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Segeberg Pogrom-Gedenken: Mahnung zu Wachsamkeit
Lokales Segeberg Pogrom-Gedenken: Mahnung zu Wachsamkeit
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17:34 09.11.2019
Von Thorsten Beck
Innenminister Hans-Joachim Grote (v.re.), Bürgermeister Dieter Schönfeld und Bürgervorsteherin Monika Saggau verharrten in Stille, als Walter Blender, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, den Kranz zurechtrückte. Quelle: Thorsten Beck
Bad Segeberg

„Dieser Tag soll uns an die Reichspogromnacht von 1938 erinnern; an den Tag, als in Deutschland die Synagogen brannten und es ohne irgendeinen Grund Hetzjagden auf Menschen gab“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Walter Blender

Zuletzt der Anschlag in Halle habe gezeigt, dass der Antisemitismus „in den Köpfen von wesentlich mehr Menschen vorhanden ist, als wir es wahrhaben wollten“. Die Hemmschwelle, etwas gegen Juden oder gegen Israel zu sagen, sei gesunken. „Die Hemmschwelle, rechte Parteien zu wählen, ebenfalls.“

Rechte Gruppe in Bad Segeberg

In Bad Segeberg baue sich eine rechte Gruppierung auf, erklärte Blender. „Ihre Aufkleber sind in Bad Segeberg und in Dörfern zu sehen, Personen werden unter Druck gesetzt, von ersten Handgreiflichkeiten konnte berichtet werden und im Internet auf Wikipedia können wir die Vita des Anführers nachlesen.“ 

Viele vorwiegend jüngere Leute würden angesprochen. „Natürlich werden viele sich abwenden, aber sicher fühlen sich auch einige angesprochen; und wie damals kann aus einer kleinen eine ernstzunehmende große Gruppe oder sogar eine Bewegung werden. Jeder für sich habe die Wahl, es geschehen zu lassen oder etwas dagegen zu tun. „Kopfschütteln und Absichtserklärungen reichen jetzt nicht mehr aus“, sagte Blender.

Keine offene Synagoge mehr

In Bad Segeberg habe die Synagoge stets einen Platz am Tisch für Gäste und vor allem sprichwörtlich stets eine offene Tür gehabt. „Das müssen wir leider ändern, wir werden uns und unsere Synagoge jetzt schützen müssen. Nicht vor der Bevölkerung, aber vor Einzelnen.“

Neonazis entschlossen entgegentreten

Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote hat während der Feierstunde dazu aufgefordert, aus den schrecklichen Ereignissen jener Nacht und ihrer Folgen die notwendigen Lehren zu ziehen.„Die Erinnerung an die Reichspogromnacht mahnt zum Eintreten der Zivilgesellschaft für die Demokratie. Wir dürfen nicht weggucken oder meinen, es ginge uns nichts an, wenn die neuen Nazis meinen, wieder Oberwasser zu kriegen.“

In solchen Momenten sei die so genannte schweigende Mehrheit gefragt, rechtzeitig mit friedlichen Mitteln für Grundwerte und Grundrechte einzutreten, erklärte Grote. Der Innenminister begrüßte daher die für den Nachmittag geplante Demonstration: „Extremisten müssen wissen, dass für sie kein Platz in unserer Gesellschaft ist.“

Lesen Sie dazu: Demo gegen Neonazis: Rund 1500 gingen in Bad Segeberg auf die Straße

Rund 1500 Menschen, vielleicht sogar noch etwas mehr, haben am Sonnabend unter dem Motto "Wir sind mehr - Segeberg bleibt bunt" gegen den aufkeimenden Rechtsextremismus und die Umtriebe einer kleinen Gruppe von Neonazis in Bad Segeberg demonstriert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot präsent.

Thorsten Beck 09.11.2019

Weil erneut per Helikopter an den Stromleitungen gearbeitet wird, lässt das Unternehmen Tennet die A7 in der kommenden Woche kurzzeitig voll sperren. Betroffen sind am 12. November der Abschnitt zwischen Bad Bramstedt und Großenaspe und am 13. der Abschnitt zwischen Schnelsen-Nord und Quickborn.

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