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Segeberg Investitionsoffensive in Springhirsch
Lokales Segeberg Investitionsoffensive in Springhirsch
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13:00 11.07.2019
Von Sylvana Lublow
Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Trägervereins, steht vor dem damaligen Appellplatz des Lagers. Quelle: Sylvana Lublow
Kaltenkirchen

Vor ein paar Woche ist Bad Bramstedts ehemaliger Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach zum Vorsitzenden des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte gewählt worden. „Ich hatte gerade die Wahl verloren, da saß mein Vorgänger Uwe Czerwonka schon bei mir im Büro und fragte mich, ob ich nicht im Vorstand mitarbeiten wolle“, erzählt Kütbach und lacht. Er habe dann angeboten, zunächst als Beisitzer einzusteigen. „Aber diese Plätze waren alle besetzt, was ihnen fehlte, war ein neuer Kandidat für den Vorsitz.“ Nach einer gewissen Bedenkzeit habe er dann zugesagt. Mitglied im Trägerverein als offizieller Vertreter der Stadt Bad Bramstedt ist Kütbach schon seit 2001. „Da war ich aber nur aus der dritten Reihe dabei.“ Jetzt ist er der Vorsitzende. Angst vor dieser Aufgabe muss Kütbach allerdings nicht haben, „auch, wenn es große Schuhe sind, in die ich trete“. Kütbach entdecke das Ehrenamt ja nicht neu für sich. 

Land fördert Anbau mit rund 170.000 Euro

Und trotzdem beginnt die Amtszeit des neuen Vorsitzenden gleich mit einem großen Projekt: Das bestehende Gebäude soll einen Anbau erhalten. Kostenpunkt 200 000 Euro. Zum ersten Mal stellt das Land dafür Fördermittel zur Verfügung. „Das ist wirklich neu und freut uns sehr“, sagt Kütbach. Erst am vergangenen Donnerstag kam die Mitteilung vom Kulturministerium in Kiel: „Ich freue mich, dass die Regierungsfraktionen 500 000 Euro extra für bauliche Investitionen aus Impuls-Mitteln zur Verfügung gestellt haben. Damit sollen insbesondere die Gedenkstätten in Ahrensbök, Kaltenkirchen und der Flandernbunker in Kiel aufgewertet werden“, heißt es von Kulturministerin Karin Prien. Den Bewilligungsbescheid habe Springhirsch zwar noch nicht bekommen, aber Kütbach rechnet mit einer Summe von rund 170.000 Euro. Der Rest werde über Spenden generiert.

Bilder aus der KZ-Gedenkstätte Springhirsch bei Kaltenkirchen.

Neue Dauerausstellung: Umgang mit der Vergangenheit

Auch der seit dem 1. Juli fest angestellte Gedenkstättenleiter Marc Czichy ist von der Förderung des Landes begeistert. „Das ist ein Quantensprung und zeigt, dass sich die Regierung dem Thema stellt. Das war nicht immer so“, sagt der 46-jährige Historiker. Und genau Letzteres ist auch das neue Thema, dem sich der Trägerverein widmen will: Der Umgang mit der KZ-Gedenkstätte nach 1945.

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Der Anbau soll den rechten Teil des Gebäudes spiegeln. Der verglaste Eingangsbereich ist dann die Mitte des Gebäudes. Genutzt wir der Anbau für eine weitere Dauerausstellung, die den Zeitraum von 1945 bis zur Eröffnung der Gedenkstätte 2000 in den Blick nimmt. Denn diese Zeit und der Umgang mit der NS-Vergangenheit sowie mit dem historischen Ort Springhirsch sei nicht ohne Hindernisse verlaufen, so Kütbach. „Es wurde verdrängt und vergessen“, bringt es Czichy auf den Punkt. Viele Menschen hätten sich damals in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende durch das Gedenken an die Zeit des KZ-Arbeitslagers Springhirsch als KZ-Außenkommando Neuengamme angegriffen gefühlt, „auch kommunale Funktionsträger“, betont Kütbach.

Gerhard Hoch erforschte die Gedenkstätte

Dr. Gerhard Hoch hatte es sich damals zur Aufgabe gemacht, gegen das Vergessen anzugehen. Er hatte mit einer „Historischen Arbeitsgruppe“ ab Mitte der 1970er-Jahre die massive Ablehnung von vielen Einheimischen erforscht. „Er ist der Gründervater unseres Trägervereins und hat viele Erkenntnisse über die Zeit des Arbeitslagers zu Tage gefördert“, erzählt Kütbach. Hochs Buch „Kaltenkirchen unterm Hakenkreuz“ habe damals eingeschlagen, im Positiven wie im Negativen. „Viele Einheimische wollten daran nicht erinnert werden“, so Kütbach.

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Während also im rechten Flügel an die Zeit von 1944 bis 1945 erinnert wird, in der 560 KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Lebens-und Arbeitsbedingungen die Startbahn des damaligen Militärflugplatzes verlängern mussten, erinnert in Zukunft der linke Flügel an die Zeit danach – und den Umgang mit der Vergangenheit – „wie eine Brücke zur Gegenwart“, sagt Kütbach: „Heute sind Gedenkstätten Mainstream, sie sind anerkannte Träger und Bildungsträger. Hier in Springhirsch wird sehr sehr gute Arbeit auf ehrenamtlicher Ebene verrichtet, das strahlt über die Region hinaus.“ Der Trägerverein zählt 220 Mitglieder.

4500 Besucher im vergangenen Jahr

Die KZ-Gedenkstätte arbeitet mit Schulen in Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Barmstedt und Quickborn zusammen. „Das ist noch ausbaufähig“, sagt Czichy. Kütbach ist froh, dass es dank der Anschubfinanzierung der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinischer Gedenkstätten und des Landes jetzt einen hauptamtlichen Gedenkstellenleiter gibt, wenn auch nur als halbe Stelle. 

Im vergangenen Jahr kamen 4500 Besucher in die Gedenkstätte, dieses Jahr, so Kütbachs Schätzungen, werde die 5000-Marke durchbrochen. Neben hauptsächlich deutschen Besuchern kommen auch Gäste aus Dänemark, Norwegen, Schweden und sogar aus Korea und Japan nach Springhirsch. Die Gedenkstätte hat täglich geöffnet, Führungen sind auch spontan möglich. 

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