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Segeberg 90 Jahre und immer noch fit
Lokales Segeberg 90 Jahre und immer noch fit
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16:33 05.11.2018
Von Sylvana Lublow
Nicht die vier von der Tankstelle sondern vor dem Krausen Baum: Jubilar Harry Blödorn (zweiter von rechts), Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe (zweiter von links) sowie seine Söhne Lutz (rechts) und Dirk Blödorn. Quelle: Sylvana Lublow
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Kaltenkirchen

Blödorn engagierte sich in der Kaltenkirchener Turnerschaft (KT), war fast 40 Jahre lang Mitglied im Schützenverein, dem er zeitweise auch vorstand, und führte beruflich 25 Jahre lang die Aral-Tankstelle in der Hamburger Straße. „Da hatte ich 14-Stunden-Tage. Außerdem habe ich geraucht, 80 Zigaretten am Tag“, erzählt er. Mit Ende 40 habe er dieses Laster aber abgelegt. „Von einem Tag auf den anderen.“

Auch Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe kam zum Gratulieren und übergab ihm eine Urkunde und einen Blumenstrauß: „Deine langjährige Arbeit im Ehrenamt trägt Früchte“, lobte er den Jubilar.

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Blödorn kümmert sich um seine demenzkranke Frau

Heute ist Harry Blödorn gesundheitlich fit, lediglich das Hören wird etwas schwieriger. „Ich kenne keinen Arzt und keine Schmerzen“, sagt er. Seit fast drei Jahren lebt er zusammen mit seiner Frau Inge im Seniorenzentrum, allerdings in einer Wohnung im Bereich Betreutes Wohnen. „Mein Vater kann hier viele Dinge nutzen, aber auch autark bleiben. Er kocht und macht auch die Wäsche immer noch allein“, sagt sein Sohn.

Aber vor allem kümmert sich Harry Blödorn um seine Frau Inge, die seit einigen Jahren demenzkrank ist. „Ich mache das gerne, so lange es geht, soll sie bei mir bleiben“, sagt Blödorn. Seine Frau ist mittlerweile zu 100 Prozent dement, erkennt niemanden mehr, kann sich an nichts erinnern. „Ein Leben ohne Erinnerungen ist schlimm“, sagt Harry Blödorn, „ich kann sie nie alleine lassen.“

Seit 50 Jahren liest er die Segeberger Zeitung

Dadurch ist sein Leben einsamer geworden: „Die Unterhaltungen fehlen mir“, sagt der 90-Jährige. Fast jeden Tag kocht er für seine Frau, bringt sie ins Bett, hilft ihr beim Ankleiden. „Mit 88 Jahren habe ich gelernt, Kartoffeln zu schälen“, erzählt er mit einem Lächeln.

Doch Harry Blödorn hadert nicht mit seinem Schicksal. „Das Leben hat sich gelohnt“, sagt er. Zusammen mit seiner Frau hat er im Ruhestand die Welt bereist, „und auch Deutschland“. Erst vor drei Jahren haben sie das Reisen eingestellt, da habe er dann auch seinen 30 Jahre alten Mercedes abgegeben.

Sein Sohn Lutz ist sich sicher: „2023 treffen wir uns wieder alle und feiern Papas 95.“ Gesundheitlich spricht bei Harry Blödorn nichts dagegen: „Ich brauche noch nicht mal eine Brille, aber ich lese sowieso nur noch die Segeberger Zeitung, und das seit 50 Jahren.“

Nicole Scholmann 05.11.2018
Uwe Straehler-Pohl 04.11.2018
Gudrun Ehlers 04.11.2018