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Segeberg Gefahr am Krötenzaun
Lokales Segeberg Gefahr am Krötenzaun
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06:11 27.03.2019
Von Sylvana Lublow
Nicht nur Kröten, auch Mäuse fallen in die Fangeimer. Diese hier ist bereits tot. Quelle: Privat
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Weddelbrook

Dort, wo der A20-Bauabschnitt 5 geplant ist, von der A7 bis zur Kreisgrenze, vor allem im Grenzbereich Weddelbrook-Mönkloh, hat die Autobahn-Planungsgesellschaft Deges Krötenzäune – das sind etwa 50 Zentimeter hohe Folienbarrieren – aufgestellt. Links und rechts des Zauns stehen im Abstand von circa acht Metern Eimer. Die Zäune messen zusammen sechs Kilometer. Das von Deges beauftragte Unternehmen Amphi-Dänemark führt eine Zählung der Kröten und anderer Amphibien durch, die in die Eimer fallen. Einmal täglich kommen die Biologen, zählen die Tiere und lassen sie dort raus, wo sie vermeintlich zum Laichen hinwollten. 

Mit der Zählung wollen sich die Planer Klarheit über die Wanderwege der Kröten verschaffen, um an den richtigen Stellen Amphibientunnel unter der Autobahn zu platzieren. Die Erfassung von Flora und Fauna gehört zu den Vorbereitungen, um 2020 das Planfeststellungsverfahren starten zu können.

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Stress schwächt die Kröten, Todesrisiko steigt

Doch die Anwohner Dietrich von Prondzinski und seine Frau Margitta sowie der Biologe Dr. Maximilian Schäffler sehen in dieser Aktion einige Gefahren für die Tierwelt. „Zunächst mal müssten die Eimer zweimal am Tag geleert werden und nicht nur einmal“, sagt von Prondzinski, der wie sein Bekannter Dr. Schäffler in einem Arbeitskreis der Deges sitzt, um dort die Belange der Tier- und Pflanzenwelt zu vertreten. „Für die Kröten sind die Auffangeimer purer Stress, gerade jetzt wo sie aus der Winterstarre kommen und nur von ihren Vorräten gezerrt haben“, sagt Schäffler: „Sie strampeln sich in den Eimern ab, wollen raus. Das kostet sie Kraft.“ Und davon haben sie kurz vor der Fortpflanzung nicht viel.  „Sind sie zu schwach und dadurch langsam, werden sie schneller zur Beute, außerdem kann die Fortpflanzung gestört werden“, weiß der Biologe.

Mäuse sterben schon nach einer Stunde im Fangeimer

Aber nicht nur die Amphibien leiden unter den Fangeimern. Die Weddelbrooker haben auch immer wieder Feld- und Spitzmäuse darin gefunden. Meistens waren sie schon tot. „Eine Stunde Stress in dem Eimer und sie sterben. Länger überleben sie es darin nicht“, sagt Schäffler. Der gesamte Biorhythmus in den Biotopen werde durch die Krötenzählung gestört. 

„Erschwerend hinzu kommt noch, dass die brütenden Vögel durch das Befahren der Wiese mit dem Auto erheblich gestört werden“, betont von Prondzinski. In den Biotopen brüten derzeit unter anderem Schellenten, Blesshühner, Reiherenten und Graugänse.

Ein Schlag ins Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung

Die Weddelbrooker filmen, fotografieren und dokumentieren ihre Beobachtungen – und setzten auch die Deges davon in Kenntnis. „Bisher haben wir keine Antwort erhalten“, sagt von Prondzinski. Eine Änderung haben sie danach aber feststellen können: In den Eimern stehen jetzt kleine Äste, an denen die Mäuse wieder raus klettern könnten.

„Wie hier mit der Natur umgegangen wird, ist Irrsinn. So kann man nur vorgehen, wenn man davon ausgeht, dass die Natur ohnehin durch den Bau der A20 zerstört wird“, ist von Prondzinski sicher. „Wir hoffen, dass das nie so weit kommen wird. Eine Autobahn durch ein ökologisch so sensibles Gebiet zu bauen, wäre mehr als fahrlässig“, sagt der Weddelbrooker: „Und ein Schlag ins Gesicht der jungen Menschen, die jeden Freitag aus Sorge um ihre Zukunft auf die Straße gehen.“

Nicole Scholmann 26.03.2019