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Segeberg Großes Interesse an Energie-Projekt
Lokales Segeberg Großes Interesse an Energie-Projekt
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18:12 23.08.2018
Großes Interesse zeigten die Menschen in Traventhal an dem Energie-Projekt, mehr als 120 kamen zur Einwohnerinformation. Quelle: Klaus J. Harm
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Traventhal

Die Idee eines Energieparks gab es in Traventhal bereits 2016, dann aber strich das Land die Windenergievorrangflächen. Also entwickelte die Firma Lorica das System der "Sektorenkoppelung".

So soll die Sektorenkoppelung funktionieren

An der Grenze zur Nachbargemeinde Klein Gladebrügge sollen westlich der Kreisstraße Solarthermie-Module aufgestellt werden. Dort wird im Gegensatz zu den Fotovoltaik-Anlagen kein Strom, sondern heißes Wasser erzeugt – vor allem im Sommer. Das Heißwasser wird in ein riesiges Speicherbecken geleitet. Die Größe ist abhängig von der Anzahl der Nutzer. Ein Becken auf der dänischen Insel Aeroe für 8500 Einwohner misst 100 mal 100 Meter und ist 16 Meter tief. „Diese Größenordnung ist notwendig, damit die im Sommer erzeugte Wärme bis in den Winter reicht“, erläuterte Holbein. 

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Wird im Herbst die Sonneneinstrahlung weniger, kommt das zweite Standbein der Anlage zum Einsatz: die Strohenergieanlage. Durch den Einsatz von Tiefsee-Bakterien unter hohem Druck wird das Stroh vergärt, erklärt Hobein. Die erzeugte Wärme soll direkt an die Endkunden in Traventhal, Klein Gladebrügge, Altengörs und das südliche Segeberg mit dem Industriegebieten rund um die Rosenstraße abgegeben werden, überschüssige Wärme werde ins Speicherbecken geleitet.

Das ganze Jahr über erzeugen bis zu sieben Windkraftanlagen (WKA), die an der Tegelbek, an der Grenze zu Altengörs und Mielsdorf aufgestellt werden sollen, Strom, der zur Zeit noch in das öffentliche Netz abgegeben werden muss.

Bei dieser „Sektorenkoppelungsanlage“ werden also Stroh, Sonne und Windenergie genutzt, um Wärme und Strom zu erzeugen. Als Abfall entsteht lediglich die Trockenmasse aus dem vergorenen Stroh, die einen guten landwirtschaftlichen Dünger darstellen soll.

Ohne Windkraftanlagen keine Sektorenkoppelung

Obwohl Traventhal auch im neuen Regionalplan nicht als Windenergievorranggebiet verzeichnet ist, erfüllten die vorgesehenen Flächen die Bedingungen für den Bau von WKA, betonte Stefan Hobein. Aber auch ohne diese Vorrangfläche wäre ein Bau dort möglich, wenn die Gemeinde Flächennutzungsplan und Bebauungsplan rechtzeitig erstelle, denn für Sektorenkoppelungsanlagen gäbe es Sonderregelungen. Den Aufstellungsbeschluss hierfür hatte die Gemeinde auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Ohne Windenergieanalgen jedoch, das machte Hobein deutlich, wäre das Projekt nicht möglich.

Die Bürger interessierte, was sie von einer solchen Anlage hätten. Neben dem guten Gewissen, vollständig von regenerativen Energien versorgt zu werden, könnten alle Nutzer mit weniger als 5 Cent pro Kilowattstunde mit Energie versorgt werden, sagte Hobein.

Bis zum Bau aber ist es ein weiter Weg. Die Pläne müssen öffentlich ausgelegt, Bürger- und Behördenbeteiligung abgewartet werden, Umweltverbände angehört und jede Menge Gutachten erstellt werden.

Von Klaus J. Harm

22.08.2018
Jann Roolfs 22.08.2018
Einar Behn 22.08.2018