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Segeberg IG Osterau enttäuscht: So hatten wir uns Naturschutz nicht vorgestellt
Lokales Segeberg IG Osterau enttäuscht: So hatten wir uns Naturschutz nicht vorgestellt
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21:00 15.11.2011

Die Osterau ist eines der wenigen Fließgewässer, die noch in weiten Teilen einem natürlichen Lauf folgen. In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik wurden Flüsse im Sinne der Landwirtschaft begradigt und kanalisiert. Sie sollten schnell fließen und möglichst wenig Platz wegnehmen. Je grader der Fluß, desto größer die landwirtschaftliche Fläche, lautete das Credo. „Wir haben uns immer dagegen gesperrt“, sagt Dr. Walter Fürst aus Heidmühlen, dem große Ländereien gehören. Die Osterau durfte sich weiter natürlich durch die Landschaft schlängeln.

Die EU erkannte den ökologischen Wert der Au, die von Heidmühlen bis Bad Bramstedt fließt, und erklärte sie zum Flora-Fauna-Habitat. Seit 2002 laufen Bemühungen, sie auch nach Landesrecht unter Naturschutz zu stellen. 2004 plante die damals SPD-geführte Landesregierung, die Osterauniederung per Verordnung zu schützen und sie ökologisch weiter aufzuwerten. Beispielsweise sollte der Wasserspiegel angehoben werden, um Überschwemmungswiesen zu schaffen. Der Protest folgte prompt, auch vom Wildpark Eekholt, sonst ein Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Der inzwischen verstorbene Parkbesitzer Dr. h.c. Hans-Heinrich Hatlapa fürchtete, Tiergehege räumen zu müssen, wenn der Wasserspiegel der durch den Park fließenden Osterau steigt. Die Anlieger bildeten die Interessengemeinschaft Osterautal und konnten schließlich bewirken, dass der Vertragsnaturschutz angewendet werden soll. Darauf hin gründete sich das Bündnis Osterautal, dem auch die Interessengemeinschaft beitrat, mit ihr auch Naturschutzverbände, der Bauernverband, die Gemeinden Bimöhlen, Großenaspe und Heidmühlen sowie die Stiftung Aktion Kulturland mit Sitz in Hamburg. Das Bündnis beauftragte ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung von Maßnahmen, die das Gebiet ökologisch aufwerten sollen. Allerdings, so zumindest die Auffassung der Landbesitzer, sollte dies in enger Zusammenarbeit mit den Bündnismitgliedern geschehen. Heraus kam ein Managementplan, der zur Grundlage für Verträge mit dem Land Schleswig-Holstein werden soll. Nur: Die Landeigentümer seien zu keinem Zeitpunkt in die Erarbeitung des Managementplanes einbezogen worden, noch sei ihre nachträgliche Kritik daran erwünscht, kritisiert die IG Osterautal.

Walter Fürst hält den Plan für fachlich unzureichend. Da seien Leute am Werk gewesen, die sich mit den örtlichen Gegebenheiten nicht auskennen. Auf seinem Land in der Gemarkung Rodenbek bei Heidmühlen sei ein kleines Gehölz mit Eichen und Buchen, kein öffentlich zugänglicher Wald, als Auwald eingestuft worden, weil dort ein kleiner Bach fließe. „Das war noch nie ein natürlicher Auwald“, sagt er. Die Bäume seien angepflanzt worden. Die Folge: Der Privatwald darf, wenn der Managementplan verwirklicht wird, nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden. Während der Auslegungsfrist des Planes legte Fürst Einspruch ein - erfolglos: „Wir wurden abgebügelt wie dumme Schuljungen“, erbost er sich. „Dabei waren doch wir, die Landbesitzer, diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass die Osterau in einem solch schützenswerten Zustand ist“, sagt Fürst.

Ein anderes Beispiel: Zwischen der Gemarkung Halloher Gehege und der Osterauniederung soll in einen Wald eine Schneise geschlagen werden, damit Kreuzottern hier einen Lebensraum finden. Jürgen Juds, Schriftführer im Vorstand der Interessengemeinschaft hält dagegen, im Halloher Gehege gebe es ausreichend Heideflächen für die einzige norddeutsche Giftschlange. „Woanders wird aufgeforstet und hier soll Wald beseitigt werden“, schimpft der Heidmühler.

Den von der Landesregierung angebotenen Vertragsnaturschutz habe er anders verstanden, sagt Juds. Ihnen sei versprochen worden, an der Gestaltung mitzuwirken und nicht einfach nur einen fertigen Plan vorgelegt zu bekommen. Er und die Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Helga von Kameke, Landbesitzerin in Großenaspe, erhoffen sich nun Beistand von Landtagsabgeordneten. Zu einer Vorstandssitzung im Wildpark Eekholt hatten sie am Dienstag den agrarpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Günther Hildebrand, und die FDP-Wahlkreisabgeordnete Katharina Loedige aus Kaltenkirchen eingeladen. Die beiden Politiker versicherten, im Umweltministerium zu klären, welche Bedeutung dem Managementplan dort eingeräumt werde. Am Donnerstag, 24. November, kommt die gesamte Interessengemeinschaft in der Grundschule Großenaspe (19.30 Uhr) zusammen. Hildebrand will dort berichten, was er in Kiel in Erfahrung bringen konnte.

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