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Segeberg Ohne Förderung gäbe es keinen neuen Job
Lokales Segeberg Ohne Förderung gäbe es keinen neuen Job
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12:21 05.11.2019
Von Gerrit Sponholz
Thomas Saretzki betreut mit finanzieller Hilfe des Jobcenters die Konzentrationslager-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Dort waren Ende des Zweiten Weltkrieges KZ-Häftlinge interniert und mussten für das Nazi-Regime am Flugplatz arbeiten. Viele kamen dort ums Leben. Quelle: Gerrit Sponholz
Kreis Segeberg

Die beruflichen Probleme für ihn hatten 1996 begonnen. „Aus persönlichen Gründen“ beendete er seine Arbeit bei einer großen Lebensmittelhandelskette. Zuletzt hatte er, unter anderem als Marktleiter, 15 Jahre lang für das Unternehmen in Norddeutschland gearbeitet.

Selbstständigkeit scheiterte wegen Preisdrucks

Der geborene Berliner mit Realschulabschluss und gelernte Einzelhandelskaufmann machte sich selbstständig. Er war Merchandiser, also Bindeglied zwischen Industrie und Handel. „Doch dann kam die Konkurrenz durch spezialisierte Agenturen auf“, sagt Saretzki. Er konnte preislich nicht mithalten. Seine Stundenlohn war auf wenige Euro geschrumpft. 

2003/2004 meldete er sich arbeitslos. Mit Minijobs hielt er sich über Wasser. Einen neuen Vertrag in der alten Branche gab es nicht. Die Konkurrenzunternehmen wollten ihn nicht. Da seien die Grenzen klar gezogen, sagt Saretzki. Hinzu kam: Er ist schwerbehindert. 

Anfangs Minijobs und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

Sein Interesse an Archivarbeit führte ihn zur Volkshochschule Kaltenkirchen. Er rutschte in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Über weitere Zwischenschritte kam er 2008 zur KZ-Gedenkstätte in Springhirsch. In diesem Vollzeitjob kümmert er sich, auch als Hausmeister, um die Anlage und das Besucherinformationszentrum, inklusive Führungen. 4500 Besucher kommen jedes Jahr. 

Der Trägerverein der Gedenkstätte ist froh, Saretzki zu haben und finanzieren zu können. Das gelingt mit Hilfe des Jobcenters, etwa über ein Modellprojekt, demnächst über das neue Teilhabechancengesetz. Förderungen bis zu 90 Prozent werden gewährt.

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Hilfe für Menschen mit komplexen Problemlagen

Menschen, die lange arbeitslos sind und „komplexe und verfestigte Problemlagen“ haben, sollen wieder eine Chance haben, sagt Maik Tönjes, Teamleiter Markt & Integration beim Jobcenter Segeberg.

Auch Dr. Gerhard Braas aus Kaltenkirchen vom Vorstand des Trägervereins ist froh. Ohne Förderung lasse sich die Arbeit an der Gedenkstätte nicht finanzieren. „Herr Saretzki ist die Seele der Gedenkstätte.“

Saretzki selbst ist sehr froh über die Arbeit. „Selbstverständlich macht mir das Spaß. Ich habe mir das ja selbst ausgesucht.“ Die Historie interessiert ihn, die Arbeit sei abwechslungsreich.

Jetzt vielseitigen Vollzeitjob gefunden

Die Geschichte des Geländes ist vielfältig: Erst Kaserne für Soldaten im Zweiten Weltkrieg, dann Lager für KZ-Häftlinge, die den Flugplatz für Düsenflugzeuge des Naziregimes ausbauen sollten, später Kriegsgefangenenlager und Auffanglager für Flüchtlinge.

Es gibt noch viel zu erforschen, sagt Braas. Etwa die Zeit nach Kriegsende 1945. Der Bauantrag für eine zweite Ausstellungshalle ist gestellt. Und ein Geschichtslehrpfad wird bald offiziell eingeweiht.

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