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Segeberg Gustav-Böhm-Siedlung wird abgerissen
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16:37 03.12.2019
Von Michael Stamp
Die Wohnhäuser in der "Gustav-Böhm-Siedlung" in der Bad Segeberger Südstadt sollen zwischen 2021 und 2026 abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Quelle: Michael Stamp
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Die Skepsis stand einigen Zuhörern bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses im WortOrt ins Gesicht geschrieben. Einige von ihnen wohnen seit Jahren oder Jahrzehnten in der Siedlung zwischen Ostlandstraße und Kuhkamp. Das Besondere: Jede der acht Häuserreihen hat einen eigenen Straßennamen – benannt in alphabetischer Reihenfolge: Eggershorst, Eichkamp, Gänsekamp, Heischkamp, Kattberg, Rugenberg, Steensbrock und Vogtkamp.

Amerikaner finanzierten den Wohnungsbau

Die Häuser sind kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in aller Eile hochgezogen worden. Das Geld dafür stammte aus dem European Recovery Program, einem US-amerikanischen Finanztopf zum Wiederaufbau Europas. Daher wird die Fläche auch als „ERP-Siedlung“ bezeichnet. 

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In jenen Tagen ging es ausschließlich darum, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. „Bad Segeberg hat nach dem Zweiten Weltkrieg über 6000 Flüchtlinge aufgenommen“, schildert Bauamtsleiterin Antje Langethal. Doch heute entsprechen die Sozialwohnungen mit einer Durchschnittsgröße von 42 Quadratmetern im Zuschnitt und in der Bausubstanz nur noch bescheidensten Ansprüchen – auch, wenn man die extrem niedrige Miete von 5,14 Euro pro Quadratmeter berücksichtigt. Normalweise liegt sie zwischen 8,50 und 9 Euro, wie Dr. Ulrik Schlenz vom Vorstand der Baugenossenschaft im Bauausschuss sagte.

Wankendorfer investierte 200 Millionen Euro in Sanierungen

Dort stellte er das Großprojekt vor. „Bad Segeberg gehört zu unseren Kerngebieten“, betonte Schlenz. Die Wankendorfer verfüge über 691 eigene Wohnungen und noch einmal so viele, die von ihr betreut werden. Bei der ERP-Siedlung habe man sich intensive Gedanken über eine Sanierung gemacht. Die Genossenschaft investiere stark in ihre Wohnungen – allein in den Vorjahren rund 200 Millionen Euro.

Doch bei den ERP-Häusern funktioniere das nicht. „Die Gebäude sind deutlich in die Jahre gekommen“, sagte Schlenz. Ein Grundriss mit einem Schlafzimmer, das man nur mit Durchqueren des Wohnzimmers erreichen kann, sei nicht mehr gefragt. Die Raumhöhe sei mit 2,30 Metern zu niedrig, die Dächer seien ungedämmt und die Fassaden voller Algen. Auch Feuchtigkeit und Schimmel werden beobachtet. Balkone und Terrassen fehlen völlig. Eine Instandsetzung lohne sich schlichtweg nicht. Mit ihr könnte man zwar Fassade und Dach verbessern, aber nicht den Zuschnitt der Wohnungen.

Genossenschaft will "geordneten Rückbau" der Häuser

In einem Brief an Bürgermeister Dieter Schönfeld strebt die Wankendorfer einen „geordneten Rückbau“ an – sprich: Die Häuserzeilen werden Stück für Stück abgerissen. Im Ausschuss versuchte Schlenz, den anwesenden Anwohnern die ärgsten Sorgen zu nehmen. „Was wir da vorhaben, ist ein geordnetes und geübtes Verfahren. Das geht die Sorgfalt vor der Eile.“

Die Genossenschaft will jedem einzelnen Mieter helfen, eine neue Wohnung zu bekommen. Wer möchte, könne hinterher in die neuen Häuser zurückkehren , aber erfahrungsgemäß leben sich viele Menschen zwischenzeitlich anderswo ein. Wer in der neuen „Gustav-Böhm-Siedlung“ wohnen will, zahlt ab 5,95 Euro pro Quadratmeter. Schlenz: „Die Steigerung ist überschaubar – bei einem völlig anderen Standard.“

Ausschuss gibt grünes Licht für Pläne

Ausschussvorsitzender Wolfgang Tödt (BBS) lobte die Bemühungen der Baugenossenschaft: „Wir alle hier im Ausschuss wissen, was wir an der Wankendorfer haben.“ Volker Stender (CDU) drängte darauf, dass alle Mieter einer Sozialwohnung auch künftig solch günstigen Wohnraum erhalten. Schlenz sagte zu, dass mindestens 30 Prozent der neuen Wohnungen in die günstigste Kategorie fallen. 

Der Ausschuss schob den Bebauungsplan einstimmig an. Jetzt ist am Dienstag, 10. Dezember, ab 18.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses die Stadtvertretung gefragt.  

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