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Segeberg Das Leben im Kibbuz von Harksheide
Lokales Segeberg Das Leben im Kibbuz von Harksheide
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10:46 05.08.2019
Von Nicole Scholmann
Auf dem Brüderhof lernten die Juden auch das Torfstechen und die Arbeit in der Landwirtschaft. Quelle: Sammlung Bußenius
Norderstedt

Der Brüderhof in Harksheide, damals noch ein Dorf direkt an der Grenze zum Ortsteil Rhen, wurde in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg ein Ort der Hoffnung für etwa 200 Juden. Sie lernten dort, sich auf ein neues Leben in Palästina vorzubereiten. Sieghard Bußenius hat sich in den 80er Jahren intensiv mit der Geschichte der jüdischen Ausbildungsstätte beschäftigt. Der Sozialpädagoge und Diakon des Rauhen Hauses hat tief in den Archiven geblättert und bis vor wenigen Jahren auch noch Kontakt zu ehemaligen Bewohnern des Brüderhofes, der sich auf Norderstedter Gemeindegebiet befand, unterhalten. Mittlerweile dürften alle Juden, die sich damals auf ihre Ausreise vorbereitet hatten, gestorben sein, schätzt Bußenius.

Kibbuz von Zionisten betrieben

„Der Brüderhof wurde von der zionistischen Jugendorganisation Hechaluz unterhalten“, berichtet Bußenius. Es habe in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zwei verschiedene Meinungen innerhalb der jüdischen Menschen in Deutschland gegeben. Die einen konnten sich nicht vorstellen, dass sie es in ihrem Heimatland Deutschland jemals so schwer haben könnten, und die anderen, die genau dies befürchteten.

Unterricht in Theorie und Praxis

Auf dem Kibbuz Brüderhof erhielten diejenigen, die rechtzeitig und freiwillig das Land verlassen wollten, theoretischen und praktischen Unterricht. Aus allen Teilen des damaligen Deutschen Reiches waren Juden nach Harksheide gekommen. „Die Nationalsozialisten haben die Ausbildung auf dem Brüderhof geduldet“, weiß Bußenius. Schließlich sei es den Nazis ja gut gelegen gekommen, dass Menschen jüdischen Glaubens freiwillig Deutschland verlassen wollten. Die Ausbildungsstätte sei ein gewisser Schutzraum gewesen – auch wenn bereits zu der Zeit vor vielen Läden und Gehöften Schilder mit judenfeindlichen Aussagen gestanden hätten. 

Juden lernten das Arbeiten in der Landwirtschaft

Auf dem Brüderhof lernten die Bewohner unter anderem Torfstechen und die Viehwirtschaft. „Die Juden sind gut behandelt und verpflegt worden“, sagt Bußenius. Diese Rückmeldungen habe er von ehemaligen Bewohnern erhalten, die in Palästina eine neue Heimat gefunden hatten. Immer gut 30 Menschen gleichzeitig waren beschäftigt. Neben der Praxis wurde ihnen auch die Theorie gelehrt, beispielsweise Landeskunde über Palästina, Hebräisch und jüdische Traditionen. Denn nicht bei allen Bewohnern handelte es sich um praktizierende Juden, wie Bußenius herausgefunden hat.

Kaum Kontakte zu Nachbarn

Auf dem Hof gab es Nutztiere wie Schweine, Pferde, Kühe und Schafe, die versorgt werden mussten, außerdem gehörte ein kleines Torfwerk dazu, das bewirtschaftet wurde. Für die Juden sei damals die landwirtschaftliche Arbeit vielfach Neuland gewesen. Kontakt zu Menschen der Umgebung habe es so gut wie nicht gegeben, die Juden seien unter sich geblieben. Wenn sie zur Bushaltestelle gingen, so Bußenius, hätten sie einen Feldweg benutzt, der im Volksmund schnell „Judenweg“ genannt worden sei. 

Mit Zug und Schiff nach Palästina

Nach der Ausbildung konnten die Teilnehmer ein Einreise-Zertifikat für Palästina beantragen. Die Reise in die neue Heimat führte zunächst mit dem Zug zum italienischen Hafen Triest und von dort mit dem Schiff weiter. 

Die Situation in Harksheide änderte sich schlagartig, als Nazi-Deutschland mit der Reichspogromnacht im November 1938 und den darauf folgenden Monaten aktiv gegen Juden vorging. Im Mai 1939 wurde die Einrichtung aufgelöst. Der Leiter und Teilnehmer wurden verhaftet. 

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