns hat sein Leben und verbringt die wenige Freizeit anders. Hier haben wir eine intensive Zeit. Wir teilen uns eine Garderobe, die nur fünf Quadratmeter groß ist - und das klappt super! Wir haben den gleichen Ordnungssinn, können über alles sprechen und uns offen auf Dinge aufmerksam machen, die uns bei dem Anderen auffallen. Aber ich verstehe mich mit allen hier gut und wurde sehr herzlich aufgenommen. Ich habe nicht das Gefühl, von irgendjemanden abgelehnt zu werden. Das ist einfach ein super Gesamtpaket.

 Wie sehen Ihre beruflichen Pläne nach dem Sommer aus?

 Es ist einiges in Planung, aber noch nicht spruchreif. Nur so viel weiß ich: Es soll eine fünfte Staffel der Serie „Danni Lowinski“ gedreht werden, in der auch meine Rolle als Anwalt wieder eingebaut wird.

 Das wird die Damenwelt sicherlich freuen. Hatten Sie schon Zeit, Bad Segeberg zu erkunden?

 In gewissem Maße ja. Ich bin zu den Proben oft mit dem Fahrrad gefahren und habe immer mal andere Wege ausprobiert. Den Großen Segeberger See und den Ihlsee finde ich toll. Dort kann man auch gut laufen. Ansonsten fehlte mir einfach die Zeit, noch mehr zu erkunden.

 Was wäre das Schlimmste, das Ihnen auf der Karl-May-Bühne passieren könnte?

 Ganz klar: vom Pferd fallen. Das wäre wirklich das Schrecklichste.