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Segeberg Keine Gefahr durch Blindgänger am Schäferberg
Lokales Segeberg Keine Gefahr durch Blindgänger am Schäferberg
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06:00 14.05.2013
Von Einar Behn
Bad Bramstedt

Die SPD brachte sogar eine Komplettsperrung der Anlagen ins Gespräch. Doch in Wahlkampfzeiten wird auch viel Schaum geschlagen. Das Bauamt spricht von einer Routineuntersuchung.

 Unter den Bad Bramstedter Parteien wird zurzeit heftig diskutiert, ob der Tennenplatz am Schäferberg in einen Kunstrasenplatz umgebaut werden soll. Die alte Schlacke müsste dann entfernt werden, eine Tiefbauarbeit, bei der laut Landesverordnung stets der Kampfmittelräumdienst eingeschaltet werden muss. „Das gilt für alle Tiefbauarbeiten. Immer, wenn wir eine Leitung oder ein Kanalrohr verlegen, muss der Räumdienst angefordert werden.“

 Für Bad Bramstedt macht die Vorschrift in besonderem Maß Sinn. Am 30. Mai 1945 war es zu einer heftigen Detonation auf dem Schäferberg gekommen. Die Engländer hatten dort sichergestellte Munition der Wehrmacht gelagert, durch eine Unachtsamkeit der Soldaten explodierte das Munitionsdepot. 15 Tote gab es bei dem Unglück, die Munition flog Hunderte Meter weit und verteilte sich über die halbe Stadt. Als im letzten Jahr die Straßen Rugenbusch und Eekenbusch am Schäferberg saniert wurden, fand der Räumdienst eine Granatenhülse aus dem Zweiten Weltkrieg. In den 1990er Jahren war beim Bau eines Einfamilienhauses an der Ecke Schäferberg/Maienbaß eine Granate gefunden worden. Jan-Uwe Schadendorf, SPD-Pressesprecher und Heimathistoriker, hat selbst als Jugendlicher Munition auf einem Acker am Schäferberg gefunden. „Die haben wir dann aufgesammelt und zu Bauer Böge gebracht, dem der Acker gehört“, erinnert er sich.

 Bodo Clausen,Vorsitzender des städtischen Sportausschusses, verbreitete auf der Homepage der SPD Bad Bramstedt: „Wenn die Vermutung der CDU richtig ist, müsste man den Platz sofort sperren. Entweder handelt es sich hier um einen eklatanten Fall von Panikmache oder beispiellos unverantwortliches Handeln in der Vergangenheit.“

 Laut dem Leiter des städtischen Bauamtes, Udo Reinbacher, besteht jedoch kein Grund zur Panik. „Ich gehe davon aus, dass beim Bau des Tennenplatzes bereits eine Bodenuntersuchung stattgefunden hat.“ Es gebe keinen Grund, den Spielbetrieb zu verbieten. Außerdem: Munition explodiert nicht von alleine.

 In den nächsten Wochen sollen zunächst durch Bohrungen Bodenproben von dem Platz genommen werden, um festzustellen, welchen Untergrund er hat. Das ist Voraussetzung, um überhaupt die Kosten für einen Kunstrasenplatz abschätzen zu können. Schon für diese Bohrungen allerdings muss der Kampfmittelräumdienst eingeschaltet werden. Es ist nur schwierig, einen Termin bei den Experten in Kiel zu bekommen, hat Reinbacher festgestellt. Der Räumdienst sei zurzeit sehr beschäftigt durch Minenfunde in der Kieler Förde. Er hofft aber, dass nach Pfingsten mit der Untersuchung begonnen wird.