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Segeberg Baugewerbe und Jobcenter gehen neue Wege
Lokales Segeberg Baugewerbe und Jobcenter gehen neue Wege
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07:00 16.07.2018
Von Detlef Dreessen
Mohammad Ali Noori (von links) und Altaf Hossein Alizade haben es vom Praktikum in die Ausbildung geschafft. Die Ausbilder Bruno Deutschmann und Sven-Ole Bastian helfen ihnen dabei in der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Kreishandwerkerschaft. Quelle: Detlef Dreessen
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Kreis Segeberg

Was Stefan Stahl, Bereichsleiter Markt und Integration beim Jobcenter, „im Angebot“ hat, klingt nicht gerade Hoffnung erweckend: Menschen, die vor langer Zeit aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind, außerdem junge Leute ohne oder mit miserablem Schulabschluss, Flüchtlinge ohne nachweisbare Schulbildung, Menschen mit körperlichen oder psychischen Einschränkungen, Sucht- und anderen Problemen, dazu junge Leute, in deren Familien schon seit Jahren nicht mehr für Geld gearbeitet wird.

Doch auch die will Carsten Bruhn, in Personalunion Geschäftsführer der Baugewerbeinnung für den Kreis Segeberg und der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein, nicht als potentielle Mitarbeiter aufgeben.

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Kaum Reaktionen auf Stellenanzeigen

Versierte und geübte Handwerker seien auf dem Markt kaum noch zu haben. „Wenn Bauunternehmer Stellenanzeigen aufgeben, bekommen sie oft null Reaktionen“, berichtet er. Die einzige Chance sei für viele, sich selbst neue Mitarbeiter heranzuziehen. Am besten junge Leute, die eine Ausbildung machen, aber auch Hilfskräfte, die schnell angelernt werden. Hauptsache: Sie sind bereit zu arbeiten.

Stefan Stahl sieht die Situation aus einer anderen Perspektive. 11.000 Bezieher von Sozialleistungen hat er in der Datei. Wer will, findet Arbeit. „Aber vielen fehlt dieser Wille, weil sie nicht wissen, was es an Zielen gibt“, berichtet Stefan Stahl. Bruhn und Stahl wollen ihnen nun gemeinsam den Weg ebnen.

Falsche Vorstellungen vom Gewerbe

Dazu werden auch unkonventionelle Pfade beschritten. So sollen Unternehmer Interessierte mit dem Kleinbus abholen und auf ihren Baustellen Einblicke ins Berufsleben geben. „Viele können sich gar nicht vorstellen, wie es heutzutage auf einer Baustelle aussieht“, berichtet Stahl. „Die glauben, dass man sich da immer noch krumm machen muss. Dabei wird vieles von Maschinen erledigt, bei denen man nur noch auf den Knopf drücken muss.“

Die nötigen Fähigkeiten für den Einstieg oder Wiedereinstieg wollen die Ausbildungsmeister Bruno Deutschmann (Bereich Maurer) und Sven-Ole Bastian (Bereich Zimmerer) in der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte (ÜAS) in Bad Segeberg vermitteln. „Die können das gut. Die wissen, wie man die jungen Leute anspricht“, sagt Bruhn. In ein, zwei Tagen mit Holz, Fliesen und Mörtel finde man heraus, was zu einem passt.

Kurzqualifizierung in der Überbetrieblichen Aussbildungsstätte

Die Kurzqualifizierungen in der ÜAS sollen Menschen bis 35 Jahren das Grundrüstzeug für Arbeiten auf der Baustelle mitgeben. Eine weitere Qualifizierung soll dann im Betrieb folgen, auch im Rahmen von Praktika, die von der ÜAS vermittelt werden.

Das Jobcenter hilft bei Sprachkursen, gibt Zuschüsse zum Führerschein und zum Arbeitslohn, wenn in der ersten Zeit nur eine begrenzte Leistungsfähigkeit vorhanden ist. Hier und da können auch Umschulungen finanziert werden.

Allzu viel versprechen will Stahl nicht – weder den Unternehmen noch seinen Klienten. „Aber wenn es ein paar Menschen etwas bringt, hat es sich gelohnt.“ Bruhn stimmt zu: „Wir müssen jede Chance nutzen und den Erfolg abwarten.“

Unternehmer, die Mitarbeiter suchen, können sich an die Baugewerbe-Innung oder an das Jobcenter wenden.

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