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Segeberg Kaltenkirchen: Acker wird Energie-Feld
Lokales Segeberg Kaltenkirchen: Acker wird Energie-Feld
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17:45 23.07.2019
Von Gunnar Müller
Ähnlich wie an der Autobahngabelung A215 und 7 könnte bei Kaltenkirchen ein Solarfeld entstehen. Quelle: Sven Hoppe/dpa
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Kaltenkirchen

Fridays for Future is everywhere“, die Ökobewegung von Greta Thunberg ist überall – damit begrüßte noch vor einer Woche der Erste Stadtrat Dieter Bracke die Jugendlichen aus dem polnischen Kalisz Pomorski in Kaltenkirchen. Auch in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses ging es um Klimaschutzkonzepte, Ausgleichsflächen sowie ein Neonicotinoid-Verbot (ein aggressives Insektizid). Und um den Aufbau einer großen Photovoltaik-Anlage Moorkaten westlich von Kaltenkirchen, an der Bundesautobahn 7.

Mitglieder des Ausschusses für Photovoltaik-Anlage

„Das ist für mich praktizierter Klimaschutz auf privater Ebene“, frohlockte in der Ausschusssitzung Eberhard Bohn: „Wir als FDP unterstützen das natürlich.“ Reihum begrüßten die Ausschussmitglieder das Anlagen-Konzept, das ihnen von Ole Garcia Wilke von der Energienetz-Genossenschaft Hamburg und Philipp Thölken vom Energieversorger Naturstrom vorgestellt wurde. Auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten, 19.057 Quadratmeter großen Fläche – unterhalb des angedachten Motocross-Trainingsgeländes gelegen – planen die Investoren den Bau und Betrieb einer Freiflächen-Photovoltaik-Anlage, wie es sie etwa an der Gabelung von A7 und A 215 in Richtung Kiel bereits gibt. Parallel diskutierten die Ausschussmitglieder so erst einen Flächennutzungsplan sowie den entsprechenden Aufstellungsbeschluss eines Bebauungsplans für das Gebiet „westlich der A7 und nördlich der Alvesloher Straße, Flurstück 6/11 der Flur 20“, wie es in der Vorlage heißt. Für den Flächennutzungsplan wurden 5.000 Euro angesetzt, für die Planungskosten 20.000 Euro, die vertraglich von den Investoren erstattet würden.

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Photovoltaik für Bürgerstrom

Seit mehr als 20 Jahren habe sich der Versorger Naturstrom zu 100 Prozent Ökostrom verschrieben, erläuterte Thölken. Etwas kürzer ist die der Hamburger Genossenschaft, der Bürger und die Stadt Hamburg angehören, im Geschäft. „Gemeinsam haben wir mit Naturstrom ein Unternehmen gegründet“, führte Projektmanager Wilke aus. Ein Joint Venture, das nun von Kaltenkirchen aus „sauberen Strom“ in die Netze speisen soll. „Wir haben auch schon erste Gespräche mit der Forstbehörde geführt“, so Thölken, denn die Photovoltaikanlage dürfen nur in der Mitte der Fläche stehen und müssen zu den Rändern größere Abstände einhalten: regulär bis zu 30 Meter, im Kaltenkirchener Fall gehen die Planer nach dieser Abstimmung von 20 Metern aus. Wie ein Segel mit Querstreifen könnten sich Photovoltaik-Panels in das Flächendreieck einfügen. Im ersten Schritt mit einer Nutzfläche von 0,58 Hektar, die später dann auf 0,74 Hektar erhöht werden soll. „Mit dem Eigentümer wird eine vertragliche Regelung geschlossen, die Haftung und Rückbau klärt,“ so Wilke.

Blühwiese für Insekten zwischen Photovoltaik

Zwischen den Panelen sei zudem eine niedrigwachsende Blühwiese für Insekten geplant. Die Anlage werde so ausgerichtet, dass das Blenden von Autofahrern der Autobahn ausgeschlossen sei. Läuft alles nach Plan, soll die Anlage bis zum dritten oder vierten Quartal 2020 bautechnisch realisiert und in Betrieb genommen werden.

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