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Segeberg Brandstiftung bei den Karl-May-Spielen?
Lokales Segeberg Brandstiftung bei den Karl-May-Spielen?
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12:13 20.04.2019
Von Michael Stamp
Die Bad Segeberger Feuerwehr löschte den brennenden Zaun hinter den Kulissen der Karl-May-Spiele am Kalkberg innerhalb weniger Minuten. Quelle: Privat
Bad Segeberg

Es war äußerst knapp gewesen: Ein Feuer bedrohte am Donnerstag die Hinterbühne der Karl-May-Spiele. Ein vier Meter langer Zaun neben der Schneiderei stand in Flammen. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf das Gebäude mit Kostümen und Maskenbildnerei gerade noch verhindern. Die Fensterscheiben waren bereits geplatzt.

Haustechniker entdeckte das Feuer durch Zufall

Gegen 17.55 Uhr hatte Helmut Giljum seine letzte Runde gemacht. Der Haustechniker des benachbarten Fledermauszentrums Noctalis ist zugleich der Leitende Höhlenführer für die Kalkberghöhle. Da im Noctalis um 18 Uhr Feierabend ist, war er auf dem Weg zum Höhleneingang, um die Tore für diesen Tag zu schließen. Sein Gang führt ihn direkt an der Hinterbühne der Karl-May-Spiele vorbei – und dort bemerkte er beißenden Qualm und knisternde Flammen.

Noctalis-Geschäftsführerin schaltete schnell

Weil Giljum keine interne Durchwahl der Kalkberg GmbH parat hatte, meldete er sich per Handy bei Noctalis-Geschäftsführerin Dr. Anne Ipsen. Sie wählte die „112“ und informierte Karl-May-Haustechniker Lars Saggau. „Damit die sofort alle Tore aufreißen können“, schildert Anne Ipsen.

Wehrführer wurde an frühere Einsätze am Kalkberg erinnert

Um 17.57 Uhr ging der Alarm „Feuer im Kalkbergstadion“ an die Feuerwehr raus. Als Wehrführer Mark Zielinski um 18.03 Uhr im Freilichttheater eintraf, atmete er leicht durch. „Ich sah hellen Qualm. Es war also organisches Material, das da brannte: Holz. Wenn Kunststoff brennt, ist der Rauch schwarz.“ Daraus schloss der Experte, dass der mächtige Kunstfelsen nicht betroffen war.

Doch Zielinski wusste: Jetzt muss es schnell gehen. Schon in den Jahren 1999 und 2003 waren die Spiele von einem Brandstifter heimgesucht worden. Damals wurden ein Kunstfelsen und die Westernstadt im Indian Village neben dem Theater zerstört. Der technische Leitstand war untert Zielinskis Einsatzleitung gerade noch gerettet worden.

Der Wehrführer dirigierte diesmal die Drehleiter und ein Tanklöschfahrzeug über die Bühnenrampe mitten in die Arena. Die 37 Feuerwehrleute bauten in Windeseile eine Löschwasserversorgung zur Hinterbühne auf. Ein Löschfahrzeug mit Wassertank wurde als Reserve an der Lübecker Straße geparkt, ein zweites unweit des Theater-Eingangs am ehemaligen Lindenhof-Gelände. Was immer da brannte: Ein Überspringen der Flammen sollte um jeden Preis verhindert werden.

Holz-Unterstand mit Statisten-Sitzecke brannte

Die Quelle des Rauchs war der Zaun eines Holzunterstandes, in dem während der Vorstellungen die Statisten Pause machen. Die Konstruktion, zu der auch mehrere Bänke gehören, grenzt an die Schneiderwerkstatt. „Die Fenster waren schon gesprungen“, sagt Zielinski. „Ein paar Minuten später wäre das Feuer im Gebäude gewesen.“ Dort hätten die Flammen mit Stoffen und Leder jede Menge Nahrung gefunden.

Nach gut 20 Minuten war das Feuer gelöscht

Doch so weit kam es nicht. Um 18.14 Uhr meldete die Wehr „Feuer in der Gewalt“ und um 18.20 Uhr „Feuer aus“. In den Minuten zuvor hatten sich die Qualmwolken noch zischend vergrößert, als die Brandschützer mit Wasser draufhielten. Karl-May-Geschäftsführerin Ute Thienel traf am Ort des Geschehens ein, ebenso die Kriminalpolizei. Die Ermittler nahmen Bodenproben, um sie auf Brandbeschleuniger zu untersuchen. Auch die Bilder der Überwachungskameras werden ausgewertet.

Eine Redakteurin der Segeberger Zeitung war zufällig in der Nähe des Kalkbergs spazieren gegangen, als das Feuer ausbrach. Geistesgegenwärtig dokumentierte sie das Geschehen von der Aussichtsplattform am alten Burgbrunnen aus. So konnte die SZ den Ermittlern mit exklusiven Fotos und Videosequenzen weiterhelfen.

Karl-May-Chefin dankt den Feuerwehrleuten

Geschäftsführerin Ute Thienel zog ein schnelles Fazit: „Es war für uns alle natürlich ein großer Schreck, aber in erster Linie bin ich erleichtert, dass wir glimpflich davongekommen sind. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf etwa 10000 Euro. Mein Dank gilt der Freiwilligen Feuerwehr. Wehrführer Mark Zielinski und seine Leute haben innerhalb kürzester Zeit dafür gesorgt, dass die Gefahr gebannt wurde und kein größerer Schaden entstanden ist.“

Bühnenbildarbeiten und neue Drainage im Theater

Im Freilichttheater hatten am Donnerstag Bühnenbildarbeiten stattgefunden. Außerdem ist eine komplett neue Drainage entstanden. Die letzten Arbeiter hatten das Gelände um 16.30 Uhr verlassen. Die Proben am Kalkberg beginnen in rund fünf Wochen. Gespielt wird ab 29. Juni das Abenteuer „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ mit Alexander Klaws („Winnetou“), Larissa Marolt („Tiffany O’Toole“) und Raúl Richter („Martin Baumann“) in den Hauptrollen.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von dem Feuerwehreinsatz bei der Kulisse der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg zu sehen!
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