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Segeberg Meisterlicher Hochstapler mit Bechern
Lokales Segeberg Meisterlicher Hochstapler mit Bechern
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12:38 27.06.2018
Markus Maiwald ist meisterlicher Hochstapler. Quelle: Georg Grommes
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Kaltenkirchen

Das geschieht in einer so abenteuerlichen Geschwindigkeit und mit so großem Geschick, dass er mit Titeln und Anerkennungen inzwischen nahezu überschüttet wird. Als dreifacher Vizeweltmeister in seiner Altersklasse ist er zum Beispiel im April aus Orlando/USA zurückgekehrt.

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Sport Stacking nennt sich das Ganze, auf Deutsch und frei übersetzt: Becherstapeln. „Bei uns eher eine Randsportart“, erklärt der Kaltenkirchener, „in den USA aber sehr verbreitet und beliebt“. Mit zwölf speziellen Plastikbechern, den Speed Stacks, müssen möglichst schnell vorgegebene Formationen auf- und wieder abgestapelt werden.

In wenigen Sekunden steht eine Pyramide

Wie es geht, demonstriert Markus in lockerer Körperhaltung und ganz entspannt am heimischen Wohnzimmertisch. Drei blaue Becherstapel stehen bereit, ein Druck auf den Timer, in wenigen Sekunden baut der 16-Jährige dann mehrere unterschiedlich große Pyramiden auf und wieder ab.

Dreimal drei Becher, „das ist noch leicht“, lacht er, dann eine Pyramide aus drei, sechs und nochmal drei Stacks, zum Schluss die ganz große Nummer aus einem, zehn und wieder einem Becher, und sofort alles wieder zurück auf null, als wäre nichts geschehen. „Alles eine Sache der Übung“, sagt er. Mit elf hat er einen Werbespot gesehen, in dem Zeichentrickfiguren diesen Blitzsport demonstrierten. Und er wusste gleich: Das ist mein Ding.

Diese Stacks haben eine speziell beschichtete Oberfläche, rutschen auch bei schnellsten Bewegungen flüssig aufeinander, während die Außenseite griffig bleibt und ein Wegrutschen aus den Händen verhindert. Eine Lippe am oberen Rand verhindert das Klemmen der zusammengestapelten Becher, Löcher erlauben das Luftentweichen.

Stundenlanges Üben mit Youtube als Lehrer

Markus war nun nicht mehr zu bremsen. Wie’s richtig geht, ließ er sich von den Profis auf Youtube erklären. Dann: üben, immer wieder üben. Nach langen und harten Trainingsmonaten suchte er Kontakt zum Sport Stacking Team Quickborn. „Eine tolle Truppe“, sagt er begeistert, der er bis heute treu geblieben ist.

Wie erfolgreich er in den folgenden Jahren wurde, beweisen die 80 bunten Medaillen und zwölf Pokale, die er inzwischen von regionalen, deutschen und Weltmeisterschaften mit nach Hause gebracht hat. Größter Erfolg:  Bei den Weltmeisterschaften in den USA wurde er  Viertschnellster von allen 400 Teilnehmern.

Die Patentante aus den USA hat den Trip zum Turnier finanziert

Ein bisschen bedauert er, dass seine geliebte Sportart in Deutschland doch noch eher ein Schattendasein führt. Auf Weltniveau trifft man sich dagegen eher schon mal in Montreal, Seoul oder eben Orlando.

Das macht es für Markus und seine Quickborner „Becherlüfter“ nicht eben leichter. Es fehlt an Sponsoren. Die Reisen zu den Veranstaltungen sind teuer und müssen von den Aktiven selbst finanziert werden. Es sei denn, man heißt Markus Maiwald und hat eine spendable Patentante. Die hat nämlich in diesem Jahr in die Tasche gegriffen, und gemeinsam mit anderen Verwandten ihrem Patensohn den Trip zum Wettkampf in die USA ermöglicht.

Von Georg Grommes

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