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Segeberg Bramstedts Bürgermeister herrschte auf Island
Lokales Segeberg Bramstedts Bürgermeister herrschte auf Island
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16:54 08.01.2020
Von Einar Behn
Caspar Faget ist der Urenkel des isländischen Gouverneurs. Er wirkte als Kirchspielvogt in Bramstedt und stiftete den Altar in der Maria-Magdalenen-Kirche. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Heute ist so etwas nicht mehr vorstellbar, aber im 16. Jahrhundert war es durchaus Usus, dass die Könige ihre treu gesonnenen Untergebenen mit lukrativen Posten ausstatteten. Einen solchen bekam Dirick Vaget, „Borgimeister“ von Bramstedt, als der dänische König ihn zum Gouverneur von Island ernannte. Heimathistoriker Jan-Uwe Schadendorf hat das beim Durchforsten des Internets herausgefunden und nun im Heimatkundlichen Jahrbuch 2019 veröffentlicht, das Ende letzten Jahres erschienen ist.

Das Heimatkundliche Jahrbuch 2019

Das Heimatkundliche Jahrbuch für den Kreis Segeberg wird einmal jährlich vom Heimatverein des Kreises Segeberg herausgeben. Darin werden eingesandte Texte zu historischen Themen aus dem Kreis Segeberg veröffentlicht. Sie müssen immer bis zum 1. Juni eingegangen sein, das Buch erscheint dann jeweils zum Jahresende. In dem neuen Jahrbuch 2019 sind 13 Aufsätze illustriert mit Fotos veröffentlicht. Die Themen sind vielfältig. Ulrich Bärwald beschreibt beispielsweise „Weihnachten 1945“, Ute Dwinger die „Stauwiesen bei Schmalfeld“, die es noch bis in die 1950er Jahre gab, und Dr. Gerhard Braas berichtet über den Gedenkpfad zur NS-Gewaltherrschaft in der Kaltenkirchener Heide. Das Buch ist im Handel für 16 Euro erhältlich, ISBN: 978-3-00-064308-8.

Der Name Vaget – was ins heutige Deutsch übersetzt Vogt heißt – ist in Bad Bramstedt durchaus noch ein bekannter Name. Im Altar der Maria-Magdalenen-Kirche findet sich der Name „Caspar Faget“, in einem Kirchenfenster „Jürgen Faget“. Einen Duden gab es im 16. Jahrhundert noch nicht, sodass auch niemand darüber wachte, ob nun „F“ oder „V“ am Namensanfang richtig war. Jürgen und Caspar waren Kirchspielvögte in Bramstedt und die Nachkommen von Dirick Vaget, eben jenem Gouverneur von Island.

Bad Bramstedt gehörte im 16. Jahrhundert zu Dänemark

Aber der Reihe nach: Bramstedt gehörte damals zu Dänemark, Dirick war für den dänischen König Christian II. in den dänisch-schwedischen Krieg gezogen. 1520 nahm er mit weiteren Gefolgsleuten des dänischen Königs die Unterwerfung der Schweden in Uppsala entgegen. Thronfolger Friedrich I. zeigte sich bei Dirick erkenntlich. Er bekam Land in Bramstedt geschenkt, dass der dänischen Krone gehört. Zusammengefasst mit eigenen Ländereien, die er durch Heirat bekommen hatte, gründete er das Gut Bramstedt. Wie das Gutshaus damals ausgesehen hat, ist unbekannt. „Im Dreißigjährigen Krieg wurde alles zerstört“, weiß Schadendorf. Das heutige Schloss genannte Marstallgebäude wurde erst kurz vor Kriegsende um 1647 von König Christian IV. gebaut. 

Ehemaliger Großbauer wurde Gouverneur von Island

Soweit war auch bisher schon alles bekannt. Doch Schadendorf fand heraus, dass der König den Bramstedter, der übrigens keiner Landadelsfamilie entstammte, sondern nur ein Großbauer war, nicht nur mit Land, sondern auch mit einem sicherlich lukrativen Amt versah: Den Gouverneursposten über das damals dänische Island. Fünf Jahre, von 1529 bis 1534, hatte er dieses Amt inne.

Das Internet macht es möglich, dass solche Geschichtsereignisse heute wiederentdeckt werden. Schadendorf durchforstet regelmäßig die englisch-sprachige Plattform „archive.org“. Auf dieser nicht-kommerziell betriebenen Seite laden Geschichtsinteressierte gescannte historische Bücher und Urkunden hoch. Per Suchbegriffe kann die Plattform durchstöbert werden. Schadendorf stieß dabei auf alte isländische und dänische Texte, in denen ein „Dirick Vaget tho Bramstede“ auftaucht. „Ich habe die Texte mit Google übersetzen lassen, eine ziemlich mühselige Angelegenheit“, so Schadendorf. Aber es gelang. So fand er in einer alten Quelle auch den Text der Urkunde, mit der der Bramstedter zum Gouverneur ernannte wurde. Er bekam die Urkunde am 12. April 1529 in „gnädiger Zuneigung“ für seine „getreuen angenehmen Dienste.“ 

Wie andere von Schadendorf aufgestöberte Quellen ergeben, nahm Dirick das Amt zeitweilig persönlich wahr, zeitweilig auch durch einen Statthalter. „Die Seefahrt nach Island war beschwerlich und daneben hatte er auch noch ein Gut mit 15 Hufen, also Bauernhöfen, zu verwalten“, so Schadendorf

Bad Bramstedter Dirick Vaget billigte Tötung von 15 Engländern

Gouverneur von Island war nicht irgendein Versorgungsposten. Die Insel im Nordatlantik war wegen des Fisch- und Fellhandels von hoher Bedeutung für die Dänen. Auseinandersetzungen, auch mit den Hansestädten wurden mit „harten Bandagen geführt“, wie Schadendorf im Heimatkundlichen Jahrbuch schreibt. Ernst Baasch gab darüber auch schon in seinem 1889 verfassten Buch „Die Islandfahrt der Deutschen“ Auskunft. Bei Reykjavik hatten Hamburger und Bremer Kaufleute schlafende Engländer überfallen, weil sie den dort gekauften Stockfisch für sich reklamierten. 15 Engländer wurden getötet, deren Schiff stark beschädigt. Dirick Vaget war offenbar eingeweiht und hatte den Überfall der Hansestädte toleriert. Die Engländer hätten die ganze Fischerei an sich gerissen, wird der Gouverneur in dem Buch zitiert. Dass es dabei Tote gegeben habe, „läge in der Natur der Sache.“ 

Prozess blieb folgenlos

Dennoch kommt es 1533 zu einer Gerichtsverhandlung in Segeberg, die aber für die Hanseaten folgenlos bleibt. Man gelobte nur, künftig auf solche Gewaltakte zu verzichten.

Dirick Vaget zieht sich auf sein Gut zurück. 1536 stirbt seine Frau Anna und hinterlässt die gemeinsamen Kinder Christopher und Jürgen. Dirick heiratet noch einmal, stirbt aber schon bald darauf im Jahr 1538. Seine Nachkommen werden zu großzügigen Spendern der Kirche. Jürgen Vaget stiftete 1567 das Kirchenfenster, das noch heute erhalten ist. Urenkel Caspar stiftete 1625 sogar den Altar.

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