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Segeberg Tödlicher Badeunfall: Erzieherinnen hüllen sich in Schweigen
Lokales Segeberg Tödlicher Badeunfall: Erzieherinnen hüllen sich in Schweigen
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18:36 08.01.2020
Von Thomas Geyer
In der Roland Oase in Bad Bramstedt kam es zu einem Badeunfall. Ein sechsjähriger Junge starb. Jetzt stehen zwei Bademeister und drei Erzieherinnen vor Gericht. Quelle: Thomas Geyer
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Neumünster/Bad Bramstedt

Der sechsjährige Yad konnte ebenso wenig schwimmen wie seine Eltern und Geschwister. Er verstand – bis auf die Zahlen von eins bis zehn - kein Deutsch. Den Kindergarten in Bad Bramstedt besuchte er kaum länger als eine Woche. Seine Mutter (30) und sein Vater (32) sprachen ebenfalls kein Deutsch. Nach eigenen Angaben wussten sie nicht einmal, dass ihr Kind am 23. Juni 2016 an dem verhängnisvollen Ausflug ins Freibad teilnehmen sollte.

Betreuungsschlüssel hätte Sicherheit gewährleisten müssen

Seit Mittwoch nehmen die trauernden Eltern als Nebenkläger im Strafprozess gegen drei Erzieherinnen und zwei Bademeister der „Roland Oase“ in Bad Bramstedt vor dem Amtsgericht Neumünster teil. Allen fünf Angeklagten im Alter von 33 bis 64 Jahren wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor. Bei hinreichender Aufmerksamkeit hätten sie den Unfall mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindern können, so der Vorwurf. 

Die Erzieherinnen begleiteten damals gemeinsam mit einer Praktikantin 15 Kinder zwischen drei und sechs Jahren ins Freibad. Der Betreuungsschlüssel von vier Kindern pro Aufsichtsperson hätte die Sicherheit gewährleisten müssen, sagte Amtsanwältin Jana Hegeholz. Auf den irakischen Jungen, der neu in der Gruppe war, hätte man besonders achtgeben müssen. „Alle wussten, dass er der deutschen Sprache nicht mächtig war.“

Yad hätte nie ins Nichtschwimmerbecken gehen dürfen

Woher hätte der 1,21 Meter große Junge wissen sollen, dass sich das Wasser im Nichtschwimmerbecken mit jedem Schritt auf dem schräg abfallenden Boden von 80 bis 140 Zentimeter vertiefen würde? Yad, der keine Schwimmflügel trug, „hätte nie ins Nichtschwimmerbecken gehen dürfen“, so die Anklage.

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Etwa fünf Minuten habe es gedauert, bis die Erzieherinnen den Jungen vermissten. Der Liegeplatz der Kindergartengruppe lag hinter einer Hecke direkt am Beckenrand. Auch deshalb konnte Yad schnell außer Sichtweite an den Beckenrand gelangen. Zwei ältere Schüler entdeckten ihn gegen 13 Uhr in Bauchlage auf dem Wasser treibend.

Verletzten die Bademeister die Aufsichtspflicht?

Im Schwimmbereich der "Roland Oase" seien die Bademeister für die Sicherheit der Kinder verantwortlich gewesen, so die Anklage. Der 64-Jährige und sein Sohn (33) hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt. Demnach kontrollierte der Senior die technischen Anlagen, während sein Sohn ausschließlich den Schwimm- und Sprungbereich beobachtete.

Ihre Verteidiger weisen die Verantwortung für den Unfall zurück. „Die Bademeister können nicht überall hinschauen.“ Die Anwälte der Erzieherinnen gaben keine Stellungnahme ab und rieten ihren Mandantinnen zu schweigen.

Letztes Foto zeigt Yad im Schwimmbad

Das letzte Foto von Yad zeigt den Jungen inmitten einer fröhlichen Kinderschar im Schwimmbad. Die Badehose, die er auf dem Gruppenbild trägt, haben seine Eltern noch nie gesehen.

Als der Vater am Unglückstag gegen 13.45 Uhr seinen Sohn vom Kindergarten abholen will, ist die Polizei da. Der Mutter läuft ein Mädchen entgegen, das Kurdisch spricht: „Dein Kind ist tot!“, habe es gerufen.

Eltern von Yad suchen nach Antworten

„Wieso ist das passiert?“ Seit dreieinhalb Jahren suchen die Eltern nach Antworten. Nach Angaben eines Gerichtssprechers verzögerten Bemühungen der Prozessbeteiligten um eine Beendigung ohne Urteil das Verfahren.

Juristen zogen sich zu Gesprächen zurück

Auch am Mittwoch zogen sich die beteiligten Juristen zu Verständigungsgesprächen zurück. Das Ergebnis will Strafrichter Thomas Schiers bei der Fortsetzung des Prozesses am kommenden Dienstag mitteilen.

Prozess-Termine:

Der Prozess am Amtsgericht Neumünster wird fortgesetzt am  15. und 17. Januar 2020.

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