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Segeberg Rückkehr aus dem viel zu warmen Grönland
Lokales Segeberg Rückkehr aus dem viel zu warmen Grönland
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18:13 27.09.2019
Von Einar Behn
Arved Fuchs kehrte am Freitag in den Hamburger Hafen zurück, wo die Expedition 2018 begonnen hatte. Neben ihm Ehefrau Brigitte Ellerbrock. Quelle: Bernhard-Michael Domberg
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Hamburg

Extremsegler Boris Herrmann mimte den Festmacher an der Pier im Hamburger Hafen. Er hatte die Klimaaktivistin Greta Thunberg auf der Yacht „Malizia II“ nach New York mitnahm, wo sie beim Klimagipfel während der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach.

Der Teil der Expedition „Ocean Change“ führte Fuchs nach Island und an die Ostküste Grönlands, wo er und seine internationale Crew auf die klimabedingten Veränderungen in den Weltmeeren und an den Gletschern aufmerksam machen wollte. Mit an Bord waren, wie schon 2018, als es an die Westküste Grönlands ging, junge Wissenschaftler, die sich unterschiedlichen Aufgabenbereichen widmeten. „Das Thema ‚Ocean Change‘ ist seit Jahren das Programm unser Expeditionen“, waren Fuchs’ ersten Worte. „Aber wir wollen auch Mut machen, daher lautet der Untertitel ‚Turn the Page‘“.

Haverie vor Grönland

Es war die 35. und eine der wohl anspruchsvollsten Expeditionen, die der Bad Bramstedter seit 1977 erlebt hat. Gleich zweimal brach die Zugstange in der hohl gebohrten Schraubenwelle, die den Anstellwinkel der Propellerblätter verändert. Durch diese Brüche, zunächst vor Island, später vor der Westküste Grönlands, war das Schiff manövrierunfähig. „Die Havarie warf uns um mehrere Wochen zurück“, erzählte Fuchs vor der Presse im Feuerschiff des Hamburger Hafens.

„Dennoch war unsere Expedition in jeder Hinsicht erfolgreich“, betonte der Bad Bramstedter Expeditionsleiter. Auf der Hinreise machte sich die Crew mit zahlreichen Projekten regenerativer Energieerzeugung vertraut. Beginnend mit dem Offshore Windpark Butendiek, 30 Meilen vor Sylt, besuchte die Crew einen Onshore Windpark mit einem Batteriespeicher in Torshavn auf den Färöer-Inseln, der bei Windflaute für Netzstabilität sorgt. „Islands Stromversorgung speist sich so gut wie zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen“, so Fuchs. „Wasser und Geothermie sind dort endlos vorhanden.“

Isländer speichern CO2 im Boden

Doch die Isländer gehen in Sachen CO2-Reduzierung noch weiter. In dem Projekt „CarbFix“ wird Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen und in Basaltgestein in der Erde gespeichert – ein in Deutschland hoch umstrittenes Verfahren, da das Gas direkt in den Boden gepresst werden muss.

In Stromness auf den Orkney-Inseln biete ein Unternehmen Testanlagen für Wellen- und Gezeitenkraftwerke auf offener See mit Netzanbindung an. Die Technik sei so gut wie marktreif, berichtete Fuchs. Er nennt diese Vorgehensweisen „Best-Practice-Projekte“, die Mut machen sollen, das Klimaproblem zu lösen. „Es braucht Transparenz, pfiffige individuelle und technische Lösungsansätze“, so der Umweltexperte.

Nach Mikroplastik gefischt

Vor Grönland beschäftigte sich die Crew mit der Verschmutzung des Meerwassers und dem dramatischen Rückgang der Gletscher auf der größten Insel der Welt. Mithilfe eines von Fuchs entwickelten feinmaschigen Gerätes mit der Bezeichnung „Manta Trawl“, das neben dem Schiff hergezogen wird, konnten die Wissenschaftlerinnen an Bord vor der Ostküste Grönlands und in der Dänemarkstraße größere Mengen an Mikroplastik kleiner als fünf Millimeter nachweisen. „Es ist dramatisch, welche Mengen von Abfall und Mikroplastik wir in den entlegensten Regionen gefunden haben“, erklärte Wissenschaftlerin Lauren Grüterich. Die Forscherin fand insgesamt 200 Kilogramm Müll auf rund 30000 Quadratmetern.

Gletschereis auf dem Rückzug

Mithilfe mitgeführter Gleitflugdrohnen konnten zwei Wissenschaftler aus Cottbus und Berlin die Fließgeschwindigkeit von Gletschern an der Ostküste Grönlands messen. Aufgrund von Vergleichsaufnahmen aus den Jahren 1933 und 2013 belegten die Wissenschaftler den extremen Rückgang des Gletschereises.

„Als traurigen Höhepunkt der Expedition“ bezeichnete Fuchs den Besuch der 1947 verlassenen US-Militärbasis ‚Bluie East Two“. „Dort lagern an die 190000 verrostete 200-Liter Fässer – teilweise gefüllt mit Schmierölen und Brennstoffen sowie zahlreiches verrostetes Militärgerät. Die Crew entnahm 35 Bodenproben in verschiedenen Tiefen, die nun in Deutschland ausgewertet werden.

Große Ehre für Fuchs

Nach der Pressekonferenz gab es für Arved Fuchs eine besondere Ehrung. Aus der Hand Segler Boris Herrmann erhielt Fuchs den „Seadevcon Maritime Award“. Mit dem Preis wird jährlich das Lebenswerk von Menschen geehrt, die sich beispielhaft für den Kampf um eine nachhaltige und respektvolle Nutzung der Weltmeere einsetzen. „Der Klimawandel ist eine Tatsache, dessen Ursachen klar und gut bekannt sind“, erklärte Fuchs in seiner Dankesrede. „Neben natürlichen Fluktuationen sind vor allem die Menschen dafür verantwortlich. Ein ‚Weitermachen wie bisher‘ ist nicht mehr möglich, wir haben zu lange gewartet, es muss etwas passieren“, betonte Fuchs.

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