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Segeberg Werner-Rennen 1988: Goile Paadie!
Lokales Segeberg Werner-Rennen 1988: Goile Paadie!
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16:42 04.04.2017
Von Norbert Rochna
Der Tipp kam von der Polizei: "Schlagt euch in die Büsche. Morgen früh geht´s vielleicht weiter", rieten einige Ordnungshüter am Freitag abend vielen Werner-Fans, die seit Stunden in den Staus rund um Hartenholm festsaßen. Gesagt getan: Auf Wiesen und Waldlichtungen wimmelte es nur so von zelten, Motorrädern und Autos. Quelle: Kai-Uwe Drews
Hasenmoor

 Wir haben die Comics geliebt und gelebt: „Tass Kaff“, „Flasch Bier“ gingen so locker über die Lippen wie „Bescheeeiiiid“ und „Hau wech“. Und dann fand das Werner-Rennen aus dem Comic auch noch bei uns sozusagen um die Ecke auf dem Flugplatz Hartenholm statt – der Hauptgewinn! Die Eintrittskarte hängt heute noch an der Pinnwand.

Die letzte Schulstunde hatten wir geschwänzt, um einen guten Zeltplatz zu bekommen, möglichst dicht am Festivalgelände. Wir schafften es nur in die Randlage der großen Koppel genau gegenüber dem Flugplatz. Aber am nächsten Morgen waren wir mittendrin. Über Nacht hatte das Campinggelände ungeahnte Dimensionen angenommen. Und schnell war klar: Das wird etwas ganz Besonderes. 100000 Tickets waren verkauft, 200000 Menschen kamen. Die Veranstalter bauten unter dem Druck der anreisenden Massen die Kassen und Zäune ab, gaben das Festivalgelände frei. Im Pressezelt hing eine Ticker-Meldung der Polizei: „Aus dem Elbtunnel kommen nur noch Motorräder“.

Friedlich-fröhliche Fete mit hohem Bierfaktor

Auf dem Areal herrschte friedlich-fröhlich Anarchie, eine einzige, ausgelassene Fete. Das Programm mit Motorrad-Stunt-Show, Open-Air-Kino, Live-Acts von Eisi Gulp, BAP, Roger Chapman, einem (gelungenen) Weltrekordsprung eines Flens-Lasters über 27 Motorräder und natürlich dem Rennen wurde fast zur Nebensache. Der Biernachschub musste organisiert werden. Geschäfte der Umgebung waren leer geräumt, die Hartenholmer boten über den Gartenzaun Getränke, Feuerholz und belegte Brötchen an. Zum Verkaufsschlager wurden kleine Holzbrettchen zum Unterlegen, damit die Motorräder auf den Kuhkoppeln nicht umkippten.

Verkehrschaos auf allen Straßen

Wer sich mit einem Fahrzeug auf die Straße wagte, saß schnell fest. Nichts ging mehr auf der Bundesstraße 206. Meine Fotofilme gelangten nur über Wald- und Feldwege in die Redaktion. Ein Segen war der Toilettenwagen am Pressezelt, der uns halbwegs annehmbare hygienische Verhältnisse bot. Auf dem Festival-Areal lagen da schon viele Dixi-Klos auf der Seite. Unvergessen sind mir auch die Werner-Fans, die in den Tannenspitzen schaukelten, um das Rennen besser sehen zu können – und herunterpurzelten, wenn die Wipfel wieder in die Senkrechte schnellten.

Hier finden Sie die Bilder vom legendären "Werner-Rennen" in Hartenholm im Jahr 1988.

Nach drei Tagen mit viel Bier, wenig Schlaf und noch weniger Waschmöglichkeiten war dann die Luft raus. „Flasch Bier?“ – „Ich kann es nicht mehr hören! Das heißt: Möchtest Du eine Flasche Bier!“ – „Ach was, hau wech.“ Mit meiner Ente machten wir uns auf den Heimweg, eingereiht in eine Karawane, im Schritttempo Müllbergen und Betrunkenen ausweichend – und mit der letzten Bierflasche in der Hand.

Der Autor war 1988 noch freier Mitarbeiter und schrieb über das Rennen seine erste große Reportage. Heute arbeitet Norbert Rochna als Redakteur der Segeberger Zeitung.

Sie waren auch dabei und haben Fotos gemacht? Laden Sie Ihre Bilder unter www.kn-online.de/dasrennen hoch.

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