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Segeberg Urnenkammerwand: Mit Toten auf Augenhöhe
Lokales Segeberg Urnenkammerwand: Mit Toten auf Augenhöhe
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20:06 03.06.2019
Von Gerrit Sponholz
Pastor Wolfram Glindmeier vor der Urnenwand auf dem Friedhof Stockelsdorf im Kreis Ostholstein. Über 160 Plätze waren binnen weniger Jahre verkauft. Trotzdem findet der Garbeker Edgard Schmidt keine Kirchengemeinde in der Nähe, die ein Kolumbarium anbieten möchte. Quelle: Nadine Materne
Garbek

Edgard Schmidt (69) sieht dem Ende des Lebens gefasst entgegen. Jeder Mensch stirbt eines Tages. „Man kommt nicht darum herum.“ Dieser Tatsache bewusst, schließt sich für ihn die Frage an: Wie will ich begraben werden? Am liebsten wäre ihm, in einer Urne in einer Urnenwandkammer bestattet zu sein. „Der Vorteil ist, dass die Hinterbliebenen, speziell die Kinder, nicht viele Jahre Grabpflege vor sich haben.“

Der verheiratete Unternehmer fragte bei mehreren Kirchengemeinden in der Umgebung an, blitzte aber ab. Schmidt bedauert das. In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und in katholisch geprägten Gegenden sei diese Bestattungsform durchaus üblich. Denn sie biete außer der einfacheren Grabpflege viele weitere Vorteile.

Begraben in 1,80 Höhe statt unter der Erde

Er habe zu Lebzeiten ein besseres Gefühl, in 1,80 Meter Höhe bestattet zu sein, als unter der Erde zu liegen. Vor der Urnenwandkammer könnte eine Bank stehen, auf der Hinterbliebene ruhen, entspannt sitzen und des Toten gedenken können. „Auf Augenhöhe sozusagen“, sagt Schmidt.

Meist würden Paare ja nicht zur selben Zeit sterben, sondern in zeitlichem Abstand. Für den meist betagten Witwer und die betagte Witwe sei es einfacher, auf einer Bank vor der Urnenwandkammer Platz nehmen zu können, „als sich am Grab auf die Harke stützen zu müssen“.

Ein Rasengrab oder ein anonymes Feldgrab ist Schmidt zu unpersönlich. „Das wollen unsere beiden Kinder auch nicht“, sagt Schmidt. „Sie wünschen sich eine Anlaufstelle.“ Vor einem Friedwald oder Ruheforst schrecke seine Frau zurück. Die Vorstellung, allein im Wald irgendwo zu liegen, behage ihr nicht. 

Warder: günstige Baumgräber

Bei der Kirchengemeinde Warder blitzte Schmidt ab. Es gebe keinen Bedarf für ein Kolumbarium, sagt Pastor Roland Scheel. „Wir haben genug Flächen für Gräber.“ Der Bau von Urnenwandkammern sei auch nicht finanzierbar. Ein Baumgrab koste in Warder 800 Euro, bei 20 Jahren Laufzeit, ein anonymes Grab 580 Euro. Eine Frage sei auch, was mit der nicht verwesten Urne in der Kammer nach Ablauf der Buchungszeit geschehen solle. 

Auch bei der Friedhofsverwaltung in Bad Segeberg hatte Schmidt keinen Erfolg. Dort diskutierte der Friedhofsausschuss. „Ich bin seit 22 Jahren hier“, sagt Reiner Rohde von der Friedhofsverwaltung. Das sei die erste derartige Anfrage gewesen. Mangels Nachfrage könne dem Wunsch des Antragstellers nicht nachgekommen werden. Sollte es mehrere Anfragen geben, würde darüber sicher noch mal geredet. 

In einigen Gegenden, meist wegen Platzmangels, gebe es Urnenwandkammern, die Kolumbarien, durchaus, erklärt Rohde. Allerdings sei der normale Vorgang, dass Urnen und Inhalt im Erdreich verwesen. „Erde zu Erde.“

In Stockelsdorf ist die Urnenwand stark nachgefragt

Die Kirchengemeinde Stockelsdorf baute ein Kolumbarium, und wegen der großen Nachfrage später noch ein zweites. Zu zahlen sind für ein Nutzungsrecht von 20 Jahren inklusive der Inschrift des Erstverstorbenen 2500 Euro. Verlängerungen sind möglich. Die Vorteile dieser Bestattungsform pries die Kirchengemeinde vor Jahren.

Bestattende wünschten sich zunehmend kostengünstige und pflegearme Bestattungsformen. Dies treffe zwar auch auf anonyme Bestattungen zu. „Aber Angehörige unterschätzen oft ihr Bedürfnis, das Grab der Verstorbenen zu besuchen, und leiden dann“, sagt Pastor Wolfram Glindmeier. In die Abdeckplatte einer Urnenkammer könnten die Namen und Daten der Verstorbenen eingraviert werden. „Eine kleine Blumenbank neben jeder Urnenkammer ermöglicht individuellen Blumenschmuck.“ 

Die 164 Plätze des ersten Kolumbariums waren rasch weg, und auch der zweite Bauabschnitt mit 96 Plätzen ist gut nachgefragt. Ein drittes Kolumbarium wird es nicht geben, sagt Friedhofsverwalterin Christine Schaeper. Denn die Baukosten seien gestiegen, deshalb auch die Gebühren von einst 1600 auf nunmehr 2500 Euro. Viel mehr würden Bestattende wohl auch nicht ausgeben. 

Blunk: Idee versandete

In Blunk war 2007 über den Bau eines Kolumbarium nachgedacht worden. Es bot sich die kurz zuvor 2006 entwidmete ehemalige Kirche an. Zwei Studentinnen hatten in einem Ideenwettbewerb für die Weiternutzung des Gebäudes mit ihrem Vorschlag gewonnen. Daraus geworden ist nichts. Das frühere Kirchgebäude war später abgerissen worden.

2014 gründete sich in Hitzhusen der Kreis „Geschichte und Geschichten“ in Hitzhusen auf Initiative von Pastor Rainer Rahlmeier aus Bad Bramstedt. Nach 34 Treffen hieß es Abschied nehmen. Rahlmeier geht am 1. Juli in Pension. Die Gruppe wird fortbestehen.

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