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Segeberg FDP arbeitet ihr Desaster auf
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19:10 28.10.2013
Von Harald Becker
Der neue Vorstand des FDP-Kreisverband Segeberg (von links): Stephan Holowaty mit seinen Stellvertretern Klaus-Peter Eberhard, Rosemarie Jahn und Klaus-Peter Schroeder.
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Kreis Segeberg

Lebhaft war die Debatte über das Bundestags-Wahlergebnis - die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde - und wie die Partei damit umgehen soll. Die Wortbeiträge zeigten, dass der derzeitige Niedergang viele Gründe hat und nur das Austauschen von Personal nicht zur Besserung führt. „An der Kreis-FDP hat die Wahlniederlage nicht gelegen“, sagte Katharina Loedige (51), die bisherige FDP-Kreisvorsitzende, die ihr Amt abgab. „Die Bundestagsfraktion hat ihre Minister nicht im Griff gehabt. Mangelnde Glaubwürdigkeit und innerparteilicher Streit sind für das Desaster verantwortlich.“

 Die Partei habe ihre Wähler verprellt, meinte Ex-Bundestagsabgeordneter Jürgen Koppelin aus Bad Bramstedt. „Wir waren einfach zu lieb zur CDU.“ Die misslungene Zweitstimmenkampagne eine Woche vor der Wahl hielten alle Redner in dieser Form für deplatziert.

 Gastredner Bernd Buchholz, neben Wolfgang Kubicki Spitzenkandidat der Landes-FDP bei der Bundestagswahl, appellierte: „Wir müssen nach den Ursachen suchen und nicht nach Schuldigen. Wer Forderungen stellt und nachher nicht liefert, verliert an Glaubwürdigkeit. Wir haben liberale Grundsätze nicht durchgesetzt und sind teilweise als unsympathisch wahrgenommen worden.“ Buchholz will in wenigen Wochen als stellvertretender Landesvorsitzender kandidieren und die FDP wieder auf Kurs bringen. „Wir müssen auch einfach mehr diskutieren. Für die Basis besteht jetzt die große Chance, die Partei zu reformieren.“

 Der weithin unbekannte 50-jährige Henstedt-Ulzburger Stephan Holowaty wurde als einziger Kandidat mit 46 Ja-Stimmen zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Er ist seit vier Jahren in der Partei und war bisher Schriftführer im Kreisvorstand. Der freiberufliche IT-Manager beerbt die 51-jährige Kreistagsabgeordnete Loedige aus Kaltenkirchen, die aus beruflichen Gründen auf den Vorsitz verzichtete.

 Der ledige Holowaty ist passionierter Fallschirmspringer und mit 800 Absprüngen bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Er möchte zukünftig FDP-Stammtische einrichten, um abseits der Tagespolitik diskutieren zu können. Der Freiheitsgedanke steht für ihn in seinem politischen Wirken an vorderster Stelle: „Das Kernsortiment der FDP ist die Freiheit. Freiheit bedeutet Chancen. Wir wollen nicht nur eine Mindestgesellschaft vom Mindestlohn in die Mindestrente, sondern eine Gesellschaft voller Chancen für jeden. Jeder soll für sein Leben eigene Entscheidungen treffen können.“

 Dem neuen Chef der Kreis-FDP stehen als stellvertretende Vorsitzende Klaus-Peter Eberhard (50, Henstedt-Ulzburg), Rosemarie Jahn (69, Bimöhlen) und Klaus-Peter Schroeder (57, Norderstedt) zur Seite. Den Vorstand komplettieren Schriftführer Oliver Weber (34) und Schatzmeister Heino Dittmeyer (63), beide aus Norderstedt sowie die Beisitzer Miriam Eissing (23) und Werner Coldewey (62) aus Norderstedt, Marina Weber (48, Boostedt), Hannelore Huffmeyer (Kisdorf), Jan Heesch (45, Oersdorf) und Gerhard Sagemüller (68, Kaltenkirchen).

 Die Segeberger Liberalen gründeten eine Arbeitsgruppe, die Konzepte erarbeiten und bei der Mitgliederwerbung der 231 Köpfe zählenden Kreispartei helfen soll. Ein Licht am Ende des Tunnels sieht die scheidende und mit Dankesworten bedachte Kreisvorsitzende Loedige: „In den letzten Wochen konnten wir fünf Neueintritte verzeichnen.“