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Segeberg Es begann mit Alpenveilchen
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19:10 17.02.2016
Von Petra Stöver
Rudolf Beckmann (73) gehört zur Gründergeneration der Gärtnersiedlung. Quelle: Petra Stöver
Gönnebek

Heute kaum vorstellbar: Planwirtschaft führte zur Gründung der „Gruppensiedlung zur Erzeugung von Blumen und Zierpflanzen“. Anfang der 1960-er Jahre entschieden Landesregierung, Landwirtschaftskammer und Landesverband der Gärtner, auf kargen Böden zwischen Trappenkamp und Gönnebek 20 Betreibe anzusiedeln. Dort gab es zwar genug Fläche und reichlich gutes Grundwasser, aber weder eine Straße noch Stromanschluss oder die für Gärtnereien so wichtige Heizung.

 Auf die Siedlerstellen konnten sich Gärtnermeister bewerben, das Los entschied über die künftigen Betriebsleiter. Sie bauten nicht selbst, sondern ihnen wurde ein Wohn- und ein Gewächshaus hingestellt. „Wir hatten alle identische Häuser“, erinnert sich Rudolf Beckmann (73), einer der Gründer. Alles war standardisiert, jeder bekam 1,3 Hektar Land, davon 815 Quadratmeter unter dem Dach des Gewächshauses. Heute verfügt jeder Betrieb über durchschnittlich 20000 Quadratmeter unter Glas.

 „Der erste Spatenstich für die Gewächshäuser erfolgte im März 1966“, heißt es in der Chronik der mittlerweile aufgelösten Erzeugergemeinschaft Gönnebek. Obwohl die Wohnhäuser noch nicht fertig waren, wollten die Menschen loslegen. „Wir haben in den Gewächshäusern geschlafen, die Ecken mit Bettlaken abgetrennt“, erzählt Beckmann.

 Weil das Fernheizkraftwerk noch keine Energie lieferte, produzierten anfangs alle Alpenveilchen, weil die es kühl mögen. Doch bald setzte Spezialisierung ein, bis Topfpflanzen aller Art, von Tagetes bis Orchideen, für den großen Markt großgezogen wurden. Einzelverkauf war von Beginn an unerwünscht, im Fachhandel und auf dem Hamburger Großmarkt fanden und finden die Gönnebeker ihre Abnehmer. Neu hinzu kam ein großer Vermarktungsbetrieb, der ebenfalls mit Erzeugnissen aus der Siedlung handelt.

 Die Ölkrisenjahre 1973 und 1979/80 haben die Gärtner kalt erwischt. Die Energiepreise stiegen rapide, doch der Handel zahlte keine höheren Preise. Ihr Heil suchte die Erzeugergemeinschaft von 1980 bis 1992 in einem Zweigbetrieb für Warmhauskulturen nahe der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld. Doch „da haben wir nur Geld verbrannt“, sagt Wilhelm Edert heute zurückblickend.

 Heute kämpfen die Gärtner gegen die Discounter. „Es wird immer schwieriger, gegen die Dumpingpreise durchzuhalten“, sagt Edert. Der heute 55-Jährige kam als Kind mit seinen Eltern nach Gönnebek und ist „unter dem Tisch groß geworden“. Über dem Tisch beugten sich die Gärtner über ihre Pflanzen, darunter im Sand spielten ihre Kinder. „Wir haben ohne Feierabend und ohne Sonntag durchgearbeitet“, blickt Richard Kotzam (82) zurück. In „Goldgräberstimmung“ hätte die Vorgängergeneration gewirtschaftet, meint Gunnar Beckmann (36), der heute den Familienbetrieb leitet. Seit 2000 sei die Lage „ganz schwierig und heikel“. Dafür macht er den Strukturwandel und das geänderte Kaufverhalten der Kunden verantwortlich.

 Dem Optimisten Rudolf Beckmann schwebt eine blühende Zukunft der Gönnebeker Gärtner vor. Das Motto müsse lauten: „Frische Ware aus der Region für die Region“.

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