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Segeberg Textil-Seller schließt nach 99 Jahren
Lokales Segeberg Textil-Seller schließt nach 99 Jahren
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13:48 05.10.2019
Von Uwe Straehler-Pohl
Bevor Textil-Seller gänzlich abgewickelt ist, ist noch sehr viel Arbeit zu erledigen, bei der Markus Strickstrock seine Mutter Ute tatkräftig unterstützt. Quelle: Uwe Straehler-Pohl
Bad Bramstedt

Ute Strickstrock, geborene Seller, und ihr Ehemann Peter führen das Geschäft im Landweg schon in dritter Generation. Doch richtig Wehmut war bei Ute Strickstrock so kurz vor der Geschäftsaufgabe nicht zu spüren. „Wir gehen mit zwei lachenden Augen und sagen, dass es gut so ist“, sagte die 64-Jährige, die sich darauf freut, sich mit Ehemann Peter (66) künftig mehr den Enkelkindern widmen zu können.

Textil-Seller 1920 vom Großvater gegründet

1920 gründete Großvater Johannes Seller das Geschäft. Er war eigentlich Sattler und verkaufte anfangs Stoffe. „Damals wurde noch alles selbst oder von einem Schneider genäht“, erklärte Ute Strickstrock. Ab circa 1930 wurde die Firma zum Konfektionsgeschäft. Doch auch da war das Sortiment noch überschaubar. „Es gab Berufsbekleidung. Außerdem für die Herren die gute Hose und weiße Hemden. Die Damen hatten ein Sonntagskleid und trugen in der Woche ihre Kittelschürze“, so die Geschäftsinhaberin. 

Nach dem Krieg das volle Sortiment bei Textil-Seller

1949 übernahm ihr aus dem Krieg zurückgekehrte Vater Carl Fritz mit ihrer Mutter Ursula das Geschäft und bauten das Sortiment weiter aus. „Als mein Mann und ich es 1980 übernahmen, war es ein Vollsortierer. Neben Bekleidung für Erwachsene und Kinder wurden Heimtextilien wie Tischdecken, Wolldecken und Handtücher, dazu Betten und Gardinen sowie Teppichböden angeboten, blickt Ute Strickstrock zurück. 

Dodenhof war ein Einschnitt für Textil-Seller

„Nachdem wir das Geschäft 1980 übernommen hatten, haben wir das Sortiment Damen- und Herrenbekleidung, Heimtextilien und Berufsbekleidung reduziert“, so Strickstrock. Ein Einschnitt war die Eröffnung des Modehauses Dodenhof in Kaltenkirchen. Durch die neue Konkurrenz wurde es schwieriger Anzüge, Mäntel und Kostüme zu verkaufen. „Wir haben im Wesentlichen dann speziell Unterwäsche und Mieder verkauft. Und die Nachfrage hielt bis jetzt an“, so die Geschäftsfrau. 

„Wie haben sehr viele Stammkunden gehabt, die unsere Beratung und den Service geschätzt haben“, sagt Ute Strickstrock. Deshalb habe sich das Geschäft solange halten können. Zu dem Rundumservice zählte beispielsweise auch, dass sie Bewohner von Altenheimen mit ihrer Ware versorgt hat. Über die Jahre habe sie gewusst, welche Größe und auch welcher finanzielle Rahmen für die Kundschaft in Frage kam, erklärt sie. 

Der Kundenkontakt war das Schönste am Beruf bei Textil-Seller

Insgesamt sei für sie der Kundenkontakt das schönste an ihrem Beruf gewesen, bliebt sie zurück. „Wir haben ja nicht nur verkauft, sondern waren auch manches Mal Seelsorger.“ Zu wissen, was die Kunden wollen und brauchen und ihre Namen zu kennen, sei ihr wichtig gewesen. „Einige Kunden haben mir in den letzten Tagen weinend gegenübergestanden. Das ist hier eben wie eine große Familie gewesen.“ Kundin Bärbel Spietczak aus Fuhlendorf bestätigt das. Sie habe immer wieder einmal spontan mit ihrer Schwiegermutter bei Seller hereingeschaut. „Das Schließen des Geschäftes wird in Bad Bramstedt ein Loch reißen“, bedauert sie. Und sie bedeutet für Ute Strickstrock auch, Abschied zu nehmen von ihrer langjährigen Mitarbeiterin Sylke Bornemann, was die Firmenchefin besonders bedauert. 

Einen Nachfolger für Textil-Seller gibt es nicht

Um einen Nachfolger hätten sie sich nicht bemüht, so Strickstrock. Sohn Markus (39) ist in einer anderen Branche tätig. „Wir wollten auch nur so lange machen, wie es uns Spaß bringt und nicht mit langen Gesichtern hier stehen.“ Nun sei der richtige Zeitpunkt für die Geschäftsaufgabe gekommen. Das Haus sei bereits verkauft. Was daraus werden soll, wisse sie nicht. Sie könnten aber über dem Laden noch solange wohnen bleiben, bis ein neues Heim in der Nähe ihres Sohnes mit Frau und Enkelkindern in der Nähe von Kiel gefunden ist. Und dann, sagt Ute Strickstock steht erst einmal nur noch Ruhe auf dem Programm. 

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