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Segeberg Kita-Konzept in Weede vorgestellt
Lokales Segeberg Kita-Konzept in Weede vorgestellt
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12:29 04.02.2020
Von Klaus J. Harm
Über 60 Eltern und Kinder informierten sich auf dem Steinbeker Hof über den geplanten Bauernhof-Kindergarten in Weede. Die Schafe konnten sie schon einmal begrüßen. Quelle: Klaus J. Harm
Weede

Mit soviel Andrang hatten Jochen Wittern und Anna-Marie Muhs beim Infotermin zum geplanten Bauernhofkindergarten in Weede nicht ernsthaft gerechnet. Über 60 Eltern hatten sich mit ihrem Nachwuchs im Café Kunterbunt auf dem Steinbeker Hof eingefunden, um sich über das Konzept und die Planungen informieren zu lassen.

Anna-Marie Muhs ist selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen, ist Mutter von fünf Kindern und hat inzwischen auch schon zwei Enkel. Auf ihrem Bauernhof in Krummbek im Kreis Plön gründete die Ökotrophologin, Betriebswirtin und Montessori-Pädagogin vor 20 Jahren ihren eigenen Bauernhofkindergarten.

Genossenschaft Kita Natura betreibt sechs Bauernhof-Kitas

Aus den Erfahrungen daraus gründete sie mit der Pädagogin Larissa Schweizer die gemeinnützige Genossenschaft „Kita Natura“, die mittlerweile sechs Kindergärten in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg betreibt, etwa in Passade oder Rendswühren in Plön.

„Unser „Wurzelkindergarten“ in Krummbek läuft im 21. Jahr und wir haben immer eine Warteliste gehabt“, berichtet Anna-Marie Muhs stolz über den Erfolg des Konzepts. Die Kinder könnten den Jahreszeitlauf, das Säen und Ernten erleben, im Kontakt mit Hühnern, Schafen und Ziegen Verantwortung übernehmen und ein natürliches Verhältnis zum Mitgeschöpf Tier entwickeln.

Ob im Sommer Salate, Radieschen oder Kohlrabi geerntet und zu knackigen Salaten verarbeitet werden oder ganzjährig Hühner gefüttert und Eier ausgenommen würden - all diese Kontakte mit der Natur ließen die Kinder gesünder aufwachsen und vermittelten auch eine höhere Sozialkompetenz, ist Muhs überzeugt.

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„Unsere Kinder fallen zum Beispiel in der Schule durch eine hervorragende Motorik auf“, berichtet sie. „Sie können zum Beispiel deutlich früher als andere rückwärts laufen oder auf einem Bein stehen.“

Freie Räume für neue Bauernhof-Kita in Steinbek

Jochen Wittern und den Steinbeker Hof kennt Muhs seit vielen Jahren. Des Öfteren hätten sie bereits darüber gesprochen, dort einen siebten Bauernhofkindergarten zu eröffnen. Nun aber habe sich die Gelegenheit ergeben, da im hinteren Bereich des Hofes die Räume einer früheren Tierarztpraxis freigeworden seien. Mit 160 Quadratmeters seien diese groß genug und mit einer Fußbodenheizung versehen. Daher wären lediglich geringe Umbauarbeiten notwendig.

Für den Kindergarten sollen aus Sicherheitsgründen 600 Quadratmeter Außenfläche zum Hof hin abgegrenzt werden, die dann direkt an den Koppeln der Ziegen und Schafe liegen. Als Personal plant Muhs eine Vollzeit- und zwei Halbzeitkräfte. „Damit können wir die geplante Öffnungszeit von 7 bis 14 Uhr sicher abdecken“, hat sie die Erfahrung aus ihren anderen Kitas. Träger der Kita wird, wie bei den anderen sechs Einrichtungen auch, die gemeinnützige Genossenschaft Kita Natura.

Bauernhof-Kita ist genossenschaftlich organisiert

Daher müssen die Eltern für jedes Kind einen Genossenschaftsanteil von 350 Euro erwerben, der aber nach der Kita-Zeit wieder zurückgezahlt werde. Für die Kosten der Unterbringung sieht das Kita-Reformgesetz einen Satz von 5,82 Euro pro Betreuungsstunde vor, die wohl nach der in Schleswig-Holstein üblichen Drittelfinanzierung von durch Eltern, Kommunen und Land aufgebracht werden sollen.

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Thies Ehlers, Bürgermeister von Neuengörs und Verbandsvorsteher des Kindergarten-Zweckverbandes Neuengörs, zu dem die Gemeinden Weede, Bahrenhof, Bühnsdorf, Wakendorf I und Neuengörs gehören, steht grundsätzlich dem Vorhaben positiv gegenüber.

„Wir unterstützen die Idee und finden, dass Kinder auf dem Bauernhof wesentlich besser untergebracht sind, als in einem sterilen Stadtkindergarten“, sagt Ehlers. Allerdings gebe es derzeit noch Bedenken, ob sich eine Einrichtung mit nur einer einzigen Gruppe von 18 Kindern wirtschaftlich betreiben lasse.

Kita-Zweckverband zeigt Verhandlungsbereitschaft

Den „Wurzelkindergarten“ in Krummbek habe er sich angeschaut und sei begeistert gewesen, dass die Kinder dort nicht nur einen „Streichelzoo“ erlebten, sondern auch die Produktion auf einem lebendigen Bio-Bauernhof, sagt Ehlers. Angst vor Konkurrenz für die eigenen Einrichtungen hat Ehlers nicht: „Die sind alle voll“, berichtet er.

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Wenn sich ausreichend Interessenten fänden, werde es sicherlich Verhandlungen mit der Genossenschaft geben, um die Höhe der kommunalen Förderung festzulegen.

An Interessenten jedenfalls dürfte es nach der Beteiligung am Info-Nachmittag nicht mangeln, viele der über 60 Besucher füllten gleich vor Ort eine Interessensbekundung aus. Dabei setzen sie auch auf den „Stalleffekt“. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten nämlich ergeben, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, wesentlich weniger Allergien und Krankheiten haben. „Man kann so einen Bauernhofkindergarten auch ein Immuntrainingslager nennen“, sagt Anne-Marie Muhs.

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