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Segeberg Hof einer Bauernfamilie brennt ab
Lokales Segeberg Hof einer Bauernfamilie brennt ab
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06:39 07.08.2019
Von Einar Behn
Feuer in Hagen: Hof einer Bauernfamilie brennt ab. Selbst die Drehleiter aus Bad Bramstedt konnte nur mit Atemschutzgerät bedient werden, so dicht war der Qualm. Quelle: Jann Roolfs
Hagen

Die Sachen waren schon gepackt für den Badeausflug nach Kollmar an der Elbe, Familie Fock saß um kurz vor 9 Uhr noch für einen letzten Schluck Kaffee vor dem Start im Innenhof ihres Bauernhauses. „Dann knallte und hagelte es“, erinnert sich Jörn Fock gut zwei Stunden später. Das Knallen und die Körner kamen von den Eternitplatten, mit denen das Obergeschoss seines Wohnhauses verkleidet war: Die Platten explodierten vor Hitze. Hinter der Fassade: altes Stroh, das am Mittwochmorgen in Brand geraten war.

„Und dann bin ich gleich losgelaufen“, erzählt der Bauer. Er holte noch den Schlüssel für den Trecker, der am Hof stand, und rief die Feuerwehr. Kurz darauf waren 100 Feuerwehrleute von sieben Wehren beim Feuer in Hagen im Einsatz. Die Dorfstraße war gesperrt. Die rund 100 Feuerwehrleute konnten das Wohnhaus nicht retten: Familie Fock steht nach dem Feuer in Hagen auf der Straße mit nichts als dem, was sie auf dem Leib tragen. „Die Feuerwehrleute haben noch einen Schlüssel ’rausgeholt“, sagt Fock, der gehört zum Auto der Familie. Laut Polizei liegt der Sachschaden im sechsstelligen Bereich.

Feuer in Hagen: Auch die Eltern haben hier schon gearbeitet

Focks Eltern wohnen auch im Dorf, natürlich sind auch sie gekommen und sehen den Hof verbrennen, auf dem sie jahrzehntelang gewohnt und gearbeitet haben. „Sieh zu, dass du mit Papa loskommst“, fordert Jörn Fock seine Mutter auf, ihren Mann einzusammeln, der auf dem Bürgersteig steht und seinen Blick nicht losreißen kann.

Zwei Fahrzeuge der Bad Bramstedter Wehr stehen dort auf der Straße, die Drehleiter und ein Wagen mit einer Löschkanone auf dem Dach. Die Besatzungen tragen Atemschutz, der Wind treibt den gelblichen Qualm in ihre Richtung. Auf der anderen Seite des Gebäudes, im Innenhof, sind Hagener Feuerwehrleute vom Boden aus im Einsatz. Unterstützung ist aus Hitzhusen gekommen, aus Borstel, Weddelbrook, Föhrden-Barl und Wrist.

Nur noch verkohlte Balken ragen nach dem Feuer in Hagen in den Himmel

Der Dachstuhl ist schon lange eingestürzt, es ragen nur noch ein paar schwarze Balkenstümpfe in den Sommerhimmel. Vor allem Drehleiter und Löschkanone spritzen Tausende von Litern Wasser auf die glimmenden Strohballen. Aber löschen können sie das Feuer in Hagen so nicht, erklärt Patrick Juschka, Pressesprecher des Segeberger Kreisfeuerwehrverbands: „Es brennt im Stroh, da kommen sie nicht ’ran.“ Ein Radlader ist unterwegs, „der nimmt das Ding auseinander“, sagt Juschka.. Mit dem schweren Gerät werden die Mauern eingerissen und das Stroh verteilt. „Das dauert hier noch ein bisschen“, so Juschka, die Feuerwehrleute stellen sich auf einen langen Tag ein, die meisten können erst nachmittags abrücken.

Zu wenig Löschwasser beim Feuer in Hagen

Sie haben beim Löschen des Brandes mit einer großen Schwierigkeit zu kämpfen: Sie bekommen zu wenig Wasser. Für die Trinkwasserversorgung liegt in Hagen eine Ringleitung; „die haben wir schon mit der Drehleiter ausgeschöpft“, erläutert Patrick Juschka. Weiteres Löschwasser holen die Feuerwehrleute aus Gewässern, aber nach der langen Trockenheit ist da nicht viel zu holen, trotz vieler Hundert Meter Schlauchleitungen auf der gesperrten Dorfstraße müssen die Feuerwehrleute immer wieder ihre Strahlrohre schließen, weil zu wenig Wasser an das Feuer in Hagen kommt.

Feuer in Hagen: Eis für die Atemschutzträger

Daniela Cramer kommt mit einer kleinen, rot-weißen Tasche zu den Einsatzkräften. Sie geht zu den Feuerwehrleuten, die gerade Pause machen von ihrem anstrengenden Einsatz unter Atemschutz, und gibt jedem von ihnen ein Eis, das sie aus ihrer Tiefkühltruhe geholt hat. „Das ist das Eis der Jungs“, sagt sie, aber ihre Kinder müssen heute zurückstehen: „Irgendjemand sagte: ‚Die Atemschutzträger brauchen Eis‘, und ich hatte noch welches.“

Große Hilfsbereitschaft nach Feuer in Hagen

Wo wird Familie Fock in der kommenden Nacht schlafen? „Angebote haben wir genug“, sagt Jörn Fock. „Der Gemeinderat will sich heute Abend zusammensetzen“, erzählt Feuerwehr-Ehefrau Anett Neumann. Die Frauen selbst rühren sich auch: „Wir sind schon am Organisieren, dass wir denen wenigstens ein Handtuch besorgen.“

Einer der Fock-Söhne kommt am Tisch mit Kaffeetassen vorbei und bricht in Tränen aus; gleich nimmt ihn eine der Frauen in den Arm, tröstet ihn und lenkt ihn mit einem Brötchen ab. Jörn Fock steht auf dem Bürgersteig und neben sich selbst. „Totale Leere“ empfindet er: „Wenn du mich fragst, wie es mir geht: Ich kann es dir nicht sagen.“

Die Kripo hat die Brandstelle nach dem Feuer in Hagen beschlagnahmt, um die Brandursache zu ermitteln.

41 000 Quadratmeter ist das Zentrallager des Unternehmens Netto Marken-Discounter groß, 5000 Artikel in unzähliger Menge sind dort gelagert und kommen von Henstedt-Ulzburg aus täglich in die 160 Filialen in ganz Norddeutschland.

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