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Segeberg Hickhack um die Tablets
Lokales Segeberg Hickhack um die Tablets
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18:23 25.06.2019
Von Sylvana Lublow
Ein ausgedruckter städtischer Haushalt kostet etwa 15 Euro – Geld, das durch Tablet-PCs eingespart werden kann. Quelle: Frank Peter
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Kaltenkirchen

Dass Tablets, sprich papierlose Gremienarbeit, jetzt auch in die Kaltenkirchener Kommunalpolitik Einzug halten sollen, ist beschlossen. Welches Produkt es wird, soll eine öffentliche Ausschreibung entscheiden. Doch schon in der jüngsten Hauptausschusssitzung bahnten sich neue Diskussionsfelder an. Die CDU-Fraktion plädierte dafür, die Tablets auch privat nutzen zu dürfen. Im Hauptausschuss gewannen sie damit keine Mehrheit, es kam zum Patt. 

Mehrheit gegen private Nutzung

Also wurde flugs noch ein Antrag in die Stadtvertretung eingereicht. Die Begründung war nachvollziehbar: Sollte die Nutzung nur für die Gremienarbeit eingerichtet werden, können andere wichtige und hilfreiche Apps nicht installiert werden. Die Gegner der privaten Nutzung gaben Sicherheitsrisiken zu bedenken. Auch wenn die Kollegen zum Beispiel im Kreistag diese angeblichen Risiken eingehen und ihre Tablets auch privat nutzen dürfen, stand die Kaltenkirchener CDU mit ihrem Antrag ziemlich allein da. Die Mehrheit stimmte für ausschließliche Gremienarbeitsnutzung. 

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Doch damit nicht genug. Auch Pro-Kaki hatte Bedenken, wenn auch anderer Art, und reichte einen Antrag ein. Die Wählergemeinschaft befand, dass die zwölfköpfige frisch gewählte Jugendstadtvertretung keine zwölf Tablet-PCs benötige. Drei würden auch reichen. Damit könnte ordentlich Geld eingespart werden, so die Begründung. „Wir sehen die Jugendstadtvertretung als Gruppe und sind zu einer sparsamen Haushaltsführung verpflichtet“, sagte Thies Rickert von Pro-Kaki. Übrigens: Auch der anwesende Jugendstadtvertreter Benjamin Bruske befand es für nötig, die Tablets für eine produktivere Arbeit privat freischalten zu lassen, er hat aber kein Stimmrecht. 

Jugendstadtvertretung benötigt 12 Tablets

Doch Pro-Kaki stieß auf wenig Gegenliebe mit ihrem Vorstoß. Bürgermeister Hanno Krause sagte, die Verwaltung wolle zu ihrem Versprechen stehen und die gesamte Truppe mit Tablets eindecken. „Es war schwer genug, Jugendliche zu finden, die sich engagieren wollen. Wenn wir sie mit Tablets ausstatten, ist es eine Art Anerkennung und auch eine Motivation“, so Krause. Benjamin Bruske wies noch darauf hin, dass sich die Jugendlichen aufgeteilt hätten, um die Sitzungen zu besuchen, und es mit nur drei Tablets schwierig wäre. „Für uns können auch kleinere Tablets angeschafft werden, die sind günstiger. Die Tablets sind aber notwendig für eine effektivere Arbeit“, so Bruske. Auch wenn Rickert es noch mal versuchte mit „das ist ein Armutszeugnis, wenn die Jugendstadtvertretung zwölf Tablets zur Motivation braucht“, scheiterte der Pro-Kaki-Antrag. Nur die zwei AfD-Vertreter waren auf ihrer Seite, alle anderen Fraktionen gönnten den Jugendlichen die zwölf Tablets für ihre Arbeit. 

AfD stellt Anschaffung an sich in Frage

Wer denkt, damit seien die Diskussionen um die Tablet-Anschaffung abgeschlossen, irrt. Julian Flak, AfD-Stadtvertreter, versuchte das Thema noch mal von ganz unten aufzurollen: „Wer in diesem Raum braucht denn überhaupt ein Tablet, wer würde eins haben wollen?“ Es hätte doch ohnehin jeder einen Laptop, ein Tablet oder Smartphone, so Flak, der sich die seiner Meinung nach „angeblichen Einsparungen“ gleich zwei Mal von Hanno Krause vorrechnen ließ. Außerdem machte er klar: „Ich werde mir kein Apple-Produkt ins Haus holen!“

Krause rechnete vor, dass an Papier und Druckerkosten pro Jahr 60 000 Euro eingespart werden. Für die Anschaffung von rund 70 12-Zoll-Tablets inklusive der benötigten Software hat die Stadt 89 000 Euro bereitgestellt.

"Diskussion nicht mehr zeitgemäß"

„Bei diesen Zahlen muss ich Sie fast bitten, die städtischen Tablets anzunehmen“, so Krause. Letztendlich werde jedoch jeder gefragt, ob er oder sie ein Tablet benötigt. Einige Stadtvertreter haben ja bereits eines aus dem Kreistag. „Niemand wird gezwungen. Doch es erleichtert Ihre Arbeit und somit auch unsere. Schon allein dadurch rechnet es sich“, sagte Krause weiter. 

Wenn auch viele der Stadtvertreter sich an den Diskussionen rund um die Tablet-PCs beteiligt hatten, konnten einige andere dieses Hickhack nicht verstehen. Ein Machtwort sprach am Ende Kim Markus Bähr von der SPD: „Das ist alles kleinkariert. Die Papierberge kosten auch viel Geld und das sparen wir ein. Die Diskussionen sind nicht mehr zeitgemäß.“

Einar Behn 25.06.2019
Nicole Scholmann 25.06.2019
Markus Weber 25.06.2019