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Segeberg Neuer Protest gegen Windkraftanlagen
Lokales Segeberg Neuer Protest gegen Windkraftanlagen
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07:56 21.01.2020
Von Gerrit Sponholz
Etwa drei Windkrafträder könnten auf der Fläche bei Travenhorst vermutlich Platz finden. Quelle: Symbolfoto Patrick Pleul
Travenhorst

Konkrete Baupläne gibt es in Travenhorst offenbar noch nicht. Aber in der Region hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich gegen die Ausweisung wehren will. Sie hat für Sonnabend, 25. Januar, ab 16 Uhr in das Restaurant am Torhaus in Seedorf eingeladen. 

Einwände bis Mitte März möglich

Die Zeit drängt. Noch bis 13. März können Bürger beim Land Stellung zum nunmehr dritten Entwurf nehmen, der Ende 2019 vom Land vorgelegt worden war. In etwa einem Jahr will es die endgültige Fassung verabschieden. Danach würde auf den Vorrangflächen prinzipiell Baurecht für Investoren gelten. 

Schon im vorherigen, zweiten Entwurf von 2018 hatte das Land 26,6 Hektar bei Travenhorst vorgesehen, nach Einwänden aber die Fläche im dritten Entwurf leicht beschnitten. So ist der Abstand vor allem zu Travenhorst, aber auch zu Berlin auf 1000 Meter erweitert worden. 

Im Naturpark Holsteinische Schweiz gelegen

Die Lage mitten im Naturpark Holsteinische Schweiz hält das Land für noch vertretbar. Allerdings schließt es nicht aus, dass zum Schutz eines Rotmilanhorstes im späteren Baugenehmigungsverfahren „Maßnahmen festgesetzt werden“. Der Horst liegt zwischen ein und eineinhalb Kilometer entfernt. Für das Land ist dies nur ein mittleres Konfliktrisiko, kein hohes.

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Der Kreis arbeitet noch an einer Stellungnahme zum dritten Entwurf. 2018, zum zweiten Entwurf, hatte der Kreis nur allgemeine Kritik angebracht: Die Fläche befinde sich zwischen wichtigen charakteristischen Landschaftsräumen und im Naturpark Holsteinische Schweiz. Die Untere Naturschutzbehörde hatte sogar gar keine großen Bedenken.

Befürworter und Kritiker

In Travenhorst selbst gibt es Befürworter, aber auch Skeptiker und Gegner. Das zeigte eine kleine Umfrage der SZ. Das Thema scheint heikel zu sein, denn etliche wollten nur hinter vorgehaltener Hand etwas sagen. 2018, in einer Stellungnahme zum zweiten Entwurf des Landes, hatte die Gemeindevertretung den Windkraftbau prinzipiell begrüßt, aber auch einige Punkte kritisiert. So seien die Mindestabstände zu Häusern zu gering, und Nahrungsgebiete von Vögeln würden gestört. 

Bürgermeister Michael Göttsche kündigte gegenüber der SZ an, dass es zu dem dritten Entwurf des Landes eine Einwohnerversammlung geben werde. Die Gemeindevertretung werde auch beraten.

Einwohnerversammlung geplant

Er persönlich sieht Vor- und Nachteile. Siedlungen wie Petersruh, Birkenhof oder Passopp lägen nur wenige hundert Meter entfernt. Außerdem flögen dort viele Vögel. Und die neuen Windkraftanlagen müssten nachts wohl häufiger abgeschaltet werden, um die Grenzwerte für Lärm einzuhalten. 

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Noch unklar sei, ob drei Windkraftanlagen überhaupt auf die Fläche passen. Denn weniger Anlagen pro Standort, so Göttsche, habe das Land bislang nicht zulassen wollen. 

Mehrere Landbesitzer

Dem Vernehmen nach gibt es zwei Landeigentümer. Sie würden von einem Bau profitieren. Sie wollten nichts sagen oder waren nicht erreichbar.

Angeblich haben Investoren wie üblich in solchen Fällen zwar schon Kontakt zu ihnen aufgenommen. In trockenen Tüchern scheint aber noch nichts zu sein. Beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) liegt bislang kein vorgezogener Bauantrag vor.

Bente Isenberg von Gut Kamp ist zwiegespalten. „Einerseits bin ich für saubere Energie aus Windkraft. Andererseits würden Windkraftanlagen vorort das Landschaftsbild stören.“ Allerdings wisse sie auch: In Dithmarschen müssten die Menschen mit weit mehr Anlagen leben. 

Sie wundert sich, dass ihr Nachbar kein Haus habe bauen dürfen, weil es im Schutzgebiet liege. Andererseits wolle das Land nebenan nun Windkraftanlagen erlauben. Ihr Fazit: „Ich tue mich unheimlich schwer, pro oder contra zu entscheiden.“ 

Umweltverein protestiert

Ein klarer Protest kommt vom Umweltverein Passopp Wensin. „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber gegen den Standort Travenhorst“, sagt Vorsitzender Arne Blohm-Sievers. Sein Verein habe einen Vogelbeobachter, der Wensin und Umgebung im Auge habe. „Bei Travenhorst fliegt viel zu viel.“ Gesichtet worden seien Mäusebussarde, auch unter Schutz stehende Rotmilane. Ob sie einen Horst im oder am möglichen Vorranggebiet bezogen haben, sei unklar.

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Normalerweise, so Blohm-Sievers, lassen sich Rotmilane ab März in Horsten nieder – also wohl nach Ablauf der Einspruchsfrist des Landes. In diesem milden Winter seien die Tiere aber wohl früher aktiv. „Sie nehmen gerne auch Bussardhorste in Beschlag.“ 

Auch Seedorf berät

Seedorfs Bürgermeister Gerd Lentföhr ist zufrieden, dass der Mindestabstand zu seinen Ortsteilen nun mindestens 1000 Meter betrage. Ob das alle zufriedenstellen werde, sei er sich nicht sicher. 

Der Bauausschuss berät am Mittwoch, 29. Januar, ab 19.30 Uhr im Torhaus in Seedorf über eine Stellungnahme zur Planung des Landes, später wird die Gemeindevertretung tagen. 

Anders als früher haben Gemeinden nach der Rechtsprechung kein Vetorecht mehr bei der Windkraftplanung. Das Land orientiert sich nur an Schutzkriterien, und will aber gleichzeitig den Ausbau von Windkraft vorantreiben. 

Gegner treffen sich am 25. Januar

Gebildet hat sich die neue Bürgerinitiative Gegenwind Berlin. Sie wehrt sich gegen den Bau von Anlagen bei Travenhorst. Sie würden krankmachen, Wertverluste für Immobilienbesitzer mit sich bringen und die Natur zerstören. 

Referenten informieren in der Veranstaltung am Sonnabend, 25. Januar, in Seedorf. Eine der Fragen lautet: „Wie können wir uns gegen den geplanten Windpark wehren?“ 

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