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Segeberg Heimspiel: Lesung im Schloss
Lokales Segeberg Heimspiel: Lesung im Schloss
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05:50 27.05.2013
Von Uwe Straehler-Pohl
Schlange standen die Gäste im Schloss, um ein Exemplar der Biografie von Arved Fuchs (links) und Bernhard-Michael Domberg signieren zu lassen, so auch Martina Geewe-Meisner.
Bad Bramstedt

Arved Fuchs hatte es sich nicht nehmen lassen, bei der Lesung dabei zu sein. Der Schlosssaal war mit mehr als 100 Zuhörern fast ausgebucht.

 Mehr als zwei Jahre hatte Domberg im Bekannten- und Verwandtenkreis von Arved Fuchs recherchiert, Weggefährten interviewt und die 17 von Fuchs verfassten Bücher gelesen, um die erste Biografie über Arved Fuchs entstehen zu lassen.

 Es ist ein Werk geworden, das auf 420 Seiten ein Bild von dem Menschen Fuchs zeigt, angefangen bei der frühesten Kindheit in Bad Bramstedt über die nicht allzu rühmliche schulische Karriere und die ersten abenteuerlichen Fernreisen in einem klapprigen VW-Bus bis hin zu einem der gefährlichsten Unternehmen, der Wiederholung der Shackleton-Expedition von 1916 durch die Eishölle von South Georgia.

 Von der Mutter bis zum Abenteurer Rüdiger Nehberg hatte Domberg viele Menschen interviewt, die Fuchs nahe stehen. Dadurch bekommt das Buch eine persönliche Note. Dabei gerät das Spannende im Leben des Abenteurers aber nicht ins Hintertreffen. Außerdem zeigt die Biografie, dass Fuchs, der anfangs sowohl von Mitmenschen als auch von der Presse als ein wenig spinnert eingeschätzt wurde, sehr wohl wusste, was er nicht will: sein Leben lang in einem warmen Büro, einer Arztpraxis oder vielleicht als Lehrer seinen Unterhalt zu verdienen. Statt dessen sein Antrieb: die Neugier auf Kontinente, deren Bewohner und Geschichte sowie frühere Expeditionen, insbesondere in die kältesten Regionen dieser Welt.

 Das Buch allein ist schon spannend. Durch die Anwesenheit von Fuchs wurde der Abend authentischer, weil Fuchs immer wieder Passagen kommentierte, oft sehr humorvoll. So unterstrich er, wie wenig ihn die Schule eigentlich - ausgenommen wenige Ausnahmen wie der Sportunterricht - gepackt hatte. „Ich wurde zu Hause zum Freigeist erzogen und habe die Schule immer als sehr autoritäres System empfunden“, erinnerte er sich. So ist es auch nicht überraschend, dass er mit den meisten Lehrern über Kreuz lag, Nachteile in Kauf nehmend.

 Zu den Anekdoten gehörte es, wie Fuchs einem Expeditionsteilnehmer einen Zahn ziehen musste, der dann auch noch an der Wurzel abbrach. Später hat er sich bei einem Zahnarzt eine Einweisung geben lassen und entsprechendes Behandlungssteck beschafft. Allerdings fehlt es an praktischer Erfahrung: „Leider stellen sich keine Übungsobjekte zur Verfügung“, meinte Fuchs zur Erheiterung der Zuhörerinnen und Zuhörer.

 Fuchs machte deutlich, was ihm sehr am Herzen liegt - insbesondere der Klimawandel, den er als Praktiker seit Jahren dort verfolgt, wo das Eis schon lange nicht mehr so ewig ist, wie es einmal zu sein schien, in der Arktis. Auch Jugendliche für dieses Thema zu sensibilisieren und sich für den Klimaschutz aktiv einzusetzen, ist ihm seit Jahren ein Anliegen. Als ein Verdienst, an dem er großen Anteil hat, zählen internationale Klimacamps, bei denen er seit 2007 Jugendliche begleitet.

 Fuchs’ Erinnerungen an die Querung des antarktischen Kontinents zum Südpol zusammen mit dem Südtiroler Reinhold Messner zeigten ganz den sachlichen Profi. Zwar war die Expedition - 2800 Kilometer in 92 Tagen zu Fuß und auf Skiern - ein Erfolg. Doch menschlich hat es mit den beiden absolut nicht gestimmt, weil Fuchs in Messners öffentlicher Darstellung schlecht wegkam. „Wir waren genug Profi, um zu wissen, dass wir diese Expedition nur gemeinsam schaffen können. Seitdem gibt es aber keinerlei Kontakt mehr“, kommentierte Fuchs ohne Bitternis.

 Einige der Gäste kennen Fuchs schon seit Jahrzehnten, viele Bramstedter nehmen ihn als Mitbürger ohne Star-Allüren wahr. Die Lesung dürfte ihnen Fuchs menschlich noch näher gebracht haben, als einer von ihnen. Er hat nur einen anderen, außergewöhnlichen Beruf - nicht mehr und nicht weniger.