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Segeberg Der Blick der Frauen wird benötigt
Lokales Segeberg Der Blick der Frauen wird benötigt
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11:36 29.01.2019
Von Sylvana Lublow
Sabine Schaefer-Maniezki ist seit 25 Jahren Gleichstellungsbeauftragte in Kaltenkirchen. Quelle: Sylvana Lublow
Kaltenkirchen

Statt mit einer Vollzeitstelle arbeitet Schaefer-Maniezki nun weiter mit 19,5 Wochenstunden. Wie es ihr nach der Entscheidung geht und warum ihrer Meinung nach noch viel zu tun ist in Sachen Gleichstellung, erzählt die 61-Jährige im Interview. 

Wie geht es Ihnen nach der Entscheidung im Dezember?

Sabine Schaefer-Maniezki: Nicht so gut. Ich merke, dass ich ziemlich unmotiviert bin, mache „Dienst nach Vorschrift“. Ich habe seit der Entscheidung noch stärker das Gefühl, dass meine Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Ich werde mir eine Supervision nehmen, um meine professionelle Distanz wieder zu bekommen und zu meiner Motivation zurückzufinden.

Der Bürgermeister vertritt ja die Auffassung, dass eine Gleichstellung erreicht ist, weil gleich viele Frauen und Männer bei der Stadt beschäftigt sind. Wie sehen Sie das?

Ich sehe keinen Anlass, so etwas zu behaupten. Da müssen wir uns nur das Stellengefüge anschauen. Im niedrigen Lohnsektor arbeiten mehr Frauen, abgesehen von den Bauhofmitarbeitern, in Teilzeit sind es viel mehr Frauen als Männer. Was ich beobachtet habe, ist, dass Männer, die sich auf Teilzeitstellen bewerben, es oft nicht mal bis in die Vorstellung schaffen. Und die Politessen sind in Kaltenkirchen offenbar grundsätzlich weiblich, dabei ist das auch ein wirklich harter Job. Aber auch wenn es Bewerbungen von Männern für diese Stelle gibt, werden immer nur Frauen zu den Vorstellungsgesprächen eingeladen. Es gibt also noch so einiges, das getan und wo drauf geguckt werden muss.

Warum reichen 19,5 Stunden in der Woche nicht?

Ich kann viele Themen und Projekte nicht so ausführlich machen, wie ich es meiner Meinung nach sollte. Zunächst einmal sollte ich alle Vorlagen für die Sitzungen lesen und an möglichst vielen Fachausschusssitzungen teilnehmen. Das schaffe ich nicht, es geht nur punktuell. Mit mehr Zeit könnte ich verschiedene Themen mehr intensivieren. 

Zum Beispiel?

Geschlechtsspezifische Gesundheit wäre ein Thema, das ich zwar schon bearbeitet habe, aber noch nicht ausreichend. Ich würde auch gerne untersuchen, ob Gewalt gegen Männer ein Thema in Kaltenkirchen ist. und dann gegebenenfalls überlegen, welche Schritte getan werden müssen. Außerdem möchte ich Männer dazu ermutigen, ihre Vaterrolle stärker wahrzunehmen und gucken, welche Hemmnisse Männer haben, Elternzeit für sich zu beanspruchen, und sie dabei unterstützen und diese dann abzubauen. Aber dafür habe ich mit dieser Stundenzahl keine Kapazität. Es gibt auch diverse Gedenk- und Aktionstage, an denen ich mich aus Zeitgründen nur zum Bruchteil beteiligen kann. 

Was ist denn mit dem Punkt „Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“? Dazu hatten Sie doch auch mal etwas gemacht.

Dazu habe ich 2013 zwei Reihen veranstaltet, die großen Zulauf hatten, und auch in den letzten zwei Jahren vor der Kommunalwahl 2018 wieder. Mit Referentinnen haben wir die Frauen darüber informiert, was im Einzelnen auf sie zukommt, wenn sie sich in der Kommunalpolitik engagieren, in den verschiedenen Ausschüssen zum Beispiel.

Sie sind ja auch Kommunalpolitikerin in ihrem Wohnort Quickborn und im Pinneberger Kreistag. Wie wichtig ist es, dass mehr Frauen mitmischen?

Sehr wichtig, unbedingt nötig! Frauen haben einen anderen Blick auf das gesellschaftliche Zusammenleben als Männer. Dieser Blick wird benötigt, ob es ums Bauen geht, ÖPNV, die Schulen oder die Kultur. Wie viele Frauen sich tatsächlich engagieren, liegt an den Parteien, das ist sehr unterschiedlich. Bei den Grünen gilt grundsätzlich 50/50. Bei einigen Parteien sieht das ganz anders aus. 

Bildungs- und Sozialausschüsse, da findet man die Frauen häufiger als im Bau- oder Finanzausschuss. Woran liegt das ihrer Meinung nach?

Es kann schon sein, dass das primäre Interesse da liegt, wo sich Frauen besser auskennen und sie sich engagieren möchten. Frauen engagieren sich gerne für etwas, von dem sie auch wirklich Ahnung haben. Männer meinen, sie haben von allem eine Ahnung (lacht). Frauen überlegen genau: Welcher Zeitaufwand steht dahinter, um welche Themen geht es, was sollte ich wissen, was recherchieren, kann ich das? Sie sind auch selbstkritischer als Männer. Wichtig ist aber auch, dass Frauen nicht nur in den Ausschüssen sitzen, sondern dass sie auch den Mund aufmachen.

Haben denn die Frauen in der Kaltenkirchener Stadtvertretung ihren Mund aufgemacht, als es um Ihre Stundenerhöhung ging?

Es gab zwei Wortmeldungen von Stadtvertreterinnen zu dem Tagesordnungspunkt. Ansonsten waren alle Frauen stumm. Mehrheitlich haben Männer darüber diskutiert, wie es um die Umsetzung der Gleichstellung in Kaltenkirchen steht. 

Wollen Sie gegen die Entscheidung angehen?

Ich denke noch darüber nach, welches ein sinnvoller Weg ist. 

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