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Segeberg Viele Kitas lassen Zähne nicht putzen
Lokales Segeberg Viele Kitas lassen Zähne nicht putzen
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09:53 09.08.2019
Von Gerrit Sponholz
Zahnbürsten in einer Kita. Eine Untersuchung des Kreises in Segeberger Kindergärten zeigt: Nur die Hälfte lässt die Kinder Zähne putzen. Und viele Kinder haben Karies, die behandelt werden muss. Quelle: Tobias Hase/dpa
Kreis Segeberg

Von 5248 geprüften Jungen und Mädchen waren 691 betroffen (13 Prozent). 79 Prozent der Kinder haben ein „naturgesundes“ Gebiss, also ohne aktive Karies und ohne Füllung, das ermittelte die Fachabteilung der Kreisverwaltung in einer eineinhalbjährigen Untersuchung. 

Besonders gesund waren die Gebisse bei Kita-Kindern in Ellerau, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen-Land, vergleichsweise schlecht in Wahlstedt, Bad Segeberg und Kaltenkirchen.

Zuckerhaltige Getränke und Snacks sind Ursache

Allein in Bad Segeberg müssten sich 21 Prozent der Kita-Kinder dringend einer zahnärztlichen Behandlung unterziehen, in Kaltenkirchen 20 Prozent. In Ellerau sind es nur fünf Prozent. 

In der Kleinkindphase lösen zuckerhaltige Getränke die Karies aus, später sind es Zwischensnacks, die eine Rolle spielen. Die Zahnärzte des Kreises warnen, dass die Kinder bei Gebissproblemen nicht nur körperlich leiden: „Die Auswirkungen sind umfassend: Sprachprobleme, Mobbing und Ausgrenzung.“ 

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Bei einer Umfrage unter 111 Segeberger Kitas zeigte sich, dass die meisten Wasser und ungesüßten Tee zur Verfügung stellen. Gemüse und Obst gibt es in fast jeder Kita. Allerdings bringen viele Kinder auch vieles selbst mit, dann oft Ungesundes wie Saftschorlen, Obst-Quetschies und gesüßten Tee. „Ein Drittel der Kitas berichten, dass Kinder schokoladenhaltige Lebensmittel oder Schokoladiges dabei haben.“ 

Je zuckerfreier die Kitas ihren Vormittag gestalten, desto besser waren die Kindergebisse. 

Hälfte der Kitas putzt keine Zähne

Mit der Zahnhygiene ist es nicht weit her. 50 Prozent der Kitas lassen die Kinder die Zähne nicht putzen. Die Begründungen der Kitas: Zu zeitaufwändig, kein Platz. 29 Prozent meinten zudem, die Kinder zum Zähneputzen anzuhalten, sei nicht die Aufgabe der Kitas.

Die Kreisexperten sehen dies anders. Wichtig sei regelmäßiges Zähneputzen nicht nur, um die Zähne zu reinigen, sondern auch für „die Gewohnheitsbildung als übergeordnetem Ziel. Zähneputzen wird zum Bestandteil des Alltags.“

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Was den Experten auffiel: Wenn Vereine und Privatinitiativen die Kitas führen, ist es um die Zahngesundheit der Kinder besser bestellt als bei Kitas unter der Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden. 

Die Zahnfachleute des Kreises fordern, das Zähneputzen konsequent in den Kita-Alltag zu integrieren. Viele Kitas würden ihre Bedeutung für die Zahngesundheit der Kinder unterschätzen. Den Kitas messen sie eine wichtige Erziehungsbedeutung bei. „Die Kita kann bewusste und unbewusste Gesundheitsentscheidungen für den gesamten Lebenslauf beeinflussen.“

Kreis will Kitas genauer kontrollieren

Denn viele Eltern sind damit überfordert. Laut bundesweiter Studien falle es 54 Prozent der Bevölkerung schwer, gesundheitsförderlich zu leben. Gefährdet seien vor allem Familien mit geringem Bildungsgrad, in Armut, mit Migrationshintergrund und mit geringer Gesundheitskompetenz. 

Profitieren würden von einer Besserung in den Kitas fast alle Kinder. 98,7 Prozent aller Jungen und Mädchen zwischen drei und sechseinhalb Jahren werden dort betreut. Bei den Unter-Dreijährigen sind es 38,9 Prozent. 

Der Kreis will die Kitas künftig genauer kontrollieren. Jene mit hohem Anteil an behandlungsbedürftigen Kindern sollen jährlich besucht werden, Kitas mit vielen gesunden Kindern maximal alle zwei Jahre. Geworben werden soll für zuckerfreie Ernährung in den Kitas, ohne Saftschorlen, Süßigkeiten und Fertigprodukte. Anhaltspunkte für bessere Ernährung soll eine Positivliste bieten. Tageseltern, Hebammen und Krabbelgruppenleiter sollen geschult werden. 

Im Kreisjugendhilfeausschuss wurde dafür plädiert, die Kita-Leitungen dazu zu motivieren, mehr auf die Zahngesundheit der Kinder zu achten, sagt Vorsitzender Holger Pohlmann. Diese Arbeit in Kitas habe zuletzt tendenziell abgenommen. Wichtig sei vor allem, dass das zweimalige Zähneputzen am Tag zur Routine werde. Der SPD-Politiker und ehemalige Bürgermeister in Lentföhrden kennt die Problematik auch aus seiner früheren Arbeit im Jugendamt und als Leiter des Sozialamtes Neumünster. „Ein schlechtes Gebiss kann Probleme beim Sprechen bereiten.“ 

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