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Segeberg Die traurige Reise zurück nach Aleppo
Lokales Segeberg Die traurige Reise zurück nach Aleppo
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10:01 02.12.2019
Von Birgit Panten
Einige Stunden mussten Kholoud Alali (links) und ihre Mutter von Aleppo aus fahren, um an das Mittelmeer zu kommen. Sie und ihre Mutter genossen ebenso wie der Rest der Familie ein paar erholsame Stunden am Strand. Quelle: Privat
Hartenholm

Es flossen Tränen der Freude, der Trauer, der Wut oder des bitteren Abschiedes. Die 33-jährige Kholoud Alali (33) besuchte nach acht Jahren der Trennung erstmals ihre Eltern im syrischen Aleppo. Von Hartenholm aus machte sie sich mit dem Sohn Majed (5) auf die lange Reise über Jordanien auf in die zerstörte Stadt, die sie kurz nach ihrer Hochzeit mit Yasser Alkasem verlassen hatte. Er hatte damals als Mechaniker einen guten Job in Jordanien gefunden.

Von der Nachbarin als Braut ausgesucht

Eine Nachbarin hatte die 17-jährige Kholoud als Braut für ihren Sohn Yasser, damals 24, auserkoren. Die Verbindung passte. Eine Familie wurde gegründet, für die Geburt der ersten Tochter Hasna 2004 reiste die werdende Mutter zurück, damit das erste Enkelkind in der Heimat der Großeltern geboren werden konnte. In Aleppo war die junge Frau in ihrer Familie mit vier Schwestern und einem Bruder aufgewachsen. In Jordanien wurden die Töchter Layan, Lujen und auch der erste Sohn Majed geboren. Bei seiner Geburt 2014 ging es der Familien im Nachbarstaat schon nicht mehr so gut. Der Ehemann verlor seine Arbeit, es wurde ihm nicht erlaubt, sich selbstständig oder einen Führerschein zu machen.

Eigene Wohnung von Bomben zerstört

Im Heimatland hatte der IS mittlerweile Einzug gehalten, syrische Soldaten kämpften gegen eigene Bürger, die mehr Freiheiten genießen wollten. Es herrschte Krieg. In Aleppo machten Bombenteppiche 2014 ganze Häuserzeilen dem Erdboden gleich. Die eigene Wohnung, die sie nach der Hochzeit erworben hatten, war betroffen, die der Eltern ebenso. Diese siedelten zur Großmutter um. Eine Tochter blieb bei ihnen, drei flüchteten in die Türkei, der Sohn nach Deutschland. Die Familie verkaufte Hab und Gut, damit auch Yasser Alkasem ein neues Zuhause für die Familie in Deutschland suchen sollte. Über die Türkei und den Balkan kam er mit der großen Flüchtlingswelle 2015 über ein Camp in Neumünster in den Robinienhof nach Hartenholm. 14 Monate war die Familie getrennt, bis ein Nachzug möglich wurde.

Warmer Empfang in Hartenholm

In Hartenholm wurde die Familie von der örtlichen Helfergruppe warm empfangen. Möbel, Hausrat, Kleidung und Wäsche wurden gespendet, um ihnen ein Zuhause einzurichten. Das Eigentum der Familie bestand aus acht Taschen mit dem Notwendigsten, das sie hatten mitnehmen können. „Ohne Hilfe hätten wir es nicht schaffen können“, sagen Eltern und Kinder übereinstimmend. Mehr als dankbar sind sie für die Ruhe und Sicherheit, die sie im Dorf gefunden haben. „Die Leute hier sind sehr höflich und hilfsbereit“, sagen sie und freuen sich, dass der zweijährige Jad schon in Deutschland geboren wurde. "Vor uns braucht niemand Angst zu haben", sagt die junge Mutter, wenn sie auf ihr Kopftuch angesprochen wird.

Sehnsucht nach ihren Eltern

Mit Angst jedoch ist Kholoud Alali in die alte Heimat geflogen, aber die Sehnsucht nach den Eltern war so groß, dass Geld gespart wurde für den Flug. „Leider konnten nicht alle mit“, erzählt die junge Frau . Ihr Entsetzen war groß, als sie erstmals wieder durch ihre Heimatstadt fuhr. Vor dem Krieg war Aleppo im Norden Syriens eine Stadt mit mehr als zwei Millionen Einwohnern (2011). Der Ortskern ist Unesco Weltkulturerbe. Die Stadt an der Seidenstraße galt nicht nur als Kulturhochburg, sondern war auch bekannt für Kunsthandwerk und die Seifen aus Olivenöl. Selbst heute soll es noch 60 kleine Seifensiedereien geben, die das Pflegemittel seit Jahrhunderten nach gleichem Rezept herstellen.

In Aleppo ist das Leben zu teuer

2014 war nach schweren Bombenangriffen 80 Prozent der Altstadt zerstört, die Hälfte der Bewohner geflohen. Ein Besuch in der ehemaligen Wohnung zeigt schwere Beschädigungen. Kholoud Alali und ihr Vater besichtigten die Einschusslöcher, zerstörte Decken, geplünderte Räume. Zwischen Möbelresten fanden sie einige Geschirrteile, ein altes Foto von Yasser Alkasem oder einen Babysitz. „Wir können das niemals wiederaufbauen“, ist sich die jetzige Hartenholmerin sicher. Das Leben in Aleppo sei mittlerweile so teuer, dass die Menschen sich kaum die Nahrung leisten könnten. Oft ist es nur ein Mitglied der Familie, dass regelmäßig einen Verdienst mit nach Hause bringt.

Ständig Angst ums Leben der Kinder

Trotzdem versuchen die verbliebenen Menschen in den Resten der Stadt Handel und Werkstätten zu betreiben, Kinder zu unterrichten oder Kranke zu pflegen. Sie aber hätte hier ständig Angst um das Leben ihrer Kinder, sagt Kholoud Alali. Auch die zehnjährige Lujen kann sich nach Bildern und Filmen ein Leben dort nicht vorstellen. An der Hartenholmer Schule hat sie Freundinnen, sie geht zum Sport oder mit den Geschwistern zum Spielplatz. Sie spricht fließend Deutsch. Die älteren Schwestern Hasna und Layan erinnern sich gern an ihr Leben in Jordanien. Aber sie wollen nach ihrem Schulabschluss gern einen Beruf in Deutschland lernen.

Der Vater wäre gern Mechaniker

Natürlich gibt es Wünsche in der Familie. Mechaniker Yasser möchte unbedingt Arbeit haben. Seine Deutschkenntnisse sind allerdings noch zu schlecht. Mutter Kholoud lernt durch Ehrenamtler und mit ihren Töchtern. Wenn der Jüngste im Kindergarten ist, möchte auch sie gern arbeiten. Ordnung, Ehrlichkeit und den Respekt gegenüber Menschen, die ihre Heimat verloren haben - das mögen sie an den Deutschen. Probleme bereiten ihnen nur die komplizierte Sprache und die deutsche Bürokratie, sagt das Ehepaar.

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