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Segeberg Reinhold Beckmann rockte die Bühne
Lokales Segeberg Reinhold Beckmann rockte die Bühne
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20:34 28.04.2019
Von Heinrich Pantel
Reinhold Beckmann und seine Band spielte drei Stunden im Margarethenhoff in Kisdorf. Danach gab es Autogramme und Fotos. Quelle: Heinrich Pantel
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Kisdorf

Vom Veranstalter, dem Träger-Verein Margarethenhoff, kündigte Katrin Schick den Besuchern Reinhold Beckmann mit der Bemerkung an, sie habe ihn gefragt, warum er neuerdings im fremden Metier auftrete. Die Antwort sei gewesen, „Weil Musik zu machen so verdammt geil ist!“ Die angedeutete Leidenschaft machte der prominente Gast auf der Bühne umgehend deutlich. Er umriss zunächst Szenen mitten aus seinem Leben, auch aus seinem privaten, um anschließend voller Inbrunst von ihm verfasste Texte zu singen. Er selbst spielte dazu auf der Gitarre. Verstärkung boten zwei weitere Gitarren, ein Piano, eine Trompete, ein Schlagzeug sowie der Hintergrundgesang seiner vier Instrumentalisten.

Leise Töne und Texte zum Nachdenken

Beim ersten Lied „Für den Moment, für alle Zeiten“ dominierten leise Töne zum nachdenklich-dramatischen Text, bei dem das Leben in Flammen steht und das Kartenhaus lichterloh brennt. Aber der Song gibt auch Hoffnung. Mit seiner markanten Stimme sang Beckmann gefühlvoll dazu: „Dann weiß ich, es geht weiter, nur mit dir, es geht nur so.“ Wer sollte hinter dem Dir vermutet werden? Die Ehefrau, die Geliebte, eine vertraute Person? Den Zuhörern blieb Raum für eigene Antworten.

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Trompetensolo kam besonders gut an

Vor dem nächsten Lied erzählte Beckmann, dass er in den 1970er Jahren als junger Mann den Wehrdienst verweigerte und nach Marburg kam. Er erwähnte aus dem Freundeskreis einen Siggi, einen angehenden Geistlichen, der abrupt die Richtung seines Lebensweges änderte und zu Karl Marx „konvertierte“. Eine gewisse Doro habe plötzlich unter die Bluse gegriffen, sich des Büstenhalters entledigt und demonstrativ übliche Normen über Bord geworfen. Was wurde aus beiden? Ein braver Bürger mit Kegelverein und Kleingarten – und eine Ortsvorsitzende der CSU. Das Lied „Die Zeiten sind obskur“ ließ dann in eine von Widersprüchen geprägte Gefühlswelt eintauchen: „Ich häng’ hier fest, bin neben meiner Spur.“ Jan Peter Klöpfel, der Pianist, wechselte das Instrument und glänzte mit einem melancholisch-schönen Trompetensolo. Eine Besucherin lobte in der Pause: „Trompeten gehen in einer Gruppe oft unter. Hier bekam sie plötzlich eine tragende Rolle.“ 

Mit "Charlotte" wurde es noch mal lustig

Bei der Mehrzahl der interpretierten Lieder griff Beckmann auf sein Album „Freispiel“ zurück. Nicht so beim Titel „Gangster“. Zweifelhafte Personen am Ruder: Zocker, Looser, Milliardäre. Die Welt umgepflügt von Hasardeuren. Donald Trump, Spott über seine Frisur und Treffen mit Angela Merkel erinnerten an fragwürdige Politik. Die Hauptperson des Abends nutzte die Gelegenheit, um seine Bandmitglieder von der Leine zu lassen. Der Henstedt-Ulzburger Karsten Andreas Sprogö, der mit seiner Frau Melita zum zweiten Mal ein Konzert von Beckmann & Band live erlebte, kommentierte ganz begeistert: „Eine großartige Vorstellung. Die Musiker inspirieren sich gegenseitig. Sie sind mit Herzblut dabei.“

Am Ende wurde es noch einmal lustig. Mit „Charlotte“ besang Beckmann einen Heranwachsenden, der zum ersten Mal von der Weiblichkeit einer Frau gefangen scheint. Die Angehimmelte ist die Schlachtertochter. Sie steht hinter dem Verkaufstresen und bringt den Jungen zwischen Leberwurst und Gulasch mit ihrem üppigen Dekolleté ins gedankliche Abseits. Beim Refrain zum Mitsingen animiert, stimmte das Publikum amüsiert ein: „Ach Charlotte, wenn du wüsstest, welche Wünsche mich umtreiben“.

Nach tosendem Beifall, Zugaben und knapp dreistündigem Auftritt nahm sich Beckmann geduldig Zeit, um Autogrammkarten zu signieren und mit seinen Fans für Erinnerungsfotos zu posieren. Bemerkungen wie „Ein toller Abend!“, „Super Vorstellung!“ und „Vielen Dank!“ drückten es sehr treffend aus: Der Moderator und Talkmaster konnte auch mit rockiger Musik begeistern. Er brachte seine Gedanken unter die Leute, ohne zu belehren. 

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Sönke Ehlers 28.04.2019
Michael Stamp 28.04.2019