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Segeberg Geschichte eines Gesundheitskonzerns
Lokales Segeberg Geschichte eines Gesundheitskonzerns
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06:00 14.02.2014
Von Thorsten Beck
Der gewaltige Komplex der Segeberger Kliniken Gruppe dominiert das Bild am Großen Segeberger See. An die 1800 Menschen gibt das Unternehmen Arbeit. 125 Millionen Euro im Jahr setzt es um.
Bad Segeberg

Laut Sprecher Robert Quentin wird jährlich unter dem Strich ein einstelliger Millionenbetrag als Gewinn erwirtschaftet. Für die Kreisstadt Bad Segeberg und ihr eher strukturschwaches Umland ist dieser wirtschaftliche Erfolg kaum weniger bedeutsam als für das Unternehmen selbst: Annähernd 1800 Menschen stehen bei den Segeberger Kliniken aktuell in Lohn und Brot. Damit belegen sie im 40. Jahr ihres Bestehens immerhin Platz 21 in der Rangliste der einhundert größten Arbeitgeber Schleswig-Holsteins, die die HSH Nordbank regelmäßig ermittelt. Im Kreis Segeberg steht die Gruppe gemeinsam mit der Norderstedter Johnson & Johnson Medical Group deutlich an der Spitze. Auf den Plätzen 49, 79 und 94 folgen noch das Klinikum Bad Bramstedt, die Grundfos Pumpenfabrik sowie die Firma Pelz, beide in Wahlstedt.

 Eine von denen, die ihre Zukunft im Unternehmen noch vor sich haben, ist Vivian Muus. Die 21-jährige Abiturientin aus Struvenhütten hat im August 2012 ihre Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen begonnen. „Dass ich etwas Kaufmännisches machen möchte, war mir schon länger klar gewesen“, erzählt sie im Gespräch mit der Segeberger Zeitung. Und der Bereich Medizin sei nun einmal zukunftsträchtig: „Gesundheit braucht man ja immer.“

 Auf die Segeberger Kliniken sei sie gekommen, weil mehrere Mitglieder aus ihrer Familie schon einmal als Patienten dort behandelt wurden, erzählt die Struvenhüttenerin. „Ich hatte mich nirgendwo anders beworben und wurde auch gleich genommen.“ Ihre Ausbildung verlaufe bislang genauso, wie sie es sich vorgestellt habe. „Es wird einem von den Kollegen sofort großes Vertrauen entgegengebracht, man darf schon früh ganz eigenständig arbeiten.“ Sie würde nach Abschluss ihrer Lehrzeit jedenfalls gern im Unternehmen bleiben, betont die 21-Jährige, die im Verwaltungsgebäude am Klosterkamp 1 unter anderem Patienten-Daten verwaltet und Rechnungen zusammenstellt.

 Womöglich kann sie irgendwann ihr 25-jähriges Betriebsjubiläum im Haus feiern - so wie Heike Stender vor einem halben Jahr. Als Sekretärin des Chefarztes für Herz- und Gefäß-Chirurgie gehört die 57-jährige Bad Segebergerin inzwischen zu den erfahrensten Mitarbeiterinnen. Sie habe sich damals von sich aus bei den Kliniken gemeldet, im Rahmen einer so genannten Initiativ-Bewerbung, schildert sie der SZ. „Es war Zeit für etwas Neues.“

 Nun hat Heike Stender ihren Arbeitsplatz im verglasten Rundbau Am Kurpark 1, wo sie unter anderem die OP-Planung organisiert und Besprechungen der Ärzte vorbereitet. „Ich bin hier aber auch Ansprechpartnerin für die Patienten.“ Sie hat miterlebt, wie die Unternehmensgruppe mit den Jahren unaufhörlich weiter und weiter gewachsen ist. Eine solche dynamische Entwicklung fordere auch von den Beschäftigen viel Einsatz, sagt die 57-Jährige: „Ich habe die Kliniken dabei als modernes, vor allem aber vorausschauendes Unternehmen kennengelernt - ein toller Arbeitgeber.“

 Rückblick: Nach dem Abriss des Kurhauses wurde 1974 an gleicher Stelle das heutige Herzzentrum - anfangs noch schlicht Kurklinik, seit 1978 dann Rehabilitationszentrum - errichtet. „Die heutige geschäftsführende Gesellschafterin Marlies Borchert war damals bereits mit an Bord und verantwortete das Personalmanagement“, erklärt Sprecher Robert Quentin. 1990 übernahmen sie und Prof. Wolfgang Humann als gleichberechtigte Gesellschafter das Unternehmen, aus dem ein Jahr später offiziell die Segeberger Kliniken GmbH wurde.

 1994 entstand am Hamdorfer Weg das Neurologische Zentrum für damals über 30 Millionen D-Mark. Insbesondere durch die Übernahme des Südholstein Klinikums - des einstigen Kreiskrankenhauses - und die Eröffnung eines Klinik-Hotels kurz nach der Jahrtausendwende entwickelten sich die Segeberger Kliniken zum Gesundheitskonzern mit regelmäßigen Millionen-Investitionen, zuletzt 2012 in das kommunalpolitisch lange umstrittene Bettenhaus der Klinik für Psychosomatische Medizin am Großen Segeberger See. „Dennoch ist das Unternehmen bis heute familiengeführt“, betont Quentin - mit Marlies Borchert an der Spitze und jüngeren Verwandten an verschiedenen Stellen.

 Das wichtigste Kapital eines Krankenhauses sind allerdings die Patienten. Rund 39000 durchlaufen pro Jahr die Häuser und Abteilungen. Für manche von ihnen ist die Umgebung schon richtig vertraut: „Ich habe alle meine fünf Kinder hier zur Welt gebracht“, berichtet Ulrike Steinau aus Trappenkamp. Sie sind inzwischen 26, 24, 19, 17 und 7 Jahre alt. Nach den vielen guten Erfahrungen mit Ärzten und Schwestern in der Vergangenheit sei es für sie klar gewesen, auch einen nun erforderlichen operativen Eingriff in Bad Segeberg vornehmen zu lassen. Davon erholt sich die 47-Jährige derzeit in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, einer von sechs Fachkliniken an der Krankenhausstraße 2. „Ich fühle mich hier bestens aufgehoben“, versichert sie der SZ. Vor allem die Schwestern auf ihrer Station seien „supernett“, ein Arzt immer schnell greifbar.

 Solches Lob von Patienten erfreut natürlich auch die Chefärzte. Einer von ihnen ist der 44 Jahre alte Dr. Robert Keller, der seit 2008 die Klinik für Chirurgie im AK leitet. Fünf Ober- und zehn Assistenzärzte gehören zu seinem Team, das außer bestimmten Operationen am Herzen (sie werden im Herzzentrum vorgenommen) die komplette Bandbreite chirurgischer Eingriffe abdeckt.

 Als ihn der Ruf aus Bad Segeberg ereilte, war Dr. Keller noch Oberarzt an der Lübecker Uni-Klinik. Den letzten Ausschlag für die Segeberger Kliniken habe am Ende aber kein Kollege gegeben, sondern seine Frau, erzählt der Mediziner, der in Warder lebt, der SZ. „Sie war hier früher mal als Krankenschwester beschäftigt und hat mir sofort zugeraten.“ Doch auch die persönlichen Kontakte zu den bereits amtierenden Chefärzten hätten ihn zum Wechsel bewogen.

 Am Freitag Abend soll der Klinikalltag aber kurz einmal vergessen und ganz groß gefeiert werden. Zum 40. Geburtstag werden im Vitalia Seehotel über 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen erwartet, darunter Ministerpräsident Torsten Albig. Für den musikalischen Rahmen sorgt dabei Sänger Stefan Gwildis.