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Segeberg Ein Pedal für eine Königin
Lokales Segeberg Ein Pedal für eine Königin
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10:21 12.07.2019
Von Gunnar Müller
Kirchenmusiker Daniel Zimmermann wirbt um Spenden für die "Kaltenkirchener Königin" - die Orgel in der Michaeliskirche. Quelle: Gunnar Müller
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Kaltenkirchen

 „Oben sind die Pfeifen offen und mit der Zeit setzt sich da Staub und Schmutz ab“, sagt Zimmermann. Und dann, alle zwei Jahrzehnte, werden die rund 1 500 Pfeifen aus der Orgel rausgenommen, gesäubert und wieder eingesetzt. Da dies regelmäßig passieren muss, um das Kircheninstrument auch weiterhin kraftvoll erklingen zu lassen, sind rund 20 000 Euro als Rücklagen eingeplant. 

Orgel bekommt tiefe Basstöne

Allerdings ist die Orgel seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr ganz vollständig. Kirchenmusiker Zimmermann möchte beides, Sanierung und Einbau, in einem Rutsch erledigen. „Es ist noch Platz für ein Pedalregister, das da irgendwann mal vorhanden gewesen sein muss.“ Zum kompletten Vollklang soll nun eine 16-Fuß-Posaune eingebaut werden, „die der Orgel eine klangliche Präsenz der tiefen Basstöne hinzufügt“. Kräftig und besonders für Orgelwerke geeignet, denen bislang das Fünkchen fehlte. 

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Kaltenkirchener Orgel ist eine Rarität

„Wir haben hier eine ziemliche Rarität in Kaltenkirchen“, erklärt Zimmermann. Seit 1888 schallt durch die Michaeliskirche eine dänische Marcussen-Orgel mit einem „warmen“, romantischen Gesamtklang, schwärmt Zimmermann. Und die „Königin der Instrumente“ sei, trotz ihres Alters, in einem guten Zustand. Ein bisschen mache sie noch Windgeräusche, auch das werde behoben. Bei der vorangegangenen Sanierung wurden die teils noch aus Zink gefertigten Pfeifen durch zinn-bleierne ersetzt, aber auch einige Holzpfeifen ertönen von der Empore über dem Eingang. „Es ist auch für den Klang von Bedeutung, wie und worauf eine Orgel steht – in Kaltenkirchen ist das alles aus Holz.“

Kirche sucht Unterstützung für Orgel

Für das Pedal jedoch bittet der Kirchenmusiker um Spenden, denn neben den eingeplanten 20 000 Euro für die Sanierung, schlage auch die Beschaffung und der Einbau des Pedals mit 20 000 Euro zu Buche.

Viele Kollegen beneideten Zimmermann, der neben seiner Organistentätigkeit auch als Dozent an der Musikhochschule in Hannover arbeitet, um die Kaltenkirchener Orgel. Diese finde seiner Meinung nach häufig zwar Gehör, aber viel zu wenig Beachtung. „Man sieht sie ja nicht, wenn man in der Kirche sitzt.“ Genau deswegen startete er im vergangenen Jahr ein Experiment bei einem Konzert: Eine Live-Übertragung zeigte per Leinwand auch den Zuschauern, was und wer in deren Rücken spielt.

Orgel-Sanierung bei "laufendem Betrieb"

Übrigens, so Daniel Zimmermann, musikalische Beeinträchtigungen bei Gottesdiensten oder Hochzeiten müsse keiner fürchten. „Die Orgel ist die ganze Zeit weiter bespielbar.“ Vielleicht müsse er an der einen oder andere Stelle kurz wechseln. „An sich wird das aber nicht auffallen.“ Nach dem Einbau des neuen Pedals könne dann „mit voller Power“ in der Michaeliskirche gespielt werden. Nicht nur zu Hochzeiten oder Gottesdiensten, sondern auch zu Konzerten. „Im kommenden Jahr wird die Michaeliskirche ein Ort des Schleswig-Holstein-Musikfestes sein.“ Darauf freue er sich jetzt schon – auch wenn dann ein anderer Organist die neue alte Kaltenkirchener Königin bespielen wird.

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