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Segeberg Blühende Landschaften - auch für Bienen
Lokales Segeberg Blühende Landschaften - auch für Bienen
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06:51 13.07.2019
Von Gunnar Müller
Im Frühjahr säte Frank Thies seine. Blühwiese in Nützen aus - inzwischen kreucht und fleucht hier eine große, bunte Tier- und Pflanzenwelt. Quelle: Gunnar Müller
Nützen

Patenschaften konnten ab einer Mindestgröße von 100 Quadratmeter eingegangen werden. „Schon ab 1.000 Quadratmetern hätte ich die Idee realisiert“, erklärt Thies. Jetzt blühen hier Kamille und Senf, das blaulila-farbene Büschelschön und Sonnenblumen auf rund 25.000 Quadratmetern – das sind dreieinhalb Fußballfelder – am Rande von Nützen.

Blühwiesen bieten Nahrung und Unterschlupf

Wie ein gelbes Blütenmeer erschien noch im Mai das Senf-bedeckte Feld. Wochen später schoben sich auch Büschelschön und andere bienenfreundliche Pflanzen empor und bilden seitdem einen bunten Flickenteppich unterschiedlichster Farben. An der Seite surren Tausende Bienen, die zu ihren Stöcken wollen um ihre Pollen abzuliefern. Aus dem Feld hoppelt ein Hase, Spatzen und andere kleine Vögel fliegen in kleinen Gruppen über die Wiese, suchen dort nach kleinen Insekten. Noch weiter oben steht ein Bussard in der Luft und schießt plötzlich tief hinab. Ein Idyll, auf dem im vergangenen Jahr noch Mais in Spalierreihen stand – und Probleme mit dem Wassermangel und der Trockenheit bekam.

Bayerische Idee: Patenschaften für Blühwiesen

Irgend etwas, dachte sich damals Frank Thies, müsse man ändern. „Den Ausschlag gab Ende letzten Jahres die Petition in Bayern, die Artenvielfalt zu erhöhen.“ Eine blühende Wiese sollte entstehen, getragen auch durch Patenschaften von Bürgern oder Vereinen. „Nicht alle haben die Möglichkeit, in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon viel für Bienen bereitzustellen.“ Im April dann, als der Boden warm genug war, säte Thies zwei unterschiedliche Samenmischungen auf den Acker, die besonders für Wild- und Honigbienen und andere Insekten geeignet sind. Das ganze Jahr hindurch fangen hier nun Blumen an zu blühen, verwelken; andere wachsen wieder nach und bieten Nahrung. Aber selbst die abgestorbenen dienen als Unterschlupf – ein riesiges Insektenhotel mit Vollpension und Fünf-Sterne-Übernachtung. „Die Blühfläche wird weder gedüngt, noch mit Pflanzenschutz behandelt.“ Nur das Wetter könne er „leider, leider“ nicht beeinflussen, so Thies. Eine Bewässerung sei nicht vorgesehen.

Blühwiese: Einfach wachsen lassen

Blühwiesen sind nicht überall gleich. Saatenhersteller berücksichtigen in ihren Mischungen die vorherrschenden Gegebenheiten. Der Kreis Segeberg liegt etwa genau zwischen zwei pflanzlichen Regionen: das nordostdeutsche, das von Flensburg im Norden und Eberswalde in Brandenburg reicht und das nordwestliche Tiefland, das sich vom Norden bis nach Hannover und Emden zieht. Viele Gräser und Kräuter kommen aber in beiden Regionen gleichermaßen vor, wie verschiedene Klee-Sorten, Kornblumen oder auch Schafgarbe und Lichtnelken. Spezielle Saatgutmischungen sind im Handel erhältlich, oft reicht es aber auch für einen bienen- und insektenfreundlichen Garten, einen Teil einfach nicht mehr zu bearbeiten, sondern der Natur und den kleinen Tierchen zu überlassen.

Kritik an Blühwiesen-Idee

Die Paten hat der 35-Jährige auf Tafeln am Wiesenrand verewigt, darüber thront eine große gelb-schwarze Biene aus Holz. Thies wurde misstrauisch beäugt von Kollegen aus der Region, bekam teils wütende Anrufe aus Bayern. Dort gibt es seit einiger Zeit bereits Blühwiesen. Der Nützener Landwirt nahm pro Quadratmeter 20 Cent – im süddeutschen Raum betrage dies jedoch mehr als das doppelte. „Du machst uns die Preise kaputt“, habe er häufig zu hören bekommen. Antwortete aber immerzu stoisch, der Norden sei nicht der Süden. Für Landwirt Thies trägt sich das Projekt auch wirtschaftlich. „Toll, dass die Paten sich darauf eingelassen haben.“

Künftig weitere Blühwiesen im Kreis?

Inzwischen wollten einige weitere Landwirte Blühwiesen anbieten, auch im Kreis. Selbst Thies überlegt, im kommenden Jahr aus einer weiteren Fläche am anderen Ende Nützens einen blühenden Teppich für Bienen zu machen.

Und der Honig von der Blühwiese? Den bietet Frank Thies demnächst in seiner Milchtankstelle an.

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