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Segeberg Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern
Lokales Segeberg Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern
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14:05 28.03.2019
Von Gunnar Müller
Judith Maiwald (von links), Nina Rüll und Lisa Uecker stellten das neue Angebot vor. Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg nahm von Ingeborg Wittkugel symbolischen ein Scheck entgegen. Quelle: Gunnar Müller
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Kaltenkirchen

Bereits kleine Kinder räumen, wenn Besuch kommt, Alkohol vom Tisch, verstecken die Flaschen der Mutter, des Vaters oder von beiden. Aus Scham gegenüber dem Besucher – aber auch als Schutz für die Eltern. Kinder, die nicht einmal zehn Jahre alt sind, werden so in eine Verantwortungsposition geschubst, in die sie in diesem Alter nicht gehören. Zurückbleiben dabei oft am meisten sie selbst: Niemand, dem sie sich und ihre Geschichte anvertrauen können und hilflos, weil sie an der Situation nichts ändern können.

Vertrauensvolle Gespräche

Judith Maiwald könnte viele Schicksale junger Menschen erzählen – zögert aber dabei. Die Sozialarbeiterin und Familientherapeutin möchte keinesfalls, dass Kinder und Familien identifizierbar sind. In der Beratungsstelle unterliegen alle Angaben, alle Gespräche, alle Details der Schweigepflicht. „Kinder brauchen einen Rahmen, in dem sie geschützt sind und von ihren Erfahrungen sprechen können.“

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Unterstützung von außen

Und so sind die dramatischen Erlebnisse nur Beispiele dessen, was sich tagtäglich in Deutschland hinter Haus- und Wohnungstüren abspielt. „Zweieinhalb bis drei Millionen Kinder wachsen in suchtbelasteten Familien auf,“ erläutert Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, der Gesamtleiter der ATS, die Bedeutung des Angebotes. Nicht jedes dieser Kinder und Jugendlichen brauche Unterstützung von außen. „Aber mindestens ein Drittel sind in einer Situation, wo sie mit der Sucht in der Familie nicht klarkommen.“

Im vergangenen Jahr konnte dann – auch durch das Diakonische Werk und der Benefizaktion des Norddeutschen Rundfunks mit „Hand in Hand für Norddeutschland“ – die Arbeit in Kaltenkirchen begonnen werden: 40.000 Euro seien so bislang in das Projekt geflossen.

adsf

Auch der Lions Club Kaltenkirchen beteiligt sich nun mit 4.000 Euro. Präsidentin Ingeborg Wittkugel überreichte an Dr. Tecklenburg einen symbolischen Scheck. „Sucht ist nach wie vor ein Tabuthema,“ erklärt Psychologe Teckenlenburg. Die oft soziale Drucksituation, sei, so der ATS-Leiter, letztlich Folge einer Erkrankung: „Suchtkranke Eltern sind dadurch keine schlechten Eltern.“

Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche

Für Kinder zwischen sechs und elf Jahren gibt es ein Gruppenangebot, bei dem sie sich, angeleitet von Nina Rüll, gegenseitig austauschen können, bei dem aber auch die Familien mit in den Blick genommen werden.

Eine spezifische Gruppe für Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren, die Pädagogin Lisa Uecker begleitet, thematisiere zudem den eigenen Umgang mit Suchtmitteln oder das eigene Körperbild. Jungs seien in dem Alter noch zu verschlossen, begründet Tecklenburg, dass man sich zunächst auf Mädchen beschränke. „Es geht hier aber auch darum, dass die Jugendlichen mal Spaß haben können“, ergänzt Judith Maiwald.

Die Gruppen treffen sich wöchentlich. Weitere Informationen gibt es unter www.ats-sh.de und unter Tel. 04191/3625.

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