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Segeberg Vermieter wollen oft keine Flüchtlinge
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10:21 07.09.2019
Von Nicole Scholmann
Die Familien Rabaki und Shaban suchen dringend Wohnraum, denn sie müssen am Beckerbergring in ein paar Monaten ausziehen. Quelle: Nicole Scholmann
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Henstedt-Ulzburg

"Es mag ja sein, dass ihre syrische Familie sehr lieb und zuverlässig ist, aber wir möchten von vornherein Abstand davon nehmen." Das oder Ähnliches hören die beiden Flüchtlingshelferinnen Annemarie Winter aus Henstedt-Ulzburg und Astrid Joachim aus Kisdorf nicht selten, wenn sie für ihre Schützlinge Wohnungen oder Häuser zur Miete suchen. Die beiden engagierten Damen sind ebenso wie viele der anerkannten Flüchtlinge frustriert und appellieren an Besitzer von Mietobjekten, sich doch wenigstens die Familien anzusehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Gemietete Reihenhäuser in Henstedt-Ulzburg müssen geräumt werden

So wie in zahlreichen Gemeinden im Hamburger Speckgürtel herrscht auch in Henstedt-Ulzburg akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Politik und Verwaltung suchen seit langem nach Lösungen. Die Flüchtlingswelle und deren Folgen haben die Situation noch mal verschärft. Erschwerend kommt hinzu, dass die Reihenhäuser in der Straße Beckersbergring, die die Gemeinde Henstedt-Ulzburg zur Unterbringung von geflüchteten Menschen angemietet hat, Ende des Jahres und ein weiterer Teil im kommenden Jahr wegfallen. Über 100 Menschen wohnen in den vom Unternehmen Soka-Bau gemieteten Häusern. Soka-Bau will das Quartier verkaufen und sucht gerade Käufer. Das bedeutet, dass die Flüchtlinge auf absehbarer Zeit dort rausmüssen.

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Unterkunft Lindenstraße noch längst nicht fertig

Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg macht bei den Flüchtlingsfamilien zurzeit Druck und fordert sie auf, sich um eine alternative Bleibe zu kümmern. "Können vor Lachen", sagen dazu die Flüchtlingshelferinnen. Die geplante Unterkunft an der Lindenstraße für über 50 Personen muss erst noch gebaut werden, die vorgesehene Erweiterung der Unterkunft am Kirchweg ist zwar in Planung, aber an die Fertigstellung ist noch nicht zu denken. Solange diese Projekte noch nicht ansatzweise fertig sind, muss Plan B her. Und der heißt für Annemarie Winter, Astrid Joachim und ihre Schützlinge: Anzeigen lesen, Internet durchstöbern, Makler und Vermieter anrufen, Angebote sichten, Netzwerke und Kontakte nutzen. 

Im Internet nach Wohnungen in Henstedt Ulzburg suchen

Seit vier Jahren ist Shukri Rabaki aus Syrien in Deutschland, seine Familie zog ein Jahr später nach. Auch Bruder Juan Rabaki wohnt bei der Familie, die vier Kinder hat. Es ist eng in dem Reihenhaus am Beckersbergring, aber alle haben sich arrangiert. Die Aussichten sind düster. "Wir schauen über Ebay-Kleinanzeigen und bei Maklern", erzählt Juan Rabaki. Aber entweder seien die Mieten zu hoch oder die Vermieter hätten Ausreden, sobald sie hören, dass die Familie aus Syrien stammt. Es gab auch Aussagen von Maklern, dass sie generell nicht an Flüchtlinge Objekte vermieten. Das macht vor allem die Flüchtlingshelferinnen sauer. "Die können sich doch wenigstens unsere Familien einmal angucken und mit ihnen sprechen", sagt Astrid Joachim.

Immer mehr Flüchtlinge mit ihren Familien suchen in der Region Wohnungen. In Henstedt-Ulzburg engagieren sich unter anderem zwei Helferinnen sehr bei der Suche.

Da die Flüchtlingsfamilie inzwischen durch Sprachkurse, Kindergarten und Schulen in Henstedt-Ulzburg fast schon zu Hause seien, sei es schwer, sich eine Mietwohnung in einer anderen Region zu suchen. "Dann müssen die wieder bei null anfangen", sagt Astrid Joachim.

60 Prozent des Einkommens für die Miete

Auch Najeeb Shaban ist auf der Suche nach einer neuen Heimat für sich, seine Frau und die zwei Kinder. Er hat einen Arbeitsplatz in Norderstedt, verdient Geld und hat sich in Deutschland eingerichtet. Durch den absehbaren Wegfall des Hauses am Beckersbergring stehen er und seine Angehörigen wieder vor einer ungewissen Zukunft. Shaban wundert sich darüber, wie hoch die Mieten sind. "Wenn ich bis zu 60 Prozent meines Einkommens für die Miete brauche, was bleibt mir und meiner Familie dann?", fragt der IT-Experte.

Einen Mietzuschuss übernimmt das Jobcenter für anerkannte Flüchtlinge, die auf Arbeitssuche sind. Wer noch auf die Anerkennung wartet oder geduldet ist, erhält Unterstützung der Gemeinde Henstedt-Ulzburg. Das Jobcenter im Kreis Segeberg hat Mietobergrenzen festgelegt. Die Leistungen stehen jedem zu, der auf Jobsuche ist - auch Deutschen. Eine Flüchtlingsfamilie mit drei Kindern erhält beispielsweise in Norderstedt  920 Euro, in den Gemeinden Henstedt-Ulzburg, Ellerau und Alveslohe 810 Euro. Wer als Flüchtlingsfamilie mit Vater, Mutter und drei Kindern in den Ämtern Kisdorf, Itzstedt, Kaltenkirchen-Land, Bad Bramstedt-Land und Bad Bramstedt wohnt, erhält 690 Euro. In den Ämtern Trave-Land, Boostedt-Rickling, Leezen, Bornhöved und Stadt Wahlstedt werden 610 Euro gezahlt. In Bad Segeberg gibt es für fünf Personen 710 Euro, in Kaltenkirchen 760 Euro. Die Wohnung oder das Haus dürfen maximal 95 Quadratmeter groß sein.

Einige Flüchtlinge haben einen Kursus zum Mietführerschein absolviert. Aber selbst mit dem Zertifikat finden sie keinen Zugang zum Wohnungsmarkt. Die Volkshochschule, ein Makler vor Ort und weitere Institutionen hatten den Kursus auf die Beine gestellt. Den Teilnehmern wurde erklärt, welche Rechte und Pflichten sie als Mieter haben und wie ein Mietvertrag in Deutschland aussieht. Zum Abschluss gab es ein Dokument - aber das scheint den Vermietern nicht das Papier wert zu sein, auf das es gedruckt ist, meinen die Helferinnen.

Miete kommt immer pünktlich

Inga Lüttjohann und ihr Partner Dirk Rohlfing haben ein Haus und eine Wohnung an Flüchtlinge vermietet und sind voll des Lobes. Alles habe prima geklappt. Die Miete komme pünktlich, es sei immer aufgeräumt und ordentlich. Inga Lüttjohann fordert Vermieter auf, sich einfach mal mit dem Thema auseinander zu setzen. "Was kann einem denn schon schlimmes passieren?", fragt die Henstedt-Ulzburgerin.

Ein Ansprechpartner der Gemeinde Henstedt-Ulzburg für Vermieter, die Interesse an der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien hat, ist unter Telefon 04193/963464 erreichbar.

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