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Segeberg Lady aus dem All landete in Hartenholm
Lokales Segeberg Lady aus dem All landete in Hartenholm
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09:56 03.08.2019
Von Birgit Panten
Das Schauspielerehepaar Vivi Bach und Dietmar Schönherr drehte vor 50 Jahren in Hartenholm einen Film. Quelle: Birgit Panten/privat
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Hartenholm

Den Anstoß zu Überlegungen gab die Serie „Vor 50 Jahren“ in der Segeberger Zeitung. Hier stand vor kurzem zu lesen, dass das bekannte Künstlerehepaar Vivi Bach und Dietmar Schönherr vor fünf Jahrzehnten in dem gerade zum dritten Mal zum schönsten Dorf des Kreises gewählten Ort einen Film gedreht hat. Ein Foto zeigte die beiden Schauspieler an den ersten beiden Siegertafeln des Kreises für Auszeichnungen 1963 und 1966.

"Die Lady aus dem Weltraum" gibt es nur als Super 8-Film

„Ja, das stimmt“, bestätigt Gertrud Köck. Die Altbäuerin ist erste Ansprechpartnerin in der Gemeinde, wenn es um frühere Zeiten geht. Sie betreut das Dorfarchiv. Direkt vor ihrem Bauernhof an der Dorfstraße hätten Dreharbeiten stattgefunden zum Film „Die Lady aus dem Weltraum“. Gesehen haben den siebenteiligen Kurzstreifen, deren jeweils zehnminütigen Teile von „Die Landung“ bis zu „SOS Weltraumflotte“ reichen, allerdings nur wenige Hartenholmer, denn er wurde für die Liebhaber des Schmalfilmformats Super 8 hergestellt. Auf Youtube sind die beiden ersten Teile der Science Fiction heute noch in einer sehenswerten Fassung zu sehen. Dabei kommt man angesichts der Spezialeffekte aus dem Schmunzeln nicht heraus.

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Filmcrew mit skurrillen Einfällen

„Mir ist der Hund mit einer kleinen Perücke in Erinnerung geblieben“, erzählt Susanne Hartmann. Als Kind hatte die Tochter der Hofbesitzer Köck bei den Filmarbeiten zugesehen. „Ja, und der Hund hatte zwei kleine Antennen auf dem Kopf, die dauernd herunterrutschten“, erinnert sich Ute Hartmann, geborene Mohrmann. Nachdem die drei Frauen zuerst meinten, kaum etwas behalten zu haben von den aufregenden Dreharbeiten mitten im Dorf, kamen die Erinnerungen beim Erzählen doch zurück.

Vivi Bach spielt die Weltraum-Lady

Die Dänin Vivi Bach spielte die Lady von einem anderen Stern namens Tona, die mit ihrer fliegenden Untertasse auf Hartenholmer Grün landet. Herausgefahren aus dem Ufo kommen ein schnittiges Auto mit Schutzkraftfeld, der sprechende Hund Quasi und die attraktive Blondine mit dem sympathischen Akzent. Sie wollen die niedrige Entwicklungsstufe der Erdbewohner erkunden. Verfolgt wird das Duo nicht nur von bösmeinenden Schurken, die sich überlegene Waffen erhoffen, sondern auch vom schnittigen Chef der Welt-Sicherheitsabteilung, gespielt von Dietmar Schönherr. In seinem Sportwagen verfolgt er die Lady und wird das eine oder andere Mal zu ihrem Retter.

Flugplatz Hartenholm ist weiterer Schauplatz

Etliche der Verfolgungsfahrten wurden mitten durch das Dorf unternommen. Die scharfe Kurve in der Ortsmitte mit dem Dorfkrug und der Meierei im Hintergrund bot sich geradezu an für rasante Fahrten. Dort, wo heute die Bürgersteige verlaufen, sind breite Sandstreifen zu sehen. Gegenüber vom Kastanienhof standen Komparsen in einer Protestgruppe zusammen, um für den Frieden zu demonstrieren und das Motto „Black is beautiful“ zu skandieren. Die schöne Lady reihte sich mit Hund ein und marschierte bis zum Flugplatz. „Die Flugzeuge sind ja 1000 Jahre alt“, rief sie erschrocken angesichts der dort stehenden Maschinen. Mutig setzte sie sich in einen der „Oldtimer“ und drehte eine kleine Runde.

Vivi Bach und Dietmar Schönherr begeistert von Hartenholm

Nach eigenen Aussagen war das Ehepaar Bach/Schönherr begeistert von Hartenholm. Hier würden sie auch gern leben, betonten sie in einem Interview mit dem legendären Reporter der Segeberger Zeitung, Heinz Friedrich Kamecke. Sie tranken im Central Gasthof ihr Bier und gingen im nahegelegenen Wald spazieren. Und dem stellvertretenden Bürgermeister Heinrich Jensen versicherten sie, dass die erneute Auszeichnung für das Dorf völlig zurecht vergeben worden sei. „Die Dreharbeiten mit den ständigen Wiederholungen zogen sich sehr und wurden für uns langweilig“, erinnert Susanne Hartmann sich. Sie und die anderen Kinder auf dem Hof waren deshalb hoch erfreut, als sich die Oma aufmachte, um beim Kaufmann für die kleinen Zuschauer Eis zu kaufen, während die demonstrierenden Statisten immer wieder ins Bild gerückt wurden.

Großes Interesse an SF im Jahr der Mondlandung

Erkennen konnten Susanne Hartmann, ihre Mutter Gertrud Köck und Ute Hartmann jedoch keinen der Kleindarsteller. Sie waren wohl von der Filmcrew mit ins Dorf gebracht worden. Als Meisterwerk der „Schmalfilmkunst“ wurden die sieben Streifen gefeiert. Im Jahr der ersten Mondlandung und den vorangegangenen Missionen im Weltall waren viele Menschen neugierig, ob es ein Leben außerhalb der Erde geben könnte. Deshalb hatten Bach und Schönherr auch so viel Erfolg mit der Serie „Raumpatrouille Orion“, zu dessen Besatzung sie gehörten. Die Filme waren ein TV-Hit. Das Ehepaar Bach/Schönherr verstarb 2013 und 2014 in seiner österreichischen Heimat.

Auch für Timm Thaler wurde in Hartenholm gedreht

Hartenholm wurde weiterhin gern für Filmaufnahmen gebucht wie bei der Kult-TV-Serie „Timm Thaler“ oder einigen Krimi-Episoden. Wieder der Kastanienhof war beispielsweise beim dreiteiligen Fernsehfilm „Jörn Drescher, 19 Jahre“ mit dem bekannten Darsteller Volker Eckstein, ein Drehort. In diesem Film bildete - wie bei Timm Thaler – der Flugplatz den Hintergrund. Fluglehrer des jungen Mannes war Schauspieler und Theaterchef Peter Ahrweiler, der seit den 1950er Jahren in Hartenholm lebte. Aber das ist eine andere Geschichte in Hartenholms kleiner Tradition als Filmkulisse.

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