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Segeberg Bedrückend und beeindruckend
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16:18 28.01.2020
Von Sylvana Lublow
Mit Gefühl, Hingabe und starker Präsenz zeigten die Gymnasiasten ihre einstündige Performance zum Gedenken an das Grauen der Nazi-Zeit. Quelle: Sylvana Lublow
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Kaltenkirchen

Veranstalter ist der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Ebenfalls Tradition hat die Zusammenarbeit von Trägerverein und Gymnasium Kaltenkirchen: Jedes Jahr führt der Kursus „Darstellendes Spiel“ des Q2-Jahrgangs etwas zu einem selbst erarbeiteten Thema auf. Dieses Mal, zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, setzten sich die Gymnasiasten mit den Begriffen „Einigkeit, Recht und Freiheit“, den ersten Worten der deutschen Nationalhymne, auseinander.

Politprominenz im Publikum

Ihre knapp einstündige Darbietung zeigten sie vor einem großen Publikum, zu dem auch Politiker auf Kommunal-, Kreis- und Landesebene gehörten. Unter anderem waren Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld, Bad Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske und Bürgervorsteherin Annegret Missfeld dabei. Auch die Landtagsabgeordneten Ole Plambeck (CDU) und Stefan Weber (SPD) saßen im Publikum, ebenso wie der stellvertretende Landrat Kurt Barkowsky (CDU). Sabine Schäfer-Maniezki (Grüne) vertrat den Kreis Pinneberg als stellvertretende Kreispräsidentin. Gastgeber Kaltenkirchen wurde vom Bürgervorsteher Hans-Jürgen Scheiwe vertreten, Bürgermeister Hanno Krause hatte anderweitige Verpflichtungen in Kiel und Bad Segeberg

Vom Missbrauch der Begriffe

Vom ersten Moment, in dem die Schüler laut – und ein Teil von ihnen kräftig marschierend – die Bühne betraten, zogen sie das Publikum in ihren Bann. Als namenlose, schwarz gekleidete Figuren zeigten sie in Text und Bewegungen, wie die Begriffe Einigkeit, Recht und Freiheit richtig und falsch interpretiert werden, wie die Macht der Wörter von den Nazis – den damaligen und den heutigen – missbraucht wurde. 

Auf die Stimmung drückte aber vor allem eine Interpretation und Performance des Gedichts „Poem“ von Selma Meerbaum-Eisinger, eine rumänische deutschsprachige Dichterin, die als verfolgte Jüdin 1942 mit 18 Jahren in einem Zwangsarbeitslager entkräftet an Typhus starb. Ihre 57 hinterlassenen Gedichte zählen heute zur Weltliteratur und wurden unter anderem von Iris Berben vertont. In „Poem“ beschreibt Meerbaum-Eisinger ebenso eindringlich ihre Sehnsucht nach dem Leben wie ihre Todesangst: „Ich möchte leben. Ich möchte lachen und Lasten heben/ und möchte kämpfen und lieben und hassen/ und möchte den Himmel mit Händen fassen/ und möchte frei sein und atmen und schrein./ Ich will nicht sterben. Nein!/ Nein.“

Das unaussprechliche Grauen

Mit einem Berg aus Menschen, auf den ein junges Mädchen steigt und die Sätze „Hauf um Hauf sterben sie. Stehn nie auf. Nie und nie. Ich will leben“ rezitiert, skizzierten die Schüler das unaussprechliche Grauen der Vernichtungslager, aus dem es kein Entkommen gab, auch nicht für das junge Mädchen, das vom Leichenberg in den eigenen Tod springt. 

Die Schüler rezitierten auch die Rede von Adolf Hitler vor den Hitler-Jugend-Angehörigen in Reichenberg, die mit den Worten endet „... und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes leben. Und sind glücklich dabei.“ Den Begriff „Freiheit“ holten sie auch in die Gegenwart: Während die deutschen Jugendlichen Freiheit als Luxusproblem betrachten – „Es ist nicht leicht, frei zu sein“ –, riefen Flüchtlinge von einem Boot auf dem Meer treibend: „Und du klagst über zu viel Freiheit? Herzliches Beileid!“

Befreiender Applaus

Unberührt ließen diese Darbietungen wahrscheinlich niemanden, und das lag auch an der Professionalität der Darsteller. Der bedrückenden Stille im Ratssaal während der ganzen Zeit folgten am Ende ein fast schon befreiender Applaus und Standing Ovations.

Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Trägervereins, bedankte sich bei den Lehrerinnen und den Schülern mit Blumen und einer Einladung zu einem gemeinsamen Frühstück. Die KZ-Gedenkstätte Springhirsch nahm außerdem teil am Beleuchtungs-Flashmob: In ganz Deutschland wurden am Montagabend zwischen 17 und 19 Uhr die KZ-Gedenkstätten beleuchtet. Ein Bild davon zeigte Kütbach zum Schluss auf der Leinwand. 

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